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BUGA soll wirtschaftlicher Motor der Region werden

Die Stadt Reutlingen sowie weitere fünf Kommunen in der Region hoffen auf die Bundesgartenschau 2039 als Motor für die Wirtschaft. Die Machbarkeitsstudie zur sogenannten Biosphären-BUGA ist schon weit gediehen, noch vor der Sommerpause im nächsten Jahr könnte die Bewerbung eingereicht werden. Eine erste Prognose spricht von rund 1,7 Millionen Besuchern, die zur Bundesgartenschau 2039 in die Region kommen könnten.

Auf der Echaz, ihrer Begehbarkeit und ihrer Renaturierung liegt der Fokus der Machbarkeitsstudie zur Bundesgartenschau 2039. Noc
Auf der Echaz, ihrer Begehbarkeit und ihrer Renaturierung liegt der Fokus der Machbarkeitsstudie zur Bundesgartenschau 2039. Noch vor der Sommerpause im nächsten Jahr soll die Bewerbung der Stadt in Kooperation mit fünf Nachbarkommunen eingereicht werden. Foto: EISSLER_CAROLA
Auf der Echaz, ihrer Begehbarkeit und ihrer Renaturierung liegt der Fokus der Machbarkeitsstudie zur Bundesgartenschau 2039. Noch vor der Sommerpause im nächsten Jahr soll die Bewerbung der Stadt in Kooperation mit fünf Nachbarkommunen eingereicht werden.
Foto: EISSLER_CAROLA

REUTLINGEN. Die Stadt Reutlingen sowie weitere fünf Kommunen in der Region hoffen auf die Bundesgartenschau 2039 als Motor für die Wirtschaft. Die Machbarkeitsstudie zur sogenannten Biosphären-BUGA ist schon weit gediehen, noch vor der Sommerpause im nächsten Jahr könnte die Bewerbung eingereicht werden.

Alle für die Machbarkeitsstudie notwendigen Daten liegen bereits vor, ebenso wurde jetzt ein Besucherpotenzial von 1,7 Millionen für die Region ermittelt. »Alle Untersuchungen, die durchgeführt worden sind, zeigen ganz deutlich, dass Reutlingen und die Nachbarkommunen prädestiniert sind, diese Bundesgartenschau 2039 durchzuführen«, zeigte sich Stefan Dvorak, Leiter des Stadtplanungsamtes, der den Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung auf den aktuellen Stand brachte, von dem Vorhaben überzeugt. »Das sieht derzeit alles sehr positiv aus.« Laut Aussagen aus der Verwaltung habe man auch das Land Baden-Württemberg auf seiner Seite. Kürzlich wurde die Studie Landwirtschaftsminister Peter Hauk und seinen Fachleuten präsentiert. »Wir haben auch beim Ministerium große Begeisterung ausgelöst«, berichtet Dvorak. Das Land habe signalisiert, Reutlingen bei einem Zuschlag genauso stark finanziell zu unterstützen wie Mannheim vor zwei Jahren.

Die Bundesgartenschau 2039 soll eine interkommunale Bundesgartenschau werden. Neben Reutlingen sind Pfullingen, Lichtenstein, Eningen, Wannweil und Kirchentellinsfurt beteiligt. Zentrales Element ist dabei die Echaz. »Die Transformation dieses Flusses ist ein ganz wichtiger Punkt.« Zudem werden auf Reutlinger Gebiet bestehende Räume wie Markwasen, Hohbuch, Pomologie aufgewertet. »Wir wollen uns auf Flächen konzentrieren, die Reutlingen ohnehin in den nächsten Jahren in der Entwicklung hat, die auch schon in unserer Planung sind, und da spielt die Echaz eine ganz große Rolle.« Dvorak verweist darauf, dass es sich bei allen Planungen und deren Umsetzung um nachhaltige Veränderungen handelt, die auch nach der Bundesgartenschau den Reutlingern zugutekommen. Genauso, wie die Landesgartenschau 1984 bis heute positive Auswirkungen auf die Stadt habe. »Ohne die Landesgartenschau 1984 weiß ich nicht, was aus der Pomologie geworden wäre.«

Freiraumkonzept für die Echaz

Schon vor vielen Jahren wurde aus dem Gemeinderat heraus beantragt, ein Konzept für den Freiraum entlang der Echaz zu erstellen. »Mit einer Bundesgartenschau könnte dieses Freiraumkonzept Wirklichkeit werden.« Trotz vieler Renaturierungen, beispielsweise auch in Betzingen, ist die Echaz in vielen Bereichen noch kanalisiert. Dies soll sich in den nächsten Jahren Stück für Stück ändern. Gerade angesichts von trockener werdenden Sommern sei es wichtig, die Echaz als Kühlräume und Frischluftschneisen in der Stadt zu nutzen. »Das ist etwas Nachhaltiges für ganze Generationen. Und durch eine mögliche Bundesgartenschau kommen wir an ganz andere Fördermittel, die wir dafür nutzen können.« Dvorak nennt beispielhaft auch einen Rückbau des Zentralen Omnibusbahnhofs. Für die Busse würden nur zwei Spuren gebraucht. Stattdessen könne man hier Freiräume entlang der Echaz schaffen, die auch begehbar sind.

Die Studie beinhaltet allein auf Reutlinger Gebiet zahlreiche Planungen, die vorhandene Gebiete aufwerten. Das Stichwort Nachhaltigkeit steht im Zentrum. Neben der Echaz soll ein Fokus auch auf dem Gebiet Markwasen liegen, hinter den Sportflächen soll sich einiges tun, das Gelände aufgewertet werden. »Im Markwasen brauchen wir dann nochmals eine sehr umfassende Artenschutzaufnahme. Unser Ziel ist es ja, die Natur in dem Bereich voranzubringen.« Eines stellt Dvorak klar: Es werden keine neuen Parks angelegt, sondern die bestehenden Parks, Grünbereiche, Anlagen genutzt.

Verkehr auf Verkehr legen

Außergewöhnliches Detail in der Machbarkeitsstudie ist ein Parkhaus über den Verkehrsstraßen am Hohbuchknoten. Die Idee sei, eine Parkierungsanlage mit mehreren Geschossen auf Stützen zu bauen, die über den dortigen Straßen liegt. Dadurch könne es gelingen, dass die ganzen Parkplätze auf den Bösmannsäckern, an der Bantlinstraße, am Proviantamt künftig in diesem Parkhaus zentralisiert werden, verdeutlicht Dvorak. Die wertvollen Grundstücke an der Bantlinstraße wären damit bebaubar. Das Parkhaus könnte nach den Vorstellungen der Planer in Teilen dann auch für diese Neubebauung dienen und im Vorfeld als Besucherplätze für die Bundesgartenschau. »Verkehr auf Verkehr zu legen, das spart Flächen.«

Reutlingen will alle zwölf Stadtteile mit in die Bundesgartenschau einbeziehen, zusätzlich noch Orschel-Hagen, die sogenannte Gartenstadt, als 13. Stadtteil. Jeweils zwei bis drei Wochen lang soll dann speziell in diesem Stadtteil ein gesondertes Bundesgartenschau-Programm stattfinden. Auftakt wäre die Tulpenblüte in Gönningen im April 2039.

Gastronomie und Hotellerie profitieren

Mit rund 1,7 Millionen Besuchern rechnet die Machbarkeitsstudie. Freilich nur eine Prognose, die von vielen Faktoren, nicht zuletzt vom Wetter beeinflusst wird, wie Besucherströme vergangener Bundesgartenschauen zeigen. Zum einen bezahlen diese Besucher Eintritt, zum anderen lassen sie aber auch durch Gastronomiebesuche oder Hotelübernachtungen Geld in der Region. »Das ist ein Motor, der der Wirtschaft zugutekommt«, ist Dvorak überzeugt. Und bereits im Vorfeld der Bundesgartenschau würden Firmen durch entsprechende Aufträge profitieren. »Der wirtschaftliche Mehrwert der Bundesgartenschauen ist enorm.«

Noch vor der Sommerpause im nächsten Jahr soll der Gemeinderat der Machbarkeitsstudie zustimmen und damit den Weg für die Bewerbung frei machen. Reutlingen und die teilnehmenden Kommunen haben laut Dvorak das Exklusivrecht, aber die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH mit Sitz in Bonn prüft mit einer Delegation vor Ort, ob die Vorschläge und Planungen aus der Machbarkeitsstudie überhaupt realistisch sind. Bereits im Herbst 2026 könnte eine solche Delegation nach Reutlingen und in die Region kommen. Bis Ende des Jahres könnte dann bereits eine Entscheidung fallen. »In der Regel braucht man mindestens zehn Jahre Vorlauf für eine solche Bundesgartenschau«, sagt Dvorak. So gesehen verbliebe Reutlingen und den beteiligten Kommunen ausreichend Zeit, um sich auf dieses Großevent vorzubereiten. (GEA)