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Schwierige Zeiten für die Vereine im Kreis Reutlingen

Treffen von CDU-Politikern und dem Landessportbund beim TSV Betzingen zum Thema Ehrenamt

Fußball
Foto: Patrick Seeger/dpa/Symbolbild Foto: Patrick Seeger
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Foto: Patrick Seeger

REUTLINGEN. Schon vor der Corona-Pandemie hatten sie kein leichtes Spiel: die (Sport-)Vereine in Baden-Württemberg und im Kreis Reutlingen, die auf die Unterstützung Ehrenamtlicher angewiesen sind. Das wurde durch Corona nicht einfacher. »Die Gewinnung von Ehrenamtlichen ist unser größtes Problem. Da würden wir uns bessere Bedingungen wünschen, die das Ehrenamt attraktiver machen«, sagt Jörg Steinegger von der Abteilung Fußball des TSV Betzingen. Diesen Wunsch äußerte er bei einem Besuch des Landesfachausschusses (LFA) für Sport und Ehrenamt der CDU Baden-Württemberg unter Leitung von Mischa Waldherr, des Vizepräsidenten des Württembergischen Landessportbunds (WLSB) Manfred Pawlita, des Reutlinger Sportkreisvorsitzenden und CDU-Kreisvorsitzenden Manuel Hailfinger und des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Donth in Betzingen.

Die Probleme im Ehrenamt sind offensichtlich. Vereine beklagen sinkende Mitgliederzahlen, und damit steht weniger Geld zur Verfügung. Hinzu kommt, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber gerade diese Ehrenamtlichen sind mitunter die wichtigste Säule der Vereine. Das Projekt des neuen Kunstrasenplatzes für den TSV Betzingen wäre ohne das Ehrenamt nicht realisierbar gewesen. Über 100 Finanzierungspläne hat Jörg Steinegger als Projektleiter für den neuen Kunstrasenplatz aufgestellt – und das alles in seiner Freizeit.

Einnahmen fehlen

Dieses Projekt ist für den TSV Betzingen ein wichtiges Argument zur Gewinnung neuer Mitglieder und kostet natürlich viel Geld. Mit Zuschüssen, Spenden, Förderungen und durch die mit Herzblut aufgebrachten Planungsstunden von allen ehrenamtlichen Beteiligten konnte das Projekt verwirklicht werden: Die Eröffnung ist für den 20. September 2020 geplant.

LFA-Vorsitzender Waldherr wollte mit der Vorstellung des Projektes und dem anschließenden konspirativen Austausch herausfinden, wo den Vereinen der Schuh drückt. Nicht nur Steinegger lieferte Input. Auch WLSB-Vize Pawlita kennt die Probleme »seiner« Vereine. Am Ende sei man immer wieder beim Geld, das fehle. Und es gebe heute einfach nicht mehr so viele motivierte Helfer wie früher. Die Pandemie macht deutlich: Die meisten Vereine haben ein dünnes finanzielles Polster. Fehlende Mitgliedsbeiträge durch Austritte und durch wenige bis keine Eintritte und der Wegfall von Einnahmen aus Veranstaltungen führen dazu, dass Reserven durch laufende Kosten aufgebraucht wurden – sofern überhaupt welche vorhanden waren.

Pawlita sprach über das Corona-Hilfsprogramm: Insgesamt 11,635 Millionen Euro wurden durch das Land Baden-Württemberg als »Soforthilfe Sport« zur Verfügung gestellt. Ein großer Teil sei bereits abgerufen und Pawlita sei sich sicher, dass bis zum Auslauf der Hilfen am 30. November 2020 diese durch die Vereine auch voll abgerufen werden. »Auch im Kreis Reutlingen haben viele Vereine von diesem Angebot Gebrauch gemacht«, so Sportkreisvorsitzender Hailfinger.

Coronahilfen abgerufen

Aber auch danach bleibe die Finanzierung ein Thema für die Vereine: »Im Anschluss wird es elementar sein, dass die Vereine auch finanziell gut aufgestellt sind«, so Hailfinger. Corona werde aber noch starke Nachwehen für die Sportvereine haben. Pawlita wies darauf hin, dass in Zeiten von Corona niemand in die Vereine eintreten wolle. Es fehle damit ein ganzer Jahrgang an Neumitgliedern, die die regelmäßigen Austritte bisher einigermaßen auffangen konnten. Zu den Pro-blemen der Vereine hatte Michael Donth Lösungsangebote in petto.

Unter dem Titel »Ehrenamtsgesetz 2021 – Ehrenamtlich tätige Personen stärker fördern, Vereinen das Leben leichter machen und Bürokratie abbauen« brachte er das im Juni 2020 erarbeitete Positionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit. In Vorbereitung auf das für 2021 geplante Ehrenamtsgesetz, welches mit dem Koalitionspartner verhandelt werden muss, hatte die Unionsfraktion dieses erarbeitet. So strebt die Union unter anderem die Anhebung des Übungsleiterfreibetrags von 2 400 Euro auf 3 000 Euro pro Jahr und der Ehrenamtspauschale von 720 Euro auf 840 Euro pro Jahr an und möchte die Voraussetzungen für die damit oft verbundenen Aufwandsspenden klarer und einfacher gestalten.

Neben der Forderung nach Rechtssicherheit für geschlechtsspezifische Mitgliederstrukturen finden in dem Papier auch die geforderte Umsatzsteuerbefreiung von Sachspenden an Vereine und Klarstellungen zu Mindestlohnregelungen bei Übungsleitern Beachtung. Neben weiteren Erleichterungen soll zum Beispiel auch der Anwendungsbereich für das vereinfachte Spendenbescheinigungsverfahren ausgeweitet werden. (eg)