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Reutlinger sind skeptisch gegenüber der Corona-Warn-App

Die meisten der Befragten in der Reutlinger Innenstadt haben sie noch nicht installiert. Einige fürchten Datenklau

Corona-Warn-App
Die Corona-Warn-App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen. Foto: Oliver Berg/dpa
Die Corona-Warn-App soll die Kontaktverfolgung von Infizierten ermöglichen und dadurch die Infektionsketten verkürzen. Foto: Oliver Berg/dpa

REUTLINGEN. »Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.« Thomas Steinmayer (67) nickt noch mal kräftig, dann spricht er weiter und erzählt, was er von dieser Corona-Warn-App hält, die seit Dienstag von allen Bürgern auf dem Handy installiert werden kann. Seine Devise: Vorsicht, abwarten, schauen. Ganz nach der schwäbischen Redensart: »Was der Schwob net kennt, frisst er net!« Diese Stimmung war gestern Mittag auf der Wilhelmstraße bei etlichen Passanten zu spüren, wenn die Rede auf die App kam.

Thomas Steinmayer glaubt nicht daran, dass die Daten bei Benutzung der App sicher sind. FOTOS: INHOFF
Thomas Steinmayer glaubt nicht daran, dass die Daten bei Benutzung der App sicher sind. FOTOS: INHOFF Foto: Mareike Inhoff
Thomas Steinmayer glaubt nicht daran, dass die Daten bei Benutzung der App sicher sind. FOTOS: INHOFF
Foto: Mareike Inhoff

»Ich bin bei so Sachen immer erst mal so, dass ich abwarte, was auf Google für Bewertungen kommen«, sagt Steinmayer. Ein »Verschwörungstheoretiker« sei er zwar nicht, »aber an der Programmierung waren viele Personen beteiligt«. Dass der Datenschutz gewährleistet sei, glaubt er eigentlich nicht. Und ob die App funktioniert, weiß er auch nicht wirklich.

»Wenn die ersten Rückmeldungen kommen« und er sich sicher ist, dass die App funktioniert, würde Peter Schlotterbeck sie installi
»Wenn die ersten Rückmeldungen kommen« und er sich sicher ist, dass die App funktioniert, würde Peter Schlotterbeck sie installieren. Foto: Mareike Inhoff
»Wenn die ersten Rückmeldungen kommen« und er sich sicher ist, dass die App funktioniert, würde Peter Schlotterbeck sie installieren.
Foto: Mareike Inhoff

Ein paar Minuten später sieht das Peter Schlotterbeck ähnlich. Der 54-Jährige hat sich die App noch nicht heruntergeladen. »Wenn die ersten Rückmeldungen kommen, ob sie funktioniert«, dann vielleicht. Bei neuen Sachen habe er oft Bedenken. Und die Daten? Da die App von der Regierung komme, hoffe er einfach mal darauf, dass da alles in Ordnung ist.

Diese Hoffnung hat Katharina Schmid derweil aufgegeben. »Ich bin auf der Seite, die man Verschwörungstheorie nennen kann«. Sie finde es komisch, dass es eine App für Corona gibt, nicht aber für Influenza.

Außerdem habe sie gehört, dass die App eventuell verpflichtend werden soll. »Das finde ich blöd«, sagt die 16-Jährige zu diesem Gerücht.

Katrin Roß (36) gehört an diesem Mittag zur Minderheit derer, die das ganz anders sehen. Sie glaubt, dass die App helfen könnte. In dem Fall finde sie es auch wichtiger, die Kette an Infektionen zu durchbrechen, als ihre Daten unbedingt geschützt zu sehen. Außerdem werde man schon ihre Persönlichkeitsrechte wahren. Roß hat die App am Morgen heruntergeladen, aktiviert hat sie sie aus Zeitgründen aber noch nicht.

Katrin Roß findet, dass es jetzt erstmal wichtiger sei, die Infektionskette durch die App zu unterbrechen als sich über Daten  S
Katrin Roß findet, dass es jetzt erstmal wichtiger sei, die Infektionskette durch die App zu unterbrechen als sich über Daten Sorgen zu machen. Foto: Mareike Inhoff
Katrin Roß findet, dass es jetzt erstmal wichtiger sei, die Infektionskette durch die App zu unterbrechen als sich über Daten Sorgen zu machen.
Foto: Mareike Inhoff

Neben jenen, die Angst um ihre Daten haben, und denen, die der App vertrauen, gibt es noch diejenigen, die in Sachen Daten längst vor den »Kraken« in ihren Smartphones resigniert haben. »Wir sind alle sowieso schon gläsern«, sagt die 70-jährige Brigitte Herrmann. Herrmann gilt zwar als immun, weil von Corona genesen, die App hat sie dennoch sofort installiert, um »der Forschung zu helfen« und den ungeliebten Mundschutz irgendwann einmal wieder absetzen zu können.

Brigitte Herrmann hatte selbst schon Corona. Die App hat sie sofort installiert, um das Virus zu besiegen.
Brigitte Herrmann hatte selbst schon Corona. Die App hat sie sofort installiert, um das Virus zu besiegen. Foto: Mareike Inhoff
Brigitte Herrmann hatte selbst schon Corona. Die App hat sie sofort installiert, um das Virus zu besiegen.
Foto: Mareike Inhoff

Der Mundschutz ist Dauerthema, auch, wenn es um die App geht. »Ich bin so froh, ihn abnehmen zu können«, sagt Peter Gillé, während er über die App spricht. Sie runterzuladen, dazu wäre er aber »zu faul« – selbst, wenn er ein Handy hätte. Ein solches hat der 76-Jährige aber nicht. »Ich bin ein Klassiker«, sagt er. »Wenn’s mich erwischt, erwischt’s mich.«

Weil Peter Gillé kein Handy hat, kann er die App auch nicht benutzen. Wenn er ein Handy hätte, würde er es aber auch nicht tun.
Weil Peter Gillé kein Handy hat, kann er die App auch nicht benutzen. Wenn er ein Handy hätte, würde er es aber auch nicht tun. Foto: Mareike Inhoff
Weil Peter Gillé kein Handy hat, kann er die App auch nicht benutzen. Wenn er ein Handy hätte, würde er es aber auch nicht tun.
Foto: Mareike Inhoff

Kurze Zeit später fragt dann noch ein junger Mann, um was es eigentlich bei dieser Umfrage geht. Corona-Warn-App? »Ne, hab ich noch nichts von gehört«, sagt der 19-jährige Tyrese Tekle. Er weiß nichts von der App, aber runterladen würde er sie sich prinzipiell schon, sagt er. »Wenn's hilft«, schiebt er nach. Die App – in Reutlingen ist sie offenbar noch nicht wirklich angekommen. (GEA)

Noch nie etwas von der App gehört hat Tyrese Tekle. Er weiß nicht, was sie bewirken soll, würde sie aber runterladen, wenn es Si
Noch nie etwas von der App gehört hat Tyrese Tekle. Er weiß nicht, was sie bewirken soll, würde sie aber runterladen, wenn es Sinn ergeben würde. Foto: Mareike Inhoff
Noch nie etwas von der App gehört hat Tyrese Tekle. Er weiß nicht, was sie bewirken soll, würde sie aber runterladen, wenn es Sinn ergeben würde.
Foto: Mareike Inhoff