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Gewitter und Hagel fegen über Reutlingen hinweg

Ein starkes Gewitter verwandelt Reutlingen stellenweise und unerwartet in eine Winterlandschaft. Warum gab es keine Warnung?

Hagel lag in der Reutlinger Innenstadt bis zu 30 Zentimeter hoch.
Hagel lag in der Reutlinger Innenstadt bis zu 30 Zentimeter hoch. Foto: Markus Plath
Hagel lag in der Reutlinger Innenstadt bis zu 30 Zentimeter hoch.
Foto: Markus Plath

REUTLINGEN. Es kam unerwartet und verwandelte Reutlingen stellenweise in eine Winterlandschaft: Am Freitagnachmittag fegte ein Gewitter der Stufe zwei über die Stadt hinweg. Hagelkörner trommelten gegen Fenster, Straßen verwandelten sich in Bäche, aus Gullys sprudelte das Wasser. Für einen kurzen Moment wurden Erinnerungen an den Megasturm wach, der vor rund zehn Jahren große Teile des Landkreises verwüstet hatte. Doch nach etwa einer Viertelstunde war klar: alles nur halb so schlimm.

250 Einsatzkräfte helfen, die Schäden zu beseitigen

Das Unwetter war absolut lokal begrenzt, das zeigte sich schnell. Am heftigsten vom Hagel betroffen war die Reutlinger Innenstadt, die Bezirksgemeinden dagegen nur vom Regen, rasant verbreiteten sich Bilder und Videos im Internet. »250 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr und allen Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr sind im Einsatz«, berichtete Stadt-Pressesprecherin Sabine Külschbach rund zwei Stunden nach Ende des Unwetters. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 100 Einsätze notiert. Ebenso vor Ort waren Stadtentwässerung und Technische Betriebsdienste. Koordiniert wurden die Einsätze von der Führungsunterstützungseinheit und auch der Verwaltungsstab der Stadt Reutlingen mit Finanzbürgermeister Roland Wintzen wurde einberufen.

Laub und Hagel hatten die Kanalisation verstopft. Straßen waren deshalb überflutet worden, Unterführungen teilweise nicht passierbar. Es gab Verkehrschaos stellenweise. Keller und Tiefgaragen – beispielsweise die des Rathauses – waren vollgelaufen und mussten leer gepumpt werden. »Auch die Technischen Betriebsdienste sind mit einem Schneepflug im Einsatz«, so Külschbach. An manchen Stellen war der Hagel 30 Zentimeter hoch gelegen. In der Metzgerstraße transportierten ihn am Abend schließlich Lastwägen ab.

Echaz tritt über die Ufer

Die Echaz sei innerhalb von Minuten um eineinhalb Meter angestiegen, so die Pressesprecherin. In Betzingen sei der Fluss sogar kurzfristig über die Ufer getreten. »Aber es ist nichts in Keller eingedrungen, das konnte über die Kanalisation abfließen«, so Külschbach. »Da trägt der neue Hochwasserschutz Früchte.«

Nichts Ungewöhnliches stellte das Reutlinger Polizeipräsidium kurz nach dem Unwetter fest. »Alles im grünen Bereich, kein erhöhtes Unfallaufkommen, keine Unwetter-bedingten Einsätze«, sagte Pressesprecher Christian Wörner dem GEA und ergänzte: »Es gab einen Fehlalarm, der dem Gewitter geschuldet war, das war’s.«

Hagelräumen mit großem Gerät in Reutlingen. Foto: Stadt
Hagelräumen mit großem Gerät in Reutlingen.
Foto: Stadt

Warum gab es keine Warnung?

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in Stuttgart war es das auch vorerst mit starken Gewittern. »Das Unwetter in Reutlingen war heute das heftigste im Land. Aber die Zelle hat Reutlingen und die Region passiert. Was jetzt noch folgt, sind weitere Schauer, aber die sind weniger kräftig«, sagte DWD-Mitarbeiter Uwe Pechl gegen 18 Uhr. Das schlechte Wetter halte sich noch bis Montag. »Dann wird es aufklaren, ab Mittwoch sommerlich.«

Während im Juni und Juli viele Unwetterwarnungen für Reutlingen und Region die Runde machten, dann oft aber kaum etwas vom Himmel fiel, war es an diesem Tag genau andersherum. »Es gab keine Vorwarnung, weil das Potenzial für schwere Unwetter nicht hoch war. In den vergangenen Wochen war das Potenzial oft da, es hat sich aber nicht entfaltet.« (GEA)