Logo
Aktuell Randnotiz

Spur des abgetauchten Reutlinger Gastronoms Rosario Gentile führt nach Teneriffa

Seit dem Verschwinden des Reutlinger Gastronoms Rosario Gentile, reißen die Gerüchte um seinen Verbleib nicht ab. Die Spurensuche führt zu einem Restaurant auf Teneriffa. Am Telefon meldet sich tatsächlich ein Rosario.

REUTLINGEN. Im März hat sich der Reutlinger Gastronom Rosario Gentile aus dem Staub gemacht. Angeblich wegen Problemen mit der Steuerbehörde. Mehr als sieben Monate ist das jetzt her, Gesprächsthema ist er aber noch immer. Wo steckt er, fragen sich viele? Eine Dame behauptet, er sei in Spanien geschnappt worden, ein italienischer Restaurant-Besitzer will ihn kürzlich in Reutlingen gesehen haben. Doch das sind alles Gerüchte. Polizei und Steuerfahndung, die einzigen, die gesicherte Informationen geben könnten, schweigen weiter mit Verweis auf das Steuergeheimnis. 

Über eine anonymisierte Mailadresse erreicht den GEA ein weiterer Hinweis auf den Verbleib des gebürtigen Sizilianers. Er sei auf die Kanaren geflohen, heißt es im Betreff, ansonsten enthält die Nachricht nur einen Link zu einer Facebookseite mit dem Namen »Rosario Restaurante«. Und schau an, da ist der Verschollene. Auf einem Foto, das am 9. August gepostet wurde, ist er in Arbeitskleidung beim Kochen zu sehen. Über dem Bild steht auf Italienisch: »Im Moment der Planung, Organisation und Schaffung eines neuen Restaurants vermisse ich es auf jeden Fall, für Sie zu kochen. Aber es braucht nur ein wenig Geduld! Bald werde ich meine fantastischen Gerichte für Sie zubereiten!«

Die Frage, die sich zuerst stellt: Ist es wirklich möglich, dass ein mutmaßlich von den Behörden gesuchter Flüchtiger freimütig Fotos im Netz postet? Und womöglich sogar ein eigenes Restaurant eröffnet, kurz nachdem er in seiner ehemaligen Heimat Mietschulden in fünfstelliger Höhe angehäuft hat? Es fällt schwer, das zu glauben. Kontaktanfragen via Mail und Facebook bleiben unbeantwortet. Die Vermutung liegt nahe, dass die Seite ein Fake ist.

Falls das so ist, dann scheint sich jemand für den Schwindel viel Mühe zu geben. Woche für Woche werden neue Fotos geteilt. Von italienischem Essen, der Küche, der Einrichtung, der Speisekarte und schließlich auch von Gentile selbst. Die Bilder zeigen ihn im gleichnamigen Restaurant in der Reutlinger Feuerwache mit Promikoch Mike Süsser. Damals holte er sich in der Fernseh-Kochsendung »Mein Lokal, dein Lokal« im Wettstreit mit vier anderen Gaststätten der Region den ersten Platz. Schließlich taucht das Lokal sogar bei Google Maps auf, der Standort ist Los Cristianos auf Teneriffa. 

Und dann ist laut Facebook Eröffnung, einen Tag bevor Deutschlands Gastronomen erfahren, dass sie wegen der Corona-Pandemie dicht machen müssen. Damit Gäste reservieren können, veröffentlicht der Seitenbetreiber eine Telefonnummer. Rosario Gentile sei jedoch nicht zu sprechen, sagt der Mann am anderen Ende der Leitung auf Spanisch. Gegenüber dem GEA sagt er, er sei Inhaber der Pizzeria, heiße auch Rosario, aber nicht Gentile. Dieser habe bei ihm als Koch gearbeitet, sei mittlerweile aber auf Sizilien. Das mag glauben, wer will. (GEA)