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Tübinger Impfzentrum muss Termine absagen, weil Land Astrazeneca-Lieferung kürzt

Das Impfzentrum in Tübingen
Das Impfzentrum in Tübingen

TÜBINGEN. »Ihr Impftermin ist abgesagt.« Diesen kurzen Satz bekamen gestern 980 Personen, die am kommenden Sonntag, 14., am Montag, 15., oder am Dienstag, 16. März, einen Termin im Tübinger Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena hatten. Nur Termine für die zweite Impfung bleiben bestehen.

Die Erklärung für das Vorgehen wurde den Betroffenen allerdings nicht mitgeliefert. Schon deshalb war man sich im Landratsamt darüber im Klaren, dass es massiv Ärger geben wird. Zumindest die Gründe für die kurzfristigen Absagen hat der Kreis daher in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht.

Hintergrund ist, dass die zugesagten Impfstofflieferungen der Firma Astra-Zeneca ans Land reduziert wurden. Alle, die sich sicher wähnten, in Tübingen an diesen drei Tagen endlich geimpft zu werden, haben auch noch den Ärger, dass sie sich nun wieder hinten anstellen müssen, erneut das nervige Prozedere der Terminvergabe zu absolvieren haben. Im März seien alle Termine vergeben, sagte Landrat Joachim Walter gestern in der Sitzung des Verwaltungs- und Technischen Ausschusses des Kreistags, in dem ein Tagesordnungspunkt auch ein Bericht über die Arbeit des Impfzentrums war.

Mehr Impfungen möglich

Der sonstige Kreis-Finanzdezernent Werner Walz und die sonstige Geschäftsführerin des Abfallwirtschaftsbetriebs Dr. Sybille Kiefer stehen dabei in vorderster Front, Kiefer als Leiterin des Impfzentrums. Über die Arbeit des gemeinsam mit dem Uniklinikum auf die Beine gestellten Zentrums wusste Walz eigentlich nur Positives zu berichten. CDU-Kreisrat Werner Nill ergänzte eigene Erfahrungen, dass alle Leute, die ihn angesprochen hatten, sich sehr wohlwollend über die Arbeit dort geäußert haben. Walz berichtete auch von kleinen Geschenken, die es für die Mitarbeiter gab, Anerkennungen für ein, so Walz, »tolles Team«.

Was allerdings nicht so toll war, wofür man in Tübingen allerdings nichts kann, war die Impfbilanz. Am 4. Januar wurde der Impfbetrieb aufgenommen. An allen sieben Tagen der Woche war von 7 bis 21 Uhr geöffnet. Bis einschließlich Montag, 8. März, gab es in Tübingen fast 70 000 Impfungen, genauer gesagt 69.704. »Es wären aber 130.000 Impfungen möglich gewesen«, so Walz. Das bedeutet: bis zu 2.300 am Tag. Die Differenz zwischen Möglichem und Realem lag an Engpässen beim Impfstoff.

Die sieben mobilen Teams des DRK, die sogar schon seit 28. Dezember im Einsatz sind, möbelten die Impfbilanz etwas auf. Rund 9.700 Personen wurden geimpft, es gab durchschnittlich 150 Impfungen am Tag. Wobei der Zuständigkeitsbereich sehr groß ist, bis zum Bodenseekreis, bis Sigmaringen, Zollernalb, Calw, Reutlingen und Tübingen.

Hoffnung macht den Tübingern, dass es neben Biontech, Moderna und Astra-Zeneca bald noch einen vierten Impfstoff geben soll von Johnson und Johnson, der den großen Vorteil hat, dass er nur einmal verimpft werden muss.

Auf Nachfrage von Werner Nill, wann denn die Tübinger Firma Curevac so weit sei, sprach Landrat Joachim Walter davon, dass deren Impfstoff ab Juni verfügbar sein soll. Sozusagen kurz vor der Schließung des Tübingens Impfzentrums. Der Mietvertrag geht bisher nur bis 30. Juni. Das Ganze wird bis dahin 16 Millionen Euro gekostet haben, wobei vor allem die Personalkosten stärker zu Buche schlagen als kalkuliert. Statt prognostizierten 2,6 Millionen Euro werden dafür wohl am Ende 4,2 Millionen Euro ausgegeben.

Für Werner Walz ist es ein Ziel, dass die niedergelassenen Ärzte bald möglichst auch impfen können, »damit wir schneller weiterkommen«. Erst damit kriege man das Problem vom Tisch. Schließlich gelinge es ja auch auf dieser Schiene, jedes Jahr 20 bis 30 Millionen Menschen gegen Grippe zu impfen. Von daher ist für Walz klar: »Der Impfstoff muss jetzt auch schnell in die Praxen und zu den Betriebsärzten kommen.« (GEA)