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Aktuell Gewitter

Bilanz: 282 Unwetter-Einsätze für Reutlinger Feuerwehr, Hagelflieger kam zu spät

Bei Unwettern in der Region sind fünf Personen verletzt worden. Autos und Gewächshäuser wurden beschädigt, es gab massive Überflutungen, die Botanik hat stark gelitten. Eine erste Bilanz.

Zwischen Oferdingen und Rommelsbach entstand dieses fast surreal wirkende Leserfoto während des Hagelsturms am Mittwochabend. Foto: Homeck
Zwischen Oferdingen und Rommelsbach entstand dieses fast surreal wirkende Leserfoto während des Hagelsturms am Mittwochabend.
Foto: Homeck

REUTLINGEN. Am Mittwochabend sind in der Zeit ab 17.45 Uhr bis kurz nach Mitternacht mehrere Gewitterzellen über die Landkreise Reutlingen/Tübingen/Esslingen und den Zollernalbkreis mit zum Teil unwetterartigen Niederschlägen hinweggezogen. Durch die Niederschläge mit bis zu tennisballgroßen Hagelkörnern wurden unzählige Häuser und Fahrzeuge in allen vier Landkreisen beschädigt. Weiterhin wurden fünf Personen im Zusammenhang mit dem Unwetter zum Teil schwer verletzt.

Zudem waren zahlreiche Straßen, Unterführungen und zum Teil auch Bahnschienen während des Unwetters unpassierbar. Durch auf Stromleitungen gestürzte Bäume kam es mancherorts zu kurzfristigen Stromausfällen. Am Flughafen Stuttgart musste der Flugbetrieb mehrfach eingestellt werden. In der Hauptphase des Unwetters zwischen 18 Uhr und 20 Uhr gingen alleine in der Notrufzentrale des Polizeipräsidiums Reutlingen zirka 400 Anrufe ein. Die Feuerwehr Reutlingen berichtet von 282 unwetterbedingten Einsätzen, 203 davon betrafen das Reutlinger Stadtgebiet.

Aufgrund des Unwetters ereigneten sich zwei Verkehrsunfälle, bei denen vier Personen verletzt wurden. Gegen 19.40 Uhr ereignete sich auf der B 27 an der Anschlussstelle Tübingen-Nord bei nebligen Witterungsverhältnissen ein Auffahrunfall mit zwei Fahrzeugen. Hierbei erlitten zwei Personen schwere und ein Fahrer leichte Verletzungen. Kurz nach 18.30 Uhr kam es auf der B 312 bei Metzingen zu einem weiteren Auffahrunfall, bei dem sich ein Fahrer leicht verletzte. Ein Autofahrer musste aufgrund eines auf die Fahrbahn gestürzten Baumes abbremsen, was sein Hintermann zu spät bemerkte und auffuhr. (pol)

Mann wird beim Sturz vom Dach schwer verletzt

In Kusterdingen stürzte kurz vor 20 Uhr ein Mann vom Dach eines Wohnhauses. Der 33-Jährige war auf das Gebäude gestiegen, um es vom Hagel zu befreien. Hierbei rutschte er aus und zog sich beim Sturz schwere Verletzungen zu. Der Mann musste vom Rettungsdienst in eine Klinik gebracht und dort stationär aufgenommen werden.

Am Donnerstag waren zu Beginn des morgendlichen Berufsverkehrs alle Straßen und Bahnlinien wieder befahrbar und von den Hagelmassen beziehungsweise sonstigen Verunreinigungen befreit. Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr, Mitarbeiter der Straßenmeistereien sowie der Städte und Gemeinden waren stundenlang im Einsatz. Die weiteren Aufräumarbeiten dauern zurzeit noch an. (pol)

Wasserschaden im Impfzentrum Tübingen: Gebuchte Termine sollen auf umliegende Impfzentren verlegt werden

Das Impfzentrum Tübingen in der Paul-Horn-Arena ist vom Unwetter massiv getroffen worden. Nach erster Einschätzung kann die Halle für mindestens zwei Wochen nicht genutzt werden. Personen, die für heute (24. Juni) einen Impftermin gebucht haben, wurden bereits über die Absage ihres Termins informiert. Derzeit wird an einer Lösung gearbeitet, wie die gebuchten Termine schnellstmöglich nachgeholt werden können. Die Betroffenen werden in Kürze kontaktiert, heißt es von Seiten des Landratsamtes.

Termine, die ab morgen, Freitag, 25. Juni 2021 gebucht sind, können voraussichtlich bestehen bleiben – sie sollen auf umliegende Impfzentren verlegt werden. Dies betrifft in erster Linie die Zweitimpfungen. Ob auch die Erstimpftermine bestehen bleiben können, steht noch nicht fest. Möglicherweise müssen hier von den Betroffenen neue Termine vereinbart werden. Über Lösungsmöglichkeiten wird aktuell mit dem Sozialministerium und den umliegenden Kreisen gesprochen. Alle Betroffenen (Erst – und Zweittermine) werden direkt informiert, sobald Konkretes feststeht. Auch für die auf den Impfstoff Janssen (Johnson&Johnson) für Freitag, 25. Juni und Samstag, 26. Juni gebuchten Termine werden Lösungen gesucht. Die Betroffenen werden ebenfalls direkt kontaktiert. (pm)

Felder auf den Härten massiv getroffen

Die Landwirte auf den Härten hat das Hagelunwetter gestern massiv getroffen. Der Immenhäuser Landwirt Jörg Kautt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Tübingen, hat am Donnerstagmorgen Teile seiner Felder begutachtet und zieht auf GEA-Anfrage eine erste Bilanz. »Beim Mais in Richtung Kusterdingen kann man von einem Totalausfall sprechen«, sagt er. Die jungen Pflanzen seien so geschädigt, dass er nicht davon ausgeht, dass sie sich wieder erholen. »Ich werde nochmal aussäen«, sagt er. Auch wenn das eigentlich einen Monat zu spät sei.

Auch die Heuwiesen habe es im Bereich Kusterdingen, Wankheim, Mähringen und Immenhausen »zusammengeschlagen«. Die Wiesen seien eigentlich zum Mähen vorgesehen gewesen, sagt Kautt. Nun liegen die Pflanzen beschädigt im Matsch. Wenn man sie überhaupt noch verwenden könne, sei die Qualität minderwertig. Es bestehe aber auch die Gefahr, dass sie nun anfangen zu schimmeln. Ähnlich schlecht sieht es beim Getreide auf den Härten aus: Die Felder, die Kautt gestern und heute begutachten konnte, seien zu mindestens 50 Prozent geschädigt, sagt er. (kk)

Ein Maisfeld bei Mähringen: Die noch jungen Pfanzen wurden vom Hagel stark geschädigt. Foto: Tim Kost
Ein Maisfeld bei Mähringen: Die noch jungen Pfanzen wurden vom Hagel stark geschädigt.
Foto: Tim Kost

Modehaus Zinser in Tübingen: Wassereinbruch im Obergeschoss

Im Modehaus Zinser in Tübingen gab es während des Unwetters am Mittwochabend einen großen Wasserschaden. »Das Dach war überflutet und Hagelkörner haben die Abläufe verstopft«, berichtet der Geschäftsleiter des Tübinger Hauses, Stefan Rinderknecht. Der Druck auf die Rohre durch den Rückstau des Wassers sei so enorm gewesen, dass die Rohre das stellenweise nicht mehr ausgehalten hätten. Im 2. Obergeschoss sei dann auf einer Fläche von 200 Quadratmetern an vielen Stellen das Wasser aus der Decke gelaufen, »wie wenn man den Wasserhahn aufgedreht hat«. 

Mitarbeiter hätten noch versucht die Kleidung in Sicherheit zu bringen, auch Kunden hätten mit angepackt, »dafür sind wir extrem dankbar«, sagt Rinderknecht. Die Decke an der betreffenden Stelle sei kaputt, so Rinderknecht weiter. Wie viele Kleidungsstücke geschädigt sind, konnte er noch nicht sagen. Er sagt, dass man »Glück im Unglück« hatte: Um das Modehaus herum hatten sich die Straßen kurzzeitig in kleine Flüsse verwandelt. Da die Straßen abfällig seien, sei das Wasser immerhin nicht in den Haupteingang eingedrungen. (kk)

Pflegeheim in Rottenburg: Mehrere Stockwerke nicht bewohnbar 

In Rottenburg waren nach dem Unwetter in einem Pflegeheim mehrere Stockwerke zunächst nicht bewohnbar, wie es von der Feuerwehr hieß. Das Gebäude wurde zum Teil evakuiert, 23 Bewohner in Sicherheit gebracht. Die ersten Hagelkörner fielen in Starzach, von da zog das Gewitter weiter – »die Neckarschiene entlang« wie Tübingens Kreisbrandmeister Marco Buess sagt: über Rottenburg, Tübingen, Kusterdingen und Kirchentellinsfurt bis in den Reutlinger Nordraum. In Stockach fiel Hagel, doch die Gomaringer Feuerwehr musste nicht ausrücken. Orte abseits der Neckarschiene bekamen wenig mit: Ammerbuch oder Dettenhausen etwa und im Steinlachtal. Buess selbst lebt in Ofterdingen und sagt: »Da hat’s nicht mal geregnet.« (sapo)

Reicheneck kurz vor dem Hagel: Dieses Bild hat Gerd Ruoß um 18.14 Uhr aufgenommen. Foto: Gerd Ruoß
Reicheneck kurz vor dem Hagel: Dieses Bild hat Gerd Ruoß um 18.14 Uhr aufgenommen.
Foto: Gerd Ruoß

Landwirt aus Reutlingen-Mittelstadt: »Ernte wird Totalausfall sein«

Landwirt Eberhard Müllerschön aus Reutlingen-Mittelstadt bilanziert am Mittag nach dem Unwetter: »Also diese Ernte wird ein Totalausfall sein.« Mittelstadt wurde - wie die anderen Nordraum-Gemeinden auch - besonders hart vom Hagel getroffen. Der Hafer sei »total kaputt«, die Wintergerste auch, der Mais ebenfalls. Aus den Resten des Weizens könne man vielleicht noch Grünmasse machen, die verfüttert oder für Biogasanlagen verwendet werden kann. Allerdings steht auch davor noch ein großes Aber: »Wegen dem Pilzwetter haben wir viel Pflanzenschutzmittel eingesetzt«, erklärt Müllerschön. Deshalb müsse er erstmal schauen, ab wann man Reste des Weizenfeldes überhaupt verfüttern dürfe. Dauert es noch lange, bestehe die Gefahr, dass die Pflanzenreste auf dem Feld vergammeln. 

Für Müllerschön und andere Landwirte in seiner Region war der Hagel am Mittwoch verheerender, als der 2013. Er erklärt: »2013 hatten wir das Gras und die Wintergerste wenigstens schon drin, auch der Weizen war schon reifer.« (kk)

Riederich und Bempflingen stark betroffen

Das Unwetter vom Mittwochabend hat auch in Riederich und Bempflingen starke Schäden hinterlassen. Pliezhausen, Metzingen und Grafenberg kamen glimpflicher davon. Hagel und stürmische Böen gefolgt von anhaltendem Starkregen waren von Tübingen her durchs Neckartal gezogen und hatten über das hart betroffene Mittelstadt auch Riederich erreicht. Dorthin ging es über Straßen mit grünen Laubspuren, der Hagelsturm hatte jede Menge Zweige von den Bäumen gefetzt. »Wir hatten 56 Einsatzstellen«, sagt Bürgermeister Tobias Pokrop im Rückblick. An Dächern verschob der Sturm Ziegel oder brachten große Hagelkörne Lichtkuppeln zum Bersten, anschließend trat Wasser ein, ins Rathausfoyer genauso wie ins Feuerwehrhaus und den Zugangsbereich von Schulsporthalle und Lehrschwimmbad. (pfi)

In Riederich überflutete das Unwetter Grundstücke. Foto: Kirsten Oechsner
In Riederich überflutete das Unwetter Grundstücke.
Foto: Kirsten Oechsner

Alle Dächer kaputt: Gärtnerei in Degerschlacht hart getroffen

Zum zweiten Mal innerhalb von nur acht Jahren hat der Hagel Bernhard Baum aus Degerschlacht die ganze Existenzgrundlage zerstört. Alle Gewächshäuser der gleichnamigen Gärtnerei sind kaputt. Baum ist zwar gegen Unwetterschäden versichert. Doch bis die Gewächshäuser nach dem Hagel 2013 zumindest wieder standen, dauerte es rund ein halbes Jahr. »Eigentlich müssten wir jetzt beispielsweise Weihnachtssterne und Stiefmütterchen eintopfen«, sagt Baum. Doch ohne Dach auf dem Gewächshaus geht erstmal gar nichts. Auch die Sonnenblumen habe es beispielsweise kaputt gehagelt. 

2013 habe die Schadenssumme 700.000 bis 800.000 Euro betragen. Baum rechnet nun mit einer ähnlichen Summe. Man könne Gewächshäuser zwar mit Sicherheitsglas etwas besser schützen. Dieses sei jedoch deutlich teurer, sagt Baum. Und auch weniger energiesparend, als das Plexiglas, das er aktuell hatte. (kk)

14.500 Quadratmeter Fläche Gewächshaus - alles zerstört nach dem Hagel am Mittwoch. Foto: Baum
14.500 Quadratmeter Fläche Gewächshaus - alles zerstört nach dem Hagel am Mittwoch.
Foto: Baum

Stadt Reutlingen unterstützt Betroffene beim Aufräumen

Nach dem schweren Unwetter läuft das große Aufräumen in der Stadt. Betroffene Bürger könnten Sperrmüll, Schutt und Grüngutabfälle kostenlos und unkompliziert entsorgen, teilt das Presseamt mit. Auf dem Kemmler Platz vor der Julius-Kemmler-Halle in Betzingen (Hoffmannstraße) und dem Sportplatz in Mittelstadt (Neckartenzlinger Straße) haben die Technischen Betriebsdienste Reutlingen jeweils zwei Container aufgestellt, in denen Sperrmüll beziehungsweise Schlamm und Geröll entsorgt werden können. Ab dem morgigen Freitag stehen auch Container vor der Turn- und Festhalle in Oferdingen (Riedgraben).

Grüngut kann bis Samstag, 3. Juli, kostenlos auf dem Reutlinger Häckselplatz in Betzingen abgegeben werden. Der Häckselplatz ist montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16.45 Uhr sowie samstags von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Auf dem Häckselplatz Kirrisgrube in Mittelstadt werden die Öffnungszeiten der kommenden zwei Samstage (26. Juni und 3. Juli) auf 8 bis 16 Uhr verlängert. Auch hier kann an diesen beiden Samstagen Grüngut kostenfrei abgegeben werden. (pm)

Aufräumarbeiten in Mittelstadt. Foto: Niethammer
Aufräumarbeiten in Mittelstadt.
Foto: Niethammer

Unwetterbilanz der Stadt Tübingen

Die Stadtverwaltung Tübingen hat eine erste Bilanz der Unwetterschäden gezogen. Darin heißt es unter anderem, dass 18 Beschäftigte der Kommunalen Servicebetriebe (KST) bis nach Mitternacht im Einsatz waren, um überflutete Straßen zu räumen und verstopfte Gullys freizumachen. Ihr Einsatz ging am Morgen weiter. 260 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Tübingen und den umliegenden Kommunen waren an mehr als 200 Stellen im Einsatz. Besonders vom Unwetter getroffen ist die Paul Horn Arena, in dem zur Zeit das Corona-Impfzentrum untergebracht ist. Die Halle wird derzeit getrocknet und der Schaden untersucht. Erste Stichproben zeigen, dass der Hallenboden stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wie umfangreich die Schäden sind, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Das Impfzentrum soll so schnell wie möglich wieder seinen Betrieb aufnehmen.

Zahreiche städtische Gebäude weisen Schäden auf. Im Rathaus Weilheim wurden Fenster durch Hagel zerstört. Mehrere Gebäude haben Wasserschäden zu verzeichnen. Besonders betroffen sind die Walter-Erbe-Realschule, das Untergeschoss der Mensa Uhlandstraße, das Kinderhaus Herrlesberg und der Hölderlinturm. (pm)

Superzelle TÜ
Das Unwetter am 23. Juni über Tübingen von Reicheneck aus aufgenommen. Foto: Gerd Ruoß
Das Unwetter am 23. Juni über Tübingen von Reicheneck aus aufgenommen.
Foto: Gerd Ruoß

Prekärer Fall in Kusterdingen: Hagel drückt in Kellerwohnung

Prekär war die Situation in Kusterdingen. Zeitweise war der Ort nur noch über Jettenburg erreichbar. Die Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr musste zu 18 Einsätzen ausrücken. Zwei davon waren besonders ungewöhnlich. »Der Keller einer alten Fabrik und einer Kellerwohnung waren mit Hagel gefüllt«, berichtet der Kommandant der Freiwillingen Feuerwehr in Kusterdingen, Frank Ott. Die Hagelmassen hatten durch die Wohnungseingangstür von außen in die Wohnung gedrückt und standen 150 Zentimeter hoch in den Wohnräumen. »Die Familie hat uns das sehr dramatisch geschildert. Sie hatte großes Glück, dass sie das Haus sicher verlassen konnte«, sagt Ott. Von 19 bis 5 Uhr versuchten die Einsatzkräfte die Wohnung von den Hagelmassen zu befreien – ohne Erfolg. Noch immer sind die Körner in der Wohnung. »Der Eigentümer muss den Schaden jetzt an die Versicherung weitergeben«, sagte Ott am Donnerstagnachmittag. »In mehr als 30 Jahren bei der Feuerwehr habe ich so etwas nicht erlebt«, sagt Ott. Sogar das THW kam zur Hilfe.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das gesamte Haus nicht bewohnbar, weil der Stromanbieter das Wohnhaus vom Netz nehmen musste, da sich im vollgehagelten Keller der Verteilerkasten befindet. Die Familie ist nun von der Gemeinde in einer Notunterkunft untergebracht worden. (sapo)

Buntglasfront in Wannweiler Johanneskirche kaputt

Auch in Wannweil hat das Unwetter Gärten zerstört, wie Bürgermeister Dr. Christian Majer auf einer Fahrt mit der Feuerwehr gesehen hat. Majer saß in einem Ausschuss, als der Hagelsturm losbrach. »Ich habe gedacht, die Welt geht unter.« Er spricht von einem »verheerenden Unwetter, das für die Betroffenen sehr heftig war«. Gleichwohl es im Ort weniger große Schäden angerichtet als der Hagel 2013. Doch auch diesmal liefen Keller voll und auch die Unterführung in der Kusterdinger Straße. Auf der Hauptstraße stand das Wasser einige Zentimeter hoch. Vereinzelt wurden Dächer beschädigt. Fensterscheiben gingen zu Bruch, unter anderem eine ganze Buntglasfront der Johanneskirche. Die Feuerwehr versorgte die Schadstelle notdürftig mit Planen. 18 Einsätze verzeichnete die Wehr bis 23 Uhr. (pfi)

Hagelflieger der WGV kam für Reutlingen und Tübingen zu spät

Nach Aussagen der Vorsitzenden des Vereins Hagelabwehr für den Landkreis Reutlingen, Gabriele Gaiser, war gestern Abend tatsächlich ein Hagelflieger über Württemberg unterwegs. »Dieses Flugzeug zur Hagelabwher fliegt allerdings im Auftrag der WGV-Versicherung und versucht das riesige Gebiet Württembergs abzudecken«, so Gabriele Gaiser. Das Flugzeug sei aber im Gebiet über Tübingen und Reutlingen angekommen, als das Hagelunwetter schon wieder abflaute und die Schäden bereits eingetreten seien. Der Flieger, den der Verein für jeweils sechs Wochen finanziert, starte erst zu Beginn der kommenden Woche. (rr)

54 Liter Regen auf den Quadratmeter in Betzingen

Der Umwelttechniker Holger Lange betreibt eine Wetterstation in Betzingen und ließ den GEA wissen, dass es am Mittwoch zwischen 18.10 und 18.40 Uhr 43 Liter auf den Quadratmeter geregnet habe. "Danach gab es bis 24 Uhr noch elf Liter, zusammen also 54 Liter Regenwasser. (pm)

Schadensbegrenzung an der Grundschule in Mittelstadt. Foto: Frank Pieth
Schadensbegrenzung an der Grundschule in Mittelstadt.
Foto: Frank Pieth

Betzingen: »Die zweite Welle wäre direkt durchgegangen«

Die Schäden in Betzingen halten sich laut Bezirksbürgermeister Friedemann Rupp aber in Grenzen. Die Betzinger Wehr war an 30 Einsatzstellen zugange, neben vollgelaufenen Kellern auch in der überfluteten Wannweiler Straße und auf der B 28 in Höhe des Industriegebiets West. Das Ganze war eine Zitterpartie. »Das Echazwasser ist sehr stark angestiegen, doch dann stagnierte es. Wäre noch mehr Regen gekommen, wäre es kritisch geworden«, sagt Rupp, »die Regenüberlaufbecken waren voll, die zweite Welle wäre direkt durchgegangen.« Die technischen Schutzsysteme der leidgeplagten Anwohner funktionierten, auch im direkt an der Echaz angrenzenden Rathaus wurde flugs die Spundwand hochgezogen, sodass Betzingen diesmal glimpflich davon kam. (keg)