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Aktuell Jubiläum

Die »Sportfreunde 1920« sind der älteste Kegelclub Reutlingens

Die »Kegelbrüder« der Sportfreunde 1920 (von links): Horst Möck, Jens Sanow, Hubert Klemp, Christian Haker, Jürgen Pafel, Eugen
Die »Kegelbrüder« der Sportfreunde 1920 (von links): Horst Möck, Jens Sanow, Hubert Klemp, Christian Haker, Jürgen Pafel, Eugen Lamparter, Peter Brugger und Gerd Walter. FOTOS: MEYER Foto: Jürgen Meyer
Die »Kegelbrüder« der Sportfreunde 1920 (von links): Horst Möck, Jens Sanow, Hubert Klemp, Christian Haker, Jürgen Pafel, Eugen Lamparter, Peter Brugger und Gerd Walter. FOTOS: MEYER
Foto: Jürgen Meyer

REUTLINGEN. Früher, da gab es schöne sportliche Erfolge zu feiern: Zwischen 1927 und 1939 wurde Reutlingens ältester Kegelclub, die »Sportfreunde 1920«, vier Mal württembergischer Meister. Inzwischen ist der hundertjährige Verein zwar immer noch kein bisschen müde, doch stehen heute eher Geselligkeit und Spaß im Vordergrund, wie Mitglied Gerd Walter berichtet.

Was nicht heißen soll, dass sportliche Finessen nicht mehr gepflegt werden: Das Niveau der »Kegelbrüder«, wie Gerd Walter seine Vereinskollegen nennt, könne sich durchaus sehen lassen. Sie treffen sich alle zwei Wochen in den Kegelbahnen unter dem Restaurant Mylos in der Kaiserstraße.

»Alle Mitglieder sind Rentner, der Älteste ist mit seinen 86 Jahren immer noch vorne dabei«, schildert Gerd Walter. Der Fast-Achtzigjährige ist trotz zweier Hüftoperationen selbst begeistert dabei. »Ich werfe die Kugel jetzt eben aus dem Stand, statt Anlauf zu nehmen.«

Um alle Neune auf einmal oder Figuren zu werfen – dabei sollen bestimmte Kegel fallen, andere stehen bleiben – braucht es taktisches Geschick und Fingerspitzengefühl. So kommt es dann zum Beispiel zustande, dass eine Kugel etwa 20 Meter schnurgeradeaus rollt, um dann kurz vor dem Ziel einen Haken in genau die richtige Richtung zu schlagen. »Dann läuft man durch die Runde und holt sich seinen Glückwunsch per Handschlag von allen Kegelbrüdern ab«, sagt Gerd Walter. Zumindest, wenn nicht gerade verschärfte Hygieneregeln gelten.

Die »Sportfreunde 1920« sind ein reiner Männerverein. Das war schon immer so. »Unter Männern«, bekennt Gerd Walter, »kann man auch mal einen Spruch loslassen.« Seine Kegelbrüder seien ein ausgesprochen netter Haufen. Ihre Frauen nehmen die Kegelfreunde alle zwei Jahre zu Ausflügen und kleinen Reisen mit.

Die »Sportfreunde 1920« sind Kugelkünstler: Christian Haker in Aktion.
Die »Sportfreunde 1920« sind Kugelkünstler: Christian Haker in Aktion. Foto: Jürgen Meyer
Die »Sportfreunde 1920« sind Kugelkünstler: Christian Haker in Aktion.
Foto: Jürgen Meyer

Von denen hat es im Laufe der Vereinsgeschichte schon viele gegeben. Gerd Walter will nicht ausschließen, dass irgendwann, wenn das Durchschnittsalter noch weiter anwächst und der männliche Nachwuchs ausbleibt, auch Frauen aufgenommen werden.

Gegründet wurde der Verein 1920 von zehn Beamten der damaligen Württembergischen Vereinsbank – heute Deutsche Bank. Und zwar auf den Namen »Ban-karia«. Bis 1924 war die Gaststätte »Eintracht«, später unter dem Namen »Silberbar« bekannt, der Treffpunkt des Kegelvereins.

Durch die damalige Wirtschaftskrise musste sich der Club verkleinern, aber ans Aufhören dachte keiner. Gerade deshalb nannten sich die restlichen Vereinsmitglieder »Wer het au dess glaubt«. Der »Anker« in der Albstraße war bis 1945 die Heimat der Kegler, bis das Gasthaus bei einem Fliegerangriff zerstört wurde. Aber als der Verein in den Deutschen Kegelbund aufgenommen werden sollte, musste ein neuer Name her: »Sportfreunde 1920« heißt er seither. Zwischen 1927 und 1939 wurde der Club vier Mal Württembergischer Meister in der Mannschaftswertung auf Lattenbahnen und stellte auch einige Meister und Vizemeister im Einzelkegeln.

Trainert wurde im »Black Mustang«, im »Lindach Braustüble« und im »SSV Sportheim«. Mit dem Sportkegeln war es dann in den 70er-Jahren vorbei.

Inzwischen treffen sich die derzeit acht aktiven Freizeitkegler im »Mylos«, alle 14 Tage freitags von 17.30 bis 20.30 Uhr. (eg/GEA)