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Aktuell Denkmalschutz

Fast eine Million Euro für die historische Häuserzeile in Reutlingen

Die mehr als 700 Jahre alten Gebäude in der Reutlinger Oberamteistraße gehören zu den ältesten in Deutschland und sollen gerettet werden. Nach zwei erdbeben vor einigen Wochen scheint die Zeit noch mehr zu drängen.

So soll es einst aussehen: Visualisierung der historischen Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 34 zwischen Volkshochschule (links
So soll es einmal aussehen: Die historische Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 34 zwischen Volkshochschule (links) und Heimatmuseum (rechts). Das Glashaus schützt den historischen Keller und stützt das historische Ensemble. Foto: WULF ARCHITEKTEN, STUTTGART
So soll es einmal aussehen: Die historische Häuserzeile Oberamteistraße 28 bis 34 zwischen Volkshochschule (links) und Heimatmuseum (rechts). Das Glashaus schützt den historischen Keller und stützt das historische Ensemble.
Foto: WULF ARCHITEKTEN, STUTTGART

REUTLINGEN. »Ein freudiger Tag für die Häuserzeile Oberamteistraße«, freute sich Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck: Am Donnerstag erhielt das Stadtzoberhaupt die Nachricht, dass der Bund die Sanierung des historischen Ensembles mit 960.000 Euro fördert.

Die Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes kommen zum richtigen Zeitpunkt: Nach dem Erdbeben der Stärke 4,1 im Juli und einem weiteren Beben mit der Stärke 3,9 im Oktober hatte sich der ohnehin schon besorgniserregende Gesamtzustand der Häuser weiter verschlechtert. Ein Gutachten des Büros Wulf Architekten bestätigte, dass bereits durch das erste Beben vorhandene Risse größer geworden und neue Risse entstanden seien.

»Wir müssen stündlich mit dem Schlimmsten rechnen«

Das Holztragwerk der Häuser weise erhebliche Schäden und Mängel auf. »Dieses Gutachten lässt keinen Zweifel daran, dass wir aus statischer Sicht umgehend mit der Sanierung der Gebäude beginnen müssen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und die Gefahr von weiterem Substanzverlust zu vermeiden«, betonte Thomas Keck. In Kürze wird deshalb auch der Gemeinderat über die vorgezogene Umsetzung der statischen Sanierung des Gebäudes Oberamteistraße 28 befinden.

Bereits im Frühjahr vergangenen Jahres hatte die Stadt die Zusage für rund 3,33 Millionen Euro aus dem Bundesförderprogramm »Nationale Projekte des Städtebaus« für den Neubau an der Stelle des einstigen »Steinernen Hauses« erhalten, der das in Schieflage geratene historische Ensemble stützen soll: »Dass die Bundesregierung nun weitere Mittel zum Erhalt der Häuserzeile beisteuert, zeigt mir einmal mehr, wie richtig der Gemeinderat lag, als er im vergangenen Jahr einstimmig den Baubeschluss für die statische Sanierung der Gebäude 30 bis 32 sowie den Neubau des Gebäudes 34 fasste«, unterstrich der Rathaus-Chef, »nun sollten wir wirklich keine Zeit mehr bei der Umsetzung des Beschlusses verlieren, denn spätestens nach diesen beiden Erdbeben müssen wir stündlich mit dem Schlimmsten rechnen.«

Die historische Häuserzeile Oberamteistraße gilt als eine der ältesten zusammenhängenden Fachwerkhäuserzeilen Deutschlands. Ihren Ursprung hat sie in den Anfängen des 14. Jahrhunderts. Die über 700 Jahre alten Gebäude weisen unzählige architektonische, archäologische und historische Besonderheiten auf, weshalb sie von großer historischer Bedeutung sind und unter Denkmalschutz stehen.

»Gerade in der einstigen freien Reichsstadt Reutlingen ist die historische Häuserzeile ein einzigartiges, prägendes Kulturerbe, das wir unbedingt erhalten müssen«, so Thomas Keck. Geplant ist ein ebenso einzigartiges Museumskonzept, doch zunächst einmal müssen die Gebäude statisch ertüchtigt und saniert werden. (pm/GEA)