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Aktuell Absage

Deutsche Fußballmeisterschaft in Reutlingen von Coronavirus gestoppt

Sportler, die sich vergeblich auf die Meisterschaft gefreut haben.
Sportler, die sich vergeblich auf die Meisterschaft gefreut haben. Foto: pr
Sportler, die sich vergeblich auf die Meisterschaft gefreut haben.
Foto: pr

REUTLINGEN. Jetzt hat es auch die Deutsche Fußballmeisterschaft für Fußballer mit mentaler Beeinträchtigung in Reutlingen erwischt: die groß angelegte Inklusionssportinitiative der TSG Reutlingen Inklusiv und der Stadt Reutlingen hatte letztendlich keine Chance, sodass nun die Absage erfolgte.

Seit Juni 2019 hatte sich das Organisationsteam um Dr. Martin Sowa, Kim Laudage, Albrecht Tappe von der TSG Inklusiv sowie Verena Betz, Julian Storz und Uwe Weber von der Stadt Reutlingen bereits im Vorfeld täglich mit der Organisation vieler inklusiver Veranstaltungen auseinandergesetzt. Vor einem Jahr waren Laudage, Weber und Sowa ins Saarland gereist, um offiziell den Staffelstab für die Deutsche Meisterschaft der Landesauswahl mit Mannschaften aus der ganzen Bundesrepublik zu übernehmen. »Seit dem Beginn der Austragung der DM vor zehn Jahren hat es bundesweit noch keine Veranstaltung in der Komplexität und Größenordnung gegeben, wie wir es hier für Reutlingen in Angriff genommen haben«, so Sowa, der Abteilungsleiter der TSG Reutlingen Inklusiv. In stetiger Absprache stellten die drei Inklusiv- Organisatoren eine Sportinitiative auf die Beine, die als Modell für die ganze Bundesrepublik hätte dienen sollen. Allein zum inklusiven Fußballspiel zwischen der TSG Reutlingen und der Inklusionsabteilung im letzten Jahr hatte man mehr Menschen auf die Zuschauerränge gebracht, als ein Jahr zuvor im Saarland zusammen.

»Die Kooperation mit der Reutlinger Schullandschaft läuft hervorragend«, so Kim Laudage, der in besonders intensivem Austausch mit den IKG-Gymnasiasten und der Jos-Weis-Schule steht. »Zum inklusiven Training mit den IKG-Schülern konnten wir über 50 sportbegeisterte Jugendliche in der IKG-Halle begrüßen. Waren anfangs noch Berührungsängste da, so verschwanden diese mit dem ersten Ballkontakt«, so Kim Laudage. »Auch die Lehrerschaft zieht hervorragend mit«, so der Cheforganisator, der auch das große Engagement der Jos-Weis-Schule lobt.

Albrecht Tappe hob besonders die Zusammenarbeit mit der Stadt Reutlingen hervor. »Das ist eine so tolle Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Stadt, Verena Betz und Julian Storz. Wir können uns in allem, was wir tun, in jeder Minute aufeinander verlassen«, so der langjährige Geschäftsführer der Inklusionsabteilung.

»Das ist eine richtig gut gelebte Kooperation.«

Auch Amtsleiter Uwe Weber äußerte sich positiv über die vielgeschichtete und unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Inklusionsexperten, weshalb auch aus seinen Worten die Enttäuschung über die »letztendlich alternativlose« Absage klingt.

Auch wenn die DM am Kreuzeiche Stadion erst für den Zeitraum vom 14. bis zum 18. Juni diesen Jahres geplant war, so mussten nun schon im Vorfeld zahlreiche Aktionen abgesagt werden, weil sie in die Zeit der Ausgangsbeschränkungen fielen: die inklusiven Soccer Courts in Reutlingen und Münsingen, Arbeiten an der DM-Zeitung durch die IKG-Schüler, Interviews der Schüler mit Bürgermeister Hahn und den Inklusionsorganisatoren, ein Kunstprojekt mit der Jos-Weis-Schule, intensive Trainings an den Schulen und Fußballtraining beim TSG Inklusiv, Freundschaftsspiele, Trainingslager, ein Veranstaltungsabend in der Kreissparkasse Reutlingen, eine Fernsehtalkrunde und vieles mehr.

»Betrachtet man die Unterstützer und Partner, denen wir jetzt absagen müssen, dann wird auf einen Blick deutlich, dass hier sehr viele Teile der Reutlinger Geschäftswelt, Schulen, Vereine, Initiativen, Ausbildungsstätten, Medien mitgezogen haben«, so Sowa. »Allein das ist schon mehr als bemerkenswert.« »Hunderte von Arbeitsstunden hängen in den ganzen Vorarbeiten«, äußert Kim Laudage, »die sich auch finanziell auswirken. Neben meiner ganz normalen Alltagsarbeit in der TSG Inklusiv hat sich seit Juni 2019 alles um die Ausrichtung dieser Inklusionssportinitiative gedreht«, führt Laudage weiter aus. »Mit viel Herzblut, Engagement und professioneller täglicher Arbeit haben wir diese Deutsche Meisterschaft gelebt und jetzt ist sie gestoppt«, führt der Geschäftsführer der Abteilung Albrecht Tappe an.

Trotz aller Enttäuschung über die Absage sieht das Inklusionstrio der Abteilung aber auch positiv in die Zukunft: Tappe und Sowa, die schon seit mehr als drei Jahrzehnten zusammenarbeiten, betonen unisono, dass sich aus jeder Niederlage etwas Positives entwickeln lässt. Dabei lobte Sowa besonders die Zusammenarbeit und die Kooperationsbereitschaft mit vielen Partnern in der ganzen Region. Auch Laudage betonte besonders die Zusammenarbeit mit den Fußballvereinen, den Reutlinger Schulen und den Ausbildungsstätten: ESB, Fachhochschule für Soziale Arbeit, Fachseminar für Sonderpädagogik Reutlingen und PH Ludwigsburg. »Aus dieser bisherigen Zusammenarbeit werden sich bestimmt gänzlich neue Partnerschaften entwickeln.« »Wenn wir nur das schon einmal nehmen, ohne dass ein Ball im Stadion gerollt ist, dann haben wir schon viel erreicht, was hoffentlich Bestand haben wird. Wir wollen diese Partnerschaften auf jeden Fall pflegen und ausbauen.«

Wie geht es nun weiter?

Eine Verschiebung der DM um ein Jahr wäre die bevorzugte Lösung gewesen, , allerdings erhielt für diese Veranstaltung das Land Brandenburg bereits den Zuschlag. Nächstes Jahr soll der Ball in Cottbus rollen.

Die Reutlinger Verantwortlichen, die während des 41- jährigen Bestehens der TSG Reutlingen Inklusiv noch nie kapitulierten, erwägen nun eine eventuelle Austragung dieser Inklusionssportinitiative im Jahr 2022 und führen bereits erste Gespräche.

»Auch wenn es schmerzlich ist, aber in jedem Ende wohnt ein neuer Anfang. Und wenn eine Tür zugeht, öffnen sich meistens zwei andere«, so Martin Sowa, der mit Tappe und Laudage ein kompetentes und starkes Team bildet.

»Die Stadt Reutlingen ist froh und stolz, dass sie eine solche Abteilung in ihren Reihen hat. Sie ist schon ein Vorreiter in Sachen Inklusion und sicher auch ein Aushängeschild für die Stadt «, äußert sich Uwe Weber. Auf ein Neues, mit hoffentlich den jetzt im Boot sitzenden kompetenten Partnern. (pm)