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Grippe-Welle in der Region Reutlingen: Fallzahlen steigen

Mediziner in der Region Reutlingen sehen einen deutlichen Anstieg von echten Grippe-Erkrankungen. Wen es erwischt hat, sollte nicht gleich in die nächste Praxis rennen.

REUTLINGEN. Auffällig viele Menschen in der Region Reutlingen haben Fieber oder Husten. »Es gibt in diesem Jahr wieder eine richtige Grippewelle«, sagt Facharzt Markus Nicolai vom Ärztenetz Reutlingen, »es ging schon vor Weihnachten los mit der Influenza - und es hat sich nochmals verstärkt, weil sich die Menschen begegnet sind«. Feste wie der Heilige Abend oder Silvesterpartys gefallen auch dem Virus. Das passt zum Bundestrend, den das Robert Koch Institut (RKI) auch in seinem GrippeWeb-Wochenbericht erfasst.

Beruhend auf Selbstauskünften von Personen, die sich beim GrippeWeb registriert haben, zeichnen sich eine hohe Aktivität akuter Atem­wegs­erkrankungen und ein moderater Anstieg von grippeähnlichen Erkrankungen ab. Auch die Influenza-Viruslast im Abwasser ist in den letzten Wochen gestiegen. Influenza, das ist die »echte« Virusgrippe. Als charakteristisch für sie wird ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit Fieber, Husten oder Halsschmerzen sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen beschrieben. Zusammenfassend lautet die Diagnose der Fachleute: »Die Grippewelle hat laut RKI-Definition in der 48. KW 2025 begonnen. Unter den Influenzaviren werden seit einigen Wochen überwiegend Influenza A(H3N2)- Viren nachgewiesen, seltener Influenza A(H1N1)pdm09-Viren«.

Empfehlung, sich selbst zu testen

»Ich habe schon den Eindruck, dass mehr Menschen von der achten Grippe betroffen sind und auch länger brauchen, um gesund zu werden«, analysiert Angelika Walliser als Kreisbeauftragte für den Notfalldienst im Bezirk Reutlingen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg die Lage. Auffällig seien vor allem unter Grippe leidende Patienten »unter 50 Jahren«. Walliser empfiehlt Betroffenen, sich in der Apotheke einen kombinierten Corona- und Influenza-Schnelltest zu besorgen, bevor sie zum Arzt gehen. »Ist das Testergebnis positiv, geht man nicht gleich zum Arzt, sondern lässt sich telefonisch krankschreiben.« Erst wenn nach sechs bis sieben Tagen keine Besserung eintritt, dann könnte es sich um eine bakterielle Superinfektion handeln. »Gegen die braucht man ein Antibiotikum«, sagt Walliser. Dies entspricht den Therapieempfehlungen des RKI: »Die Behandlung der Influenza bei Personen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, und bei unkompliziertem Verlauf kann überwiegend symptomatisch erfolgen. Bei Zeichen einer bakteriellen Superinfektion sind Antibiotika indiziert.«

Durchaus lohnenswert für eine Ersteinschätzung ist auch ein Besuch bei »Docdirekt« (www.docdirekt.de), einem Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg: »Bei docdirekt bekommen Sie ärztliche Hilfe, wenn Sie akut erkrankt sind. Damit wir Sie passend versorgen können, fragen wir im nächsten Schritt nach Ihren Beschwerden und Vorerkrankungen. Das Verfahren heißt SmED und hilft einzuschätzen, wie dringend Ihr Anliegen ist und wo Sie behandelt werden sollten.«

Auf GEA-Anfrage vermeldet das Klinikum am Steinenberg laut Pressesprecher Christian Hirtz mehr Patienten »mit verstärkten Erkältungssymptomen« in seiner Portalpraxis. In der Zentralen Notaufnahme würden Influenza-Tests durchgeführt. »Hier kann nach unserer Einschätzung von einer deutlichen Influenza-A-Welle gesprochen werden. Zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr wurden über 30 Patientinnen und Patienten aufgrund einer Influenza-Infektion stationär aufgenommen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, die durch die Infektion deutlich geschwächt sind, stürzen oder zusätzliche bakterielle Infektionen entwickeln«, schreibt Hirtz.

Die Grippeimpfung macht Sinn

Wohl dem, der sich rechtzeitig gegen die Grippe impfen ließ. Für alle befragten Mediziner steht der Sinn dieser Immunisierung außer Frage. »Eine Grippeimpfung schützt in etwa 50 bis 80 Prozent der Fälle vor einer Infektion und bietet einen nahezu vollständigen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen«, betont Dr. Stefan Kühner, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme. (GEA)
www.rki.de
www.docdirekt.de