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Tretmine, Betrug, Anfängerfehler: Urlaubs-Pleiten dreier GEA-Redakteure

Pleiten, Pech und Pannen: Drei GEA-Redakteure erzählen von Reisen auf denen nicht alles nach Plan lief.

Fotos: dpa (2), Schucker; Montage: Egenberger
Fotos: dpa (2), Schucker; Montage: Egenberger

Einmal mit Profis verreisen

Ich hasse zelten. Auf- und Abbau, das Geraschel wenn der Schlafsack die Seiten berührt, Insekten und Dreck, die jeder mit reinbringt. Dann noch schlechtes Wetter, und das Wort »hassen« würde zur Untertreibung. Trotzdem habe ich mich einmal darauf eingelassen. Zusammen mit drei Freunden Ende Oktober 2016 in Island. Mit einem Landrover Defender - dem Geländewagen-Traum schlechthin - durchqueren wir das wunderschöne Land, sehen atemberaubende Landschaften. Es wäre fast perfekt, wenn nicht alles, was mit Zelten zu tun hätte, schief gehen würde.

Unser zerfetztes Zelt in Island. Foto: Schucker
Unser zerfetztes Zelt in Island.
Foto: Schucker

Ein Kumpel, eigentlich Outdoorprofi, organisiert ein Zelt. Es soll dem isländischen Oktoberwetter standhalten. Doch selbst das Zelt von Indiana Jones war besser in Schuss, als das, was wir da hatten. Die Folge: Gleich am ersten Tag beim Aufbau reißt die Außenhaut zehn Zentimeter weit auf. Wir flicken das Loch mit Gaffa-Tape. Wie ein großes graues »L« sieht das aus. In anderen Ländern steht das »L« auf Autos für Anfänger. Passt perfekt zu uns, wie sich zwei Tage später zeigt.

Auf einem Campingplatz im Nirgendwo mitten in der Nacht bei Minusgraden, Schneeregen und starkem Wind brechen zwei Stangen. Wir hatten vergessen, einige Schnüre zu spannen. Ein fataler Fehler. Im Schlafanzug stehen wir draußen und reparieren das Zelt. Leider haben wir nur eine Ersatzstange. Das Provisorium hält kurz, bei der nächsten Windböe reißt die Plane einen Meter weit auf. Die resltiche Nacht verbringen wir im Waschraum.

Erschöpft fahren wir am Tag darauf die 200 Kilometer zurück zur Hauptstadt. Ein neues Zelt mieten, und alles wird gut. Dachten wir. Als wir es abends auspacken stellen wir fest, dass eine Stange nicht passt – sie stammt offenbar von einem anderen Zelt. Das hätten wir besser mal im Laden überprüft. Ich hasse zelten
(Kaya Egenberger, Leiter der Online-Redaktion)

Die Vergangenheit holt uns ein

Es gibt eine Düne am Strand der Bretagne, die ist meiner Familie heilig. Seit 40 Jahren wird dort Urlaub gemacht, nicht jedes Jahr, aber immer wieder. Die Gegend heißt Finistère, sie liegt scheinbar am Ende der Welt. Von der Düne aus sieht man das Meer und zwei Bunker des Atlantikwalls, der die alliierten Streitkräfte aufhalten sollte. Die Bunker versinken langsam im Sand. Auf der Düne wird gelesen, gespielt, gegrillt und gegraben. Das Familienleben ist in solchen Momenten intakt, die Entspannung ist groß.

Was ist in den Dünen drin? Foto: dpa
Was ist in den Dünen drin?
Foto: dpa

Vorletzten Sommer aber passierte etwas ganz Unentspanntes. Ein Kind hatte im Sand gebuddelt und trug plötzlich eine grau-schwarze Metallkugel durch die Gegend, mit Stacheln an der Seite. Keiner der Jüngeren wusste, was das ist. Einem Mann im fortgeschrittenen Alter genügte ein Blick, um zu erkennen, dass es ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sein musste, vielleicht eine scharfe Tretmine oder so etwas. Der herbeigerufene Gendarm erfasste die Situation ebenfalls mit einem Blick, zog eine Plastiktüte aus der Tasche, stopfte das Objekt hinein und verschwand damit. Es ging so schnell, dass uns keine Zeit blieb, das Objekt zu inspizieren. Und so wissen wir nicht mit Sicherheit, ob uns auf der Düne die deutsche Vergangenheit eingeholt hat.
(Hans Jörg Conzelmann, Redakteur in der Lokalredaktion)

Kiwigroßer Klunker

Großstädtisches Abenteuer für drei junge Burschen, die mit einem hellblauen VW-Käfer, einem Rucksack voll Büchsenwurst und drei Paletten Dosenbier in Richtung Seine gondeln. In Paris angekommen – das Hotel ist eine Bruchbude – geht’s spornstreichs auf die Place Pigalle. Es ist zwar erst kurz nach 15 Uhr, aber Liebe ist zeitlos. Angesichts der bunten Plakate bleibt dem Trio aus der schwäbischen Provinz nicht nur das Gesicht stehen – bis ein distinguierter Herr, höchstens 50 Jahre alt, die Reutlinger anspricht. »Landsleute, Gott sei Dank! Mir wurde Geldbörse und Pass geklaut. Deswegen bekomme ich kein Geld im Konsulat. Könnt Ihr  mir   helfen?«    Mit   hundert D-Mark käme er über die Runden. Als Pfand könne er einen teuren Ring anbieten. Spricht’s und zeigt auf einen kiwigroßen Klunker am rechten Mittelfinger.

Paris kann teuer werden. Foto: dpa
Paris kann teuer werden.
Foto: dpa

»Hey, Alter, der Ring ist doch niemals echt«, sagt der Größte aus dem Trio und pumpt Luft in Muskeln, die durch reichlich Büchsenbier leicht gummiartig sind. Etliche Echtheitsschwüre später wechseln Ring und Kohle die Besitzer mit dem Versprechen, das Geld nach Deutschland rückzuüberweisen. Dort ist bis heute nichts angekommen. Immerhin sorgt die Geschichte bei der Reutlinger Polizei für Heiterkeit. Und im GEA reicht es für eine kurze Meldung: »Reutlinger Schüler fallen in Paris auf Trickdieb herein.«
(Andreas Dörr, Redakteur in der Lokalredaktion)

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