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Lob und Kritik für Palmers Einmischung auf Spielplatz

Boris Palmer hat mit seinem Posting auf Facebook eine Debatte entfacht. Viele Menschen unterstützen ihn, doch es gibt auch Kritik. Der OB verteidigt sich.

Oberbürgermeister Boris Palmer
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Foto: Christoph Soeder/Archivbild
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Foto: Christoph Soeder/Archivbild

TÜBINGEN. Boris Palmer hat sich am Wochenende in die Erziehung eines Migranten-Paars eingemischt. Darf er das? 1442 Leser sind der Meinung, er darf. Das hat eine nichtrepräsentative Umfrage auf der Website des Reutlinger General-Anzeigers ergeben (Stand 17.38 Uhr). Nur 248 Personen sagen, Erziehung ist Privatsache, während 78 das Thema völlig egal ist. Auch auf den Facebook-Seiten von GEA und Palmer erhält der Tübinger Oberbürgermeister, der sonst viel Kritik einstecken muss, großen Zuspruch für sein Einschreiten.

Weil ein mutmaßlich muslimischer Vater sein etwa zwei Jahre altes Kind, das in einem sogenannten Vogelnest lag, am Samstag auf einem Tübinger Spielplatz zu lange schreien ließ, ging der Grünen-Politiker dazwischen. Im Internet schilderte er die Situation und unterstellte den Eltern, das Kind mithilfe Schwarzer Pädagogik, einer Erziehungsmethode, die mit Gewalt und Einschüchterung arbeitet, erziehen zu wollen.

Viele loben Palmers Zivilcourage und wünschen sich, dass mehr Menschen so handeln würden. »Für mich hat der OB Palmer Zivilcourage im Gegensatz zu den Nörglern hier in Fratzebuck«, schreibt etwa Holger Perini bei Facebook. Unterstützung bekommt Palmer auch von der Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze: »Wir brauchen Aufklärung und beherztes Eingreifen, damit Alternativen in der Erziehung aufgezeigt werden«, sagt sie der Deutschen Presseagentur (dpa).

Kritik hagelt es dagegen von der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD): »Dem Typen ist echt nicht mehr zu helfen. Hätte Angst um unsere Kinder, wenn Leute wie Palmer sie erzögen«, twittert sie. Viele Leser, darunter auch Achim Müller, bemängeln die Nennung des Kopftuches. Damit sei Palmer der Applaus der rechten Szene sicher.

Der OB selbst äußert sich auf GEA-Anfrage nicht zu der Debatte und seinem Posting. Zu dem Beitrag dieser Zeitung schreibt er auf Facebook lediglich: »Ich habe als Vater eingegriffen, nicht als «Hilfssherif». Weder habe ich meine Position erwähnt noch daraus Rechte abgeleitet.« Gegenüber der dpa verteidigt er sein Handeln: »Ich bin mir ziemlich sicher, dass man Eltern, die wenige Jahre hier leben, erklären muss, wie Erziehung bei uns funktioniert.« (GEA)

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