MÜNSINGEN. In den Nachtstunden vom 14. auf den 15. Januar 1945 überflog eine brennende He 111 der deutschen Luftwaffe Bremelau in westöstlicher Richtung und stürzte, unweit des Kreuzberges, auf die Felder Richtung Heuhöfe. Alle fünf Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Es waren dies Georg Hemmerlein (23 Jahre), Hugo Reppin (32), Wilhelm Hubert (24), Ernst Fahrenwald (25) und Helmut Adam (21).
Sie befanden sich auf dem Rückflug von der »Atlantikfestung St. Nazaire«, dem bedeutendsten deutschen U-Boot-Stützpunkt an der Atlantikküste, den die Alliierten im Zuge ihrer Besetzung Frankreichs zwar einschlossen, aber nicht angriffen. Im Unterschied zu anderen deutschen Küsten-Festungen wurde St. Nazaire auch nicht ausgehungert und konnte sich bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 halten. Grund hierfür: Der Stützpunkt verfügte über eine eigene Start- und Landebahn, über die regelmäßige nächtliche Versorgungsflüge aus dem noch nicht besetzten Reichsgebiet abgewickelt wurden.
Die He 111 hatte einen dieser Versorgungsflüge absolviert und war kurz vor Erreichen ihres Heimatstandortes Dornstadt in Brand geraten, entweder durch einen Motorschaden oder den Beschuss durch einen feindlichen Nachtjäger, der zum Absturz führte. Ihre Ladung bestand aus Säcken voller Postkarten und Feldpostbriefen, die die Bremelauer Kinder am nächsten Tag, verstreut auf den Feldern, aufsammeln mussten, damit sie weiterverschickt werden konnten.
Im Jahr 2013 wurde am Rande des Kreuzberges ein Gedenkstein aufgestellt, dessen Tafel an dieses Kriegsereignis erinnert. Mitwirkende beim Projekt waren die örtlichen Firmen Böhler und Leicht, der Jugendtreff und die Interessengemeinschaft Bremelau, die Raiffeisenbank Mehrstetten und die Stadt Münsingen.
Nach Aussagen von Reinhold Böhler, der damals bei der Beerdigung als Ministrant Pfarrer Hiemer assistierte, wurden die tödlich Abgestürzten auf der nördlichen Seite des Kreuzbergs unter einer mächtigen alten Buche, in einem damals sogenannten Heldengrab, beerdigt und nach dem Krieg in den Friedhof umgebettet. In späteren Jahren wurden zwei der Flieger exhumiert und in ihrer Heimat wiederbestattet. Die Namen der drei anderen sind heute an der Gedenkmauer für die Bremelauer Kriegsgefallenen mit aufgeführt
Fotos unbekannter Herkunft
Schon vor etwa zwanzig Jahren hatte Otmar Gotterbarm von einem Forscherkollegen aus dem Stuttgarter Raum drei Fotos unbekannter Herkunft erhalten, die den Vermerk »Absturz Bremelau« trugen. Ein Foto zeigt die Grabreihe im Friedhof, ein anderes die Trauerfeier vor dem Rathaus und das dritte die angetretene Ehrenformation der Wehrmacht.
Der Fotograf hatte die zwei letzten von höherer Warte, wohl aus einem Gebäude heraus, mit Blickrichtung zur Ehinger Straße hin, gemacht. Erkennbar ist Pfarrer Hiemer mit zwei Ministranten und eine Menschenmenge an den aufgereihten Särgen. Im Gegensatz zu dem Foto mit den erwähnten Gräbern war alles schneebedeckt. Das passte ja, denn die Ehren-Begräbnisfeier fand im tiefsten Winter statt, die Wiederbestattung sicherlich zu einer wärmeren Jahreszeit. Von dem ersten Grab, dem von Böhler erwähnten Heldengrab, ist bisher kein Foto bekannt. Bei Anlässen, die mit dem Krieg zu tun hatten, war es strikt verboten zu fotografieren. Es handelt sich daher zweifellos um Aufnahmen, die heimlich gemacht wurde. Es wäre reizvoll und nützlich, herauszufinden, wer damals den Mut dazu hatte, um ihm auch die Urheberschaft der Aufnahmen zuschreiben zu können. Am ehesten könnten wohl die Bremelauer beim Durchstöbern ihrer alten Fotoalben fündig werden. Dies würde es erleichtern, die historisch wertvollen Aufnahmen zweifelsfrei korrekt zu publizieren.
Wie Gotterbarm mitteilt, will er keine neuen Projekte mehr beginnen, hofft aber, dass er noch die Zeit findet, die eine oder andere heimatgeschichtliche Begebenheit, auf die er im Lauf seiner rund dreißigjährigen Forschungen gestoßen ist, wie etwa den Bremelauer Absturz, noch mit allen Details zu veröffentlichen. Kürzlich erschienen als »Zweite, korrigierte und ergänzte Auflage« ist eines seiner vergriffenen Bücher, »Die Abgestürzten – Der Luftkrieg am 25./26. Februar 1944 über Augsburg und der Schwäbischen Alb« (ISBN 978-36951-0251-8 bei BoD), mit den Abstürzen Frankenhofen, Seeburg und Großengstingen. Unter anderem ergänzt durch die Abbildungen der sieben Gedenksteine – jeweils mit Standortbeschreibung – die in den vergangenen Jahrzehnten in Oberschwaben und auf der Schwäbischen Alb errichtet wurden und an die von Gotterbarm erforschten, meist tragischen Luftkriegsereignisse erinnern – wie etwa der imposante Gedenkstein am Kreuzberg in Bremelau. (em)

