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»Mit Fantasie Wunder bewirken«: Reutlinger Vesperkirche ist gestartet

Die Reutlinger Vesperkirche ist am Sonntag mit Rinderbraten, Spätzle und Karottengemüse gestartet.

Mit dem Brechen und Verteilen des Brots ist die Reutlinger Vesperkirche in ihre 29. Ausgabe gestartet.
Mit dem Brechen und Verteilen des Brots ist die Reutlinger Vesperkirche in ihre 29. Ausgabe gestartet. Foto: Norbert Leister
Mit dem Brechen und Verteilen des Brots ist die Reutlinger Vesperkirche in ihre 29. Ausgabe gestartet.
Foto: Norbert Leister

REUTLINGEN. »Die Reutlinger Vesperkirche setzt ein sichtbares Zeichen dafür, dass jeder Mensch wertvoll ist«, betonte Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck am gestrigen Sonntag in seinem Grußwort zum Start der 29. Vesperkirche. Eine leicht nervöse Vorfreude war bei den Ehrenamtlichen kurz vor dem Beginn deutlich zu spüren: Würde alles funktionieren?, fragte sich Klaus Ege aus dem Leitungskreis.

Um 11 Uhr sollte der Gottesdienst vorbei sein, zeitgleich wurde das Essen von der BruderhausDiakonie-Küche angeliefert. »Der Umbau muss dann ganz schnell gehen«, so Ege. Und der Umbau ging extrem schnell – während die Honoratioren noch im Gespräch miteinander vertieft waren, wussten die Freiwilligen genau, wo sie anpacken mussten, um Rinderbraten, Spätzle, Sauce und Karottengemüse servierbereit in die Wärmetruhen zu bringen. Innerhalb von nicht einmal einer Viertelstunde war alles bereit für die Essensausgabe.

Vorher hatte es allerdings eine Neuerung in der Vesperkirche gegeben: »Noch nie hat mit Dr. Gernot Bohnenberger ein Nicht-Theologe die Predigt beim Eröffnungsgottesdienst gehalten«, sagte Vesperkirchen-Pfarrer Jörg Mutschler, der sich das Amt in den kommenden vier Wochen mit Birgit Hövel teilt.

Einen Hauch von Magie hat Bohnenberger – Arzt und Weltmeister-Zauberer, Sozialarbeiter, Koordinator und Ermöglicher im Ringelbach-Projekt »Hallo Nachbarn« – in der Vesperkirche ausgemacht. Er hatte das Gleichnis von der Speisung der 5.000 mit fünf Broten und zwei Fischen aus der Bibel entnommen und sagte: »In einer hoch-komplexen Welt suchen die Menschen nach Orientierung und Sinn, während gleichzeitig Menschen in der Welt hungern.« Es gebe auch in Reutlingen »weniger zu verteilen« – allerdings zeige das Beispiel Vesperkirche (und auch das Projekt »Hallo Nachbarn«), dass viele Menschen gemeinsam »mit Fantasie und mutigen Entscheidungen Wunder bewirken können. Dann reicht das Brot, es ist sogar mehr als genug.« Wenn nämlich die einen, die mehr haben, etwas abgeben an die anderen – im Fall der Vesperkirche Zeit, offene Ohren und Herzen und auch Geld in Form von Spenden.

350 Ehrenamtliche helfen bei der 29. Vesperkirche mit – ein Rekordwert, wie Dr. Joachim Rückle, Geschäftsführer des Diakonieverbands, ausführte. »Wir mussten sogar eine Warteliste einführen und den einen oder die andere auf das nächste Jahr vertrösten«, sagte die Ehrenamts-Koordinatorin Sabine Steinkühler. »Das Wunder der Speisung der 5.000 wiederholt sich in der Vesperkirche«, schlussfolgerte Bohnenberger. Und das noch vier Wochen lang in der Nikolaikirche am Nikolaiplatz. (GEA)