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»Ich halte Kritik an den Schularten nie für richtig«

Die Schüler-Praktikanten des GEA haben sich einige Fragen zur Schule  an die Kultusministerin Susanne Eisenmann überlegt und hier im Interview auch gestellt. Die Praktikanten sind 17 Jahre alt und wissen daher sehr genau, wie es ist, die Schulbank zu drücken.

Foto: Frank Pieth
Foto: Frank Pieth

Reutlingen.

GEA-Praktikanten: Was halten Sie von der Kritik an den Gemeinschaftsschulen? 

Susanne Eisenmann: Ich halte Kritik an den Schularten nie für richtig. Deshalb habe ich dazu aufgerufen, dass man diese Diskussionen unterlässt. Jede Schulart hat ihre Bedeutung, wir haben unterschiedliche Schularten, wir haben ein differenziertes Schulsystem. Alle sind wichtig und alle verdienen den gleichen Respekt, auch untereinander. Deshalb bringt es auch wenig, wenn wir aufeinander herumhacken.

 

Wie werden Sie gegen den hohen Unterrichtsausfall vorgehen?

Eisenmann: Der Unterrichtsausfall ist ein Thema, weil wir im Moment zu wenig Lehrerinnen und Lehrer haben. Ich habe offene Stellen. Und deshalb ist es in manchen Teilen nicht zufriedenstellend, wie unser Unterricht abläuft. Wir haben daher viele Maßnahmen ergriffen, der Ausfall geht zurück. Vor dem Hintergrund ist es vor allem wichtig, mehr ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer zu haben. Wir haben die Ausbildungskapazitäten deutlich erhöht, sodass jetzt auch neue Kolleginnen und Kollegen auf den Markt kommen. Denn der Lehrermangel ist ein zentrales Problem. Ansonsten gilt es, für die Zukunft solche Planungsfehler zu verhindern. Deshalb haben wir die Bedarfsberechnungen für Lehrer verändert, dass sich dies in Zukunft nicht wiederholt.

 

Warum müssen Schüler so viele GFS, gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen, ableisten?

Eisenmann: Warum haben Schüler so viel Mathe, so viel Physik? Weíl es in der Gesamtabwägung wichtig ist, dass man eine Allgemeinbildung hat, die alles abdeckt. Das, was den einen zu viel erscheint, ist den anderen zu wenig. Ich höre von manchen: Mathe kann weg. Das hätte ich vielleicht auch so gesehen. Andere sagen, Deutsch kann weg. Deshalb glaube ich, Maß und Mitte stimmen. Deshalb überprüfen wir den Bildungsplan regelmäßig. Um die Frage genau zu beantworten: GFS erscheint sinnvoll.

Wir haben in Baden-Württemberg so viele Gymnasiasten wie noch nie

Finden Sie das G8, achtjähriges Gymnasium, gelungen?

Eisenmann: Ich finde G8 definitiv nicht so schlecht, wie manche in der Diskussion den Eindruck erwecken. Wir haben in Baden-Württemberg so viele Gymnasiasten wie noch nie. Immer mehr machen Abitur und bestehen es. Folgerichtig kann G8 in der Umsetzung nicht so schlecht sein. Wir haben übrigens, was die Mitgliedschaft in Sport- und Kulturvereinen angeht, gar keinen Einbruch. Gott sei Dank. Das heißt, G8 lässt sich offensichtlich mit vielem gut kombinieren. Aber die Frage nach G8 und G9,  ist eine Diskussion, die politisch sicherlich immer noch geführt wird. 

 

Grundschüler lernen Schreibschrift, obwohl sie danach oft wieder Druckschrift schreiben. Warum lernen Schüler Schreibschrift?

Eisenmann: Warum das, der Wechsel von Schreib- zu Druckschrift, so ist, weiß ich nicht. Schreibschrift ist wichtig - zumindest für mich -, weil ich glaube, dass eine Handschrift zur Persönlichkeit gehört. Außerdem bildet man in der Schule sein Ausdrucksvermögen aus. Die Schule ist Teil einer gewissen Kulturtechnik. Das Ausbilden einer Handschrift, das würden auch Naturwissenschaftler und Neurowissenschaftler sagen, ist, was die Bewegungen und was die Ausbildung der Synapsen im Gehirn angeht, sehr wichtig. Daher gilt für mich: mehr Schreibschrift und nicht weniger. Es gehört zur Bildung dazu, dass man einen Stift halten kann und eine eigene Handschrift hat. (GEA)