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So viel Brot wird in Deutschland weggeworfen

Brotscheiben liegen auf einem Schneidebrett.
Brotscheiben liegen auf einem Schneidebrett. Foto: dpa
Brotscheiben liegen auf einem Schneidebrett.
Foto: dpa

TÜBINGEN. Brot ist eines der ältesten Lebensmittel der Welt und vor allem in Deutschland sehr beliebt. Mindestens einmal am Tag kommt es hierzulande mit über 3 000 Sorten auf den Tisch. Weil die Produzenten aber nicht wissen, wie viel und was die Kunden an bestimmten Tagen kaufen, bleiben Backwaren nach Ladenschluss oft übrig und werden weggeworfen.

Auch Verbraucher entsorgen Brot häufig früher als notwendig, weil es ihnen zu trocken geworden ist. So gilt ein Brötchen, das älter als drei Stunden ist, nicht mehr als frisch. Die Folge: 2015 wurden in Deutschland laut einer vom World Wildlife Fund (WWF) im Mai 2017 in Auftrag gegebenen Studie zur Verschwendung von Brot rund 4,5 Millionen Tonnen Backwaren hergestellt und 1,7 Millionen davon weggeworfen. Das muss nicht sein: Gutes Brot hält in der Regel ein paar Tage.

Fast 14 Milliarden Euro setzt die Backbranche in Deutschland jährlich um, auch wenn die Durchschnittsbäckerei jeden Tag zehn bis 20 Prozent ihrer Produkte entsorgt. Das entspricht deutschlandweit rund 500 000 Tonnen im Jahr. Kein anderes Lebensmittel wird laut Ökotest in so großen Mengen weggeworfen wie Brot. Dabei schmeckt vor allem Sauerteigbrot unter Umständen sogar besser, wenn es ein paar Tage im Brotkasten gelegen hat.

Energetische Entsorgung

Deutschlandweit gibt es immer mehr Läden, die Brot vom Vortag verkaufen und damit etwas gegen die Brotverschwendung tun – in einer Zeit, in der ohnehin viel zu viele Lebensmittel in der Tonne landen. Für die 1,7 Millionen Tonnen entsorgter Backwaren wurden fast 400 000 Hektar Ackerland beansprucht sowie Wasser, Energie, menschliche Arbeit und Rohstoffe, heißt es in der WWF-Studie. Für das weggeworfene Brot wurden fast 2,5 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen.

Überschüssiges Brot und Backwaren können zum Beispiel an gemeinnützige Einrichtung wie Tafelläden, an Foodsharing Initiativen oder zu Brotmehl vermahlen als Futtermittel an Landwirte weitergegeben werden. So kooperieren Bäckereien mit den deutschlandweit über 930 gemeinnützigen Tafeln. Außerdem engagieren sich in Deutschland inzwischen über 41 000 Foodsaver gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Oft ist das Angebot an gespendeten Backwaren größer als die Nachfrage.

Altes Brot kann aber auch zur Herstellung von Paniermehl, neuem Brotteig in Form von eingeweichten Bröseln oder Brotsirup verwendet werden sowie als Bestandteil von Rezepten wie Brotsuppe, Semmelknödel oder Quiche. (GEA)

»ARME RITTER«-REZEPT

Um hartes Brot zu verwerten, gibt es zahlreiche gute Rezepte. Ein Klassiker neben Semmelknödel und Semmelbrösel für Panaden sind »Arme Ritter«. Dafür werden altbackene Brötchen oder Weißbrot in acht Scheiben geschnitten und mit einer Mischung aus einem Liter Milch, zwei Eiern, einem Esslöffel Zucker und einer Prise Salz übergossen. Anschließend werden die eingeweichten Brotscheiben von beiden Seiten goldbraun gebraten. (GEA)