REUTLINGEN. Ein Polizeieinsatz und eine Demo haben am Samstagvormittag in der Reutlinger Wilhelmstraße für Aufsehen gesorgt. Antifa-Anhänger kamen gegen 10.40 Uhr mit dem Zug am Reutlinger Bahnhof an. Die Polizei spricht von drei Dutzend Protestanten, die Antifa-Aktivisten selbst von 45. Vom Bahnhof aus zog die Personengruppe »mit einem Banner, mehreren Fahnen und einem Megaphon lautstark Parolen skandierend«, so die Polizei, in Richtung eines AfD-Wahlstands vor dem Spitalhof. Dort hatten sich schon mehrere Dutzend Polizisten postiert, offenbar in Erwartung des Protestzugs, der auf den Instagramseiten von »Soko Reutlingen« und dem »Offenen Treffen gegen Faschismus und Rassismus für Tübingen und Region« (OTFR) angekündigt worden war.
»Aufgrund der dynamischen Lage«, so die Polizei weiter, beschlossen die Beamten, den Demozug zum Stillstand zu bringen. Sie blockierten die Wilhelmstraße rund 50 Meter vom AfD-Stand entfernt, um »etwaige Ausschreitungen« zu verhindern. Schon zwei Wochen zuvor war es zu ähnlichen Szenen gekommen. Die Antifa-Demonstranten waren am 17. Januar allerdings bis zum Infostand marschiert, erst dort hatte die Polizei eingegriffen.
Infolge dieses Vorfalls hatte die Polizei dem Ordnungsamt der Stadt Reutlingen dann empfohlen, 26 linken Aktivisten ein Aufenthaltsverbot für die nächste Demo gegen den Infostand und die Demo gegen den Markus-Frohnmaier-Auftritt in Betzingen auszusprechen.
Das Ordnungsamt war dieser Empfehlung gefolgt - das Verwaltungsgericht in Sigmaringen hatte das Verbot jedoch für zwei betroffene Aktivisten gekippt, die dagegen geklagt hatten. Daraufhin hatte das Ordnungsamt das Verbot für alle zurückgenommen.
Ein Platzverweis, keine Straftaten
Das OTFR wertet den Protest auf seiner Instagramseite als Erfolg. Die AfD habe »deutlich schlechter ihre Propaganda« verteilen können, zudem hätten sich viele Passanten mit dem Protest solidarisiert. Zudem werden unter dem Posting harte Vorwürfe gegen die Polizei geäußert: »Uns ist allen klar, der Staat, Nazis und Rechte stehen auf der gleichen Seite.« Nur gemeinsam und organisiert könne man »dem Staat und der AfD« etwas entgegensetzen.
Der Reutlinger AfD-Landtagskandidat Maximilian Gerner kommentiert den Protest recht unbeeindruckt. Das habe »keinen interessiert«, es sei einfach »traurig«, dass man im Jahr 2026 Polizeischutz brauche, um Wahlkampf zu machen. Die AfD lasse sich davon aber nicht abhalten. Die Polizei bilanziert: »Einer Einzelperson, die schon zuvor aufgefallen war, weil sie unmittelbar vor dem Infostand eine Fahne mit fragwürdigem Inhalt schwenkte, musste ein Platzverweis ausgesprochen werden, um weitere Provokationen und etwaige Ausschreitungen zu verhindern.« Fragwürdig sei in diesem Zusammenhang so zu verstehen, dass bei der Aufschrift der Fahne ein Verstoß gegen etwas vorliegen könnte. Zu Straftaten sei es nicht gekommen, so die Beamten, aber »mögliche Verstöße gegen das Versammlungsgesetz werden geprüft«. Demos müssen beim Ordnungsamt angemeldet werden, das war hier laut Polizei wohl nicht der Fall. (GEA)

