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Aktuell Pilotprojekt

Zwischenbericht zum Modellversuch in Tübingen veröffentlicht

Menschen schlendern durch eine Gasse in Tübingen.
In Tübingen darf man nach einem negativen Schnelltest wieder einkaufen und sich in die Außengastro setzen. Foto: Ines Stöhr
In Tübingen darf man nach einem negativen Schnelltest wieder einkaufen und sich in die Außengastro setzen.
Foto: Ines Stöhr

TÜBINGEN. Volle Parkhäuser, lange Schlangen vor den Teststationen, großer Ansturm in der Altstadt und viel zu wenig Platz im Biergarten. Im Tübinger Rathaus beobachtet man das Geschehen genau. Sozial-Bürgermeisterin Daniela Harsch hat am Dienstag gemahnt, dass der Modellversuch nur funktionieren kann, wenn man die Situation im Griff behalte. »Wenn große Gruppen aber die Biervorräte unserer Supermärkte auf den Marktplatz schleppen und ohne Maske ›Schwaben-Ballermann‹ spielen, dann scheitern wir. Und mit uns die Modellprojekte, die gerade in Planung sind.« Die Pandemie-Beauftragte Lisa Federle und Oberbürgermeister Boris Palmer haben inzwischen ihren Bericht über den Zwischenstand nach der zweiten Woche nach Stuttgart geschickt:

Die Testkapazität: Die neun Stationen im Stadtgebiet schaffen maximal 9.000 Tests am Tag. Mehr Tagestickets würden zu einer Überlastung der Innenstadt führen. Die Lagerung von Testkits im Freien bei Temperaturen knapp über null hat an einer privaten Station zu falsch positiven Tests geführt. Die Umstellung auf elektronisches Ticketing musste abgebrochen werden, da die gelieferten Armbänder einen Produktionsfehler hatten.

Besucher: Als problematisch erwies sich der Alkoholausschank to go, der nicht Bestandteil des Modellversuchs ist und bereits zuvor zu »Traubenbildung im öffentlichen Raum« geführt hatte. Die Stadtverwaltung reagierte darauf mit einem Alkoholausschankverbot nach 20 Uhr, das seither konsequent durchgesetzt wird. Die Zahl der Fußgänger ohne Maske hat deutlich zugenommen. Die Situation der Außengastronomie war zu jeder Zeit geordnet. Die Abstände wurden eingehalten, es gab ausreichend freie Plätze und lediglich eine Ballung am Marktplatz.

Inzidenz: Tübingen ermittelt einen eigenen Wert. Herausgerechnet werden dabei die Fälle, die nicht mit Öffnung von Außen-Gastro, Theater und Einzelhandel in Verbindung stehen. Zum Beispiel die Infektionen in der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge sowie die Schulen und Kitas. »Die diffuse Inzidenz in der Stadt ist daher von knapp unter 30 auf etwa 45 angestiegen«, hieß es am Montag.

Anpassungen: Die Zahl der Tickets für Auswärtige wird dauerhaft eingeschränkt, um dem unerwünschten Städte-Tourismus entgegenzutreten. Wer nicht im Kreis Tübingen wohnt oder arbeitet, kann nur noch an drei der neun Teststationen ein Tagesticket erhalten. Dies erlaube es, künftig die Positivrate der Tübinger Testpersonen separat zu bestimmen. Wie mit dem Land vereinbart, wird über die Ostertage jeder Städte-Tourismus unterbunden. In der Zeit werden keine Tagestickets an Auswärtige vergeben.

Alkohol: Ab sofort wird ein Alkoholausschankverbot und ein Alkoholkonsumverbot ab 20 Uhr in der Tübinger Innenstadt angeordnet.

Maskenpflicht: Sie gilt in der Innenstadt generell, weil dort oft kein Mindestabstand eingehalten werden kann.

Appell: Tübingen will herausfinden, ob man das Infektionsgeschehen in einer Stadt mit engmaschigen Tests unter Kontrolle bringen kann. Palmer appellierte am Dienstag an Besucher: »Tagesgäste, die sonst nie hier sind, stören den Versuch und zerstören die Akzeptanz bei den Tübingern. Daher fordere ich alle Gäste, die nur wegen des Öffnungsversuches nach Tübingen reisen wollen, jetzt auf, der Stadt fern zu bleiben.« (GEA)