REUTLINGEN. Der Mittelalterarchäologe und Leiter des Burgenzentrums an der Universität Tübingen, Dr. Michael Kienzle, ist der erste Preisträger des neu ausgelobten Kreisgeschichtspreises des Landkreises Reutlingen. Die Auszeichnung wurde am Montagabend im Großen Sitzungssaal des Landratsamts vergeben, rund 65 Bürgerinnen und Bürger verfolgten die Verleihung. Kreisschul- und Kulturamtsleiter Daniel Stückle übergab neben einer Urkunde ein Preisgeld von 1.000 Euro als Druckkostenzuschuss für Kienzles Dissertation sowie eine gravierte Tischleuchte aus dem Kreisarchiv mit der Aufschrift: »Das Kreisarchiv Reutlingen…bringt Licht ins Dunkel.«
Kienzle promovierte 2022 an der Eberhard Karls Universität Tübingen und ist freiberuflich in der Burgen- und Kulturlandschaftsforschung tätig. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung historisch-kultureller Inhalte für ein breites Publikum. Seit 2025 leitet er das Burgenzentrum an der Universität Tübingen und engagiert sich im Rahmen des Greifensteinprojekts für die Erforschung, Dokumentation und Vermittlung mittelalterlicher Burgen in der Region. 2024 war er maßgeblich an der Planung des Mittelalterevents »Lebendiges Mittelalter! Ritter und Burgen im Echaztal« in Pfullingen beteiligt.
Der Kreisgeschichtspreis soll herausragende wissenschaftliche Arbeiten sichtbar machen, sie würdigen – und ganz konkret dazu beitragen, dass Forschung nicht in der Schublade verschwindet, sondern ihren Weg in die Öffentlichkeit findet. Die Auszeichnung wird durch den Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke gefördert. Kreisarchivleiter Dr. Marco Birn betonte: »Der Landkreis Reutlingen versteht Geschichte nicht als etwas Abgeschlossenes oder Vergangenes – sondern als etwas, das uns heute betrifft, das uns prägt und das wir aktiv erforschen und erzählen können.«
Regionalgeschichte sei nicht »klein« oder »nur lokal«. Gerade in der Region lassen sich viele Fragen oft besonders präzise untersuchen, weil Quellen, Orte, Strukturen und Erinnerungen greifbar sind. Und Nachwuchsforschung bringt oft genau das mit, was historische Arbeit lebendig hält: neue Fragestellungen, neue Methoden, neue Perspektiven. (eg)

