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Aktuell Jugendkultur

Zelle will weiterhin Elektropartys veranstalten

Der Verein »Kulturschock Zelle« verwahrt sich gegen den Eindruck, er sei einen »Deal« mit der Stadt eingegangen, indem er auf Technoparties verzichtet, damit er mehr Geld bekommt. Vielmehr plane die Zelle schon länger, das Programm zu ändern.

Jugendzentrum Zelle
Foto: Markus Niethammer
Foto: Markus Niethammer

REUTLINGEN. Techno-Parties werde es weiterhin geben. Mit dem zu erwartenden finanziellen Polster der Stadt sei der Verein aber in der Lage, sich von den lukrativen, aber seelenlosen Großveranstaltungen zu verabschieden und zur politischen Bildungarbeit zurückzukehren, die sie sich auf die Fahnen schreibt.

Wie berichtet, stimmte der Jugendgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich dafür, der Zelle mehr Geld zu geben. Wenn der Gemeinderat ebenfalls zustimmt (in der Sitzung am Donnerstag, 27. Juni), erhöht sich der Gesamtzuschuss von 14 431 Euro auf 31 520 Euro im Jahr – 19 340 Euro Kaltmiete und 12 180 Euro Nebenkosten. Damit würde die Zelle ähnlich bezuschusst wie vergleichbare Institutionen. Deren Kaltmieten werden voll und die Nebenkosten anteilig übernommen. Die Höhe der Bezuschussung der Nebenkosten beträgt in der Regel zwischen 60 Prozent und 80 Prozent. Bei der Zelle wären es 70 Prozent.

Ohne Liebe, nur fürs Geld

Erleichterung bei den »Zellies«, denn künftig könnten sie Großveranstaltungen reduzieren. »Das sind bei uns Elektropartys, möglichst groß und mit möglichst vielen Gästen«, heißt es auf der Zelle-Homepage. Solche Parties organisieren zu müssen, führe zu einer »verminderten Motivation, schlechteren Leistung und eben am Ende zu qualitativ schlechten Veranstaltungen ohne Liebe, nur fürs Geld«.

Dabei sei die Zelle doch »mehr als nur ne krassere Disco, wo man steil gehen kann«. Schließlich wolle man Raum für Kunst, Kultur und Politik bieten und die persönliche Entfaltung und den kritischen Blick auf die Gesellschaft fördern. Zeit und Energie der Ehrenamtlichen solle künftig wieder mehr für Kunstausstellungen, Workshops, Vorträge und Theater verwendet werden. Deshalb brauche der Verein die Zuschüsse von der Stadt dringend.

Tatsächlich hatte der Verein das Geld beantragt, weil die Mitglieder selbst unzufrieden waren mit dem »eintönigen, elektrolastigen Programm«. Der Ausweg sei nur mit einer finanziellen Entlastung zu schaffen. Wenn der Zuschuss kommt, werde die Zelle wieder »weniger Elektroveranstaltungen und deutlich weniger Großveranstaltungen« anbieten. Was nicht heißt, dass totale Funkstille herrscht: Es werde weiterhin Elektropartys wie Goa und Techno geben, nur eben weniger. Großveranstaltungen würden wieder die Ausnahme sein – so wie vor zehn Jahren, als diese nur einmal im Jahr stattfanden. Dafür habe man dann aber auch für elektronische Veranstaltungen wieder »mehr Motivation und Leidenschaft«. Mit einem »Deal« habe das Ganze nichts zu tun. »Zelle bleibt stabil, wir verkaufen uns nicht«, endet der Text auf der Zelle-Homepage. (co)

 

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