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Aktuell Pandemie

Behauptungen der »Reutlinger Pathologie-Konferenz« im Faktencheck

In einem Video der »Pathologie-Konferenz«, die in Reutlingen stattgefunden hat, wird vor angeblich tödlichen Folgen der Corona-Impfung gewarnt. Zudem wird davon berichtet, dass sich im Impfstoff angeblich metallhaltige Bestandteile feststellen ließen. Sind diese Thesen haltbar?

Coronavirus - Impfung
Symbolbild: Impfung. Foto: von Jutrczenka/dpa
Symbolbild: Impfung.
Foto: von Jutrczenka/dpa

REUTLINGEN. Noch nie sind in so kurzer Zeit so viele Menschen geimpft worden wie im Rahmen der Covid-19-Impfkampagne. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfstoffe sind durch die Zulassungsstudien und die milliardenfache Anwendung bestätigt worden. Doch es sorgen sich noch immer Menschen um schwere Nebenwirkungen. Vermeintliche Unterstützung erhalten sie in einem Video mit dem Titel »Pathologie-Konferenz«. Darin wird vor angeblich tödlichen Folgen der Corona-Impfung gewarnt, die Pathologen bei der Obduktion von geimpften Menschen entdeckt haben wollen. Sie berichten außerdem, dass sich im Impfstoff angeblich metallhaltige Bestandteile feststellen ließen. Sind diese Thesen haltbar?

Bewertung

Für die im Video geäußerten Behauptungen gibt es keine Belege. Die Deutsche Fachgesellschaft für Pathologie bezeichnete sie als »Meinungsäußerungen« und »nicht wissenschaftlich fundiert«. In Deutschland erhält und analysiert das Paul-Ehrlich-Institut Meldungen über mögliche Nebenwirkungen von Impfungen; dem Institut ist keine auffällig hohe Zahl von Todesfällen nach Covid-Impfungen bekannt.

Fakten

Die im Video erwähnte »Pressekonferenz« fand am 20. September 2021 in Reutlingen statt. Die Erwähnung eines »Pathologischen Instituts Reutlingen« kann den Eindruck erwecken, dass eine bekannte medizinische Einrichtung dahinter stehe. Das ist aber nicht der Fall. Es handelt sich dabei nicht um das entsprechende Institut der Kreiskliniken Reutlingen.

Stattdessen gibt einer der beteiligten Pathologen an, früher ein privates »Pathologisches Institut Reutlingen« geleitet zu haben. Eine aktuelle Homepage des angeblichen Instituts ist nicht zu finden. Die Adresse im Impressum der Webseite mit dem Video führt zu einer Praxis von Radiologen. Beide auftretenden Pathologen sind bereits im Ruhestand.

In Fachkreisen werden die im Video geäußerten Thesen sowie die Art der Präsentation scharf kritisiert. »Wie auch von anderer Seite bereits kritisch bemerkt, sind die präsentierten Daten nicht wissenschaftlich fundiert«, teilte die Deutsche Gesellschaft für Pathologie mit. Eine auffällige Korrelation von Todesfällen im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung sei der Gesellschaft nicht bekannt. »Es handelt sich hier um persönliche Meinungsäußerungen und nicht um die Position unserer Fachgesellschaft«, schreibt die Pathologie-Organisation.

Die beiden Pathologen im Ruhestand geben im Video an, acht Obduktionsergebnisse von Toten abschließend analysiert zu haben, die angeblich nach ihrer Corona-Impfung verstorben seien. Insgesamt lagen ihnen laut eigenen Angaben zehn Fälle vor. Die Obduktionen haben laut den Aussagen im Video nicht sie selbst, sondern andere Ärzte durchgeführt. Teils fehlen Daten wie der genaue Impfstatus oder der Abstand zwischen Impfung und Tod.

Die angeblichen Resultate der Analyse wurden nicht in Fachpublikationen veröffentlicht, wie es im wissenschaftlichen Betrieb üblich wäre, sondern nur in dem Video und auf einer Homepage.

Es ist quasi ausgeschlossen, dass die acht im Video vorgestellten angeblichen Obduktionsergebnisse neuartige und bisher unentdeckte tödliche Nebenwirkungen zeigen. In Deutschland prüft das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) unerwünschte Reaktionen, die nach Impfungen auftraten und bei denen der Verdacht besteht, dass sie mit der Impfung zusammenhängen könnten.

Um auszuschließen, dass unbekannte medizinische Folgen zu einer erhöhten Sterblichkeit führen, vergleicht das PEI für seine regelmäßigen Sicherheitsberichte zu den Covid-19-Impfungen die Zahl der statistisch zu erwartenden Todesfälle mit den tatsächlich gemeldeten Todesfällen. Laut dem jüngsten PEI-Bericht vom 23. Dezember 2021 zeigte sich hierbei »für keinen der vier bisher in Deutschland eingesetzten COVID-19-Impfstoffe ein Risikosignal«.

Darüber hinaus berichteten die pensionierten Pathologen in dem Video, in den Impfstoffen verdächtige und potenziell gefährliche Stoffe gefunden zu haben: etwa Metallgegenstände und sogar Parasiten. Ähnliche falsche Behauptungen kursierten zuletzt häufiger: Die dpa hat bereits Mythen über metallische Inhaltsstoffe oder über Graphenoxid in den Impfstoffen widerlegt.

Der Leiter der Pathologie und Molekularpathologie am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Konrad Steinestel, bezeichnet die angeblich gezeigten Fremdkörper als Verunreinigungen auf dem Objektträger; »es ist vermutlich sogar eine Textilfaser dabei«, schrieb er auf Twitter. Auch der Virologe Christian Drosten sprach im NDR-Podcast »Coronavirus-Update« von »typischen Verunreinigungen«. Sie können das Ergebnis der Austrocknung von Proben und Filtrationsprozessen sein, wenn sich etwa eine kleine Faser eines Zellulosefilters löst. »So was ist normal und erwartbar«, sagte Drosten. (dpa)