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Eltern lassen Kind schreien: Hilfssheriff Palmer schreitet ein

Er hat es wieder getan. Nachdem Boris Palmer in der Vergangenheit schon mehrfach als Hilfssheriff im Einsatz war, mischt er sich am Wochenende in die Erziehung eines muslimischen Pärchens ein. Sein Posting auf Facebook sorgt für Aufregung.

Absteiger: Boris Palmer wurde am Sonntag nur noch von sechs Wählern auf den Stimmzettel geschrieben, 2011 waren es 20. FOTO: DPA
Absteiger: Boris Palmer wurde am Sonntag nur noch von sechs Wählern auf den Stimmzettel geschrieben, 2011 waren es 20. FOTO: DPA
Absteiger: Boris Palmer wurde am Sonntag nur noch von sechs Wählern auf den Stimmzettel geschrieben, 2011 waren es 20. FOTO: DPA

TÜBINGEN. Im Mai will Boris Palmer fasten. Einen Monat lang wird seine Facebook-Chronik leer bleiben. Fast undenkbar, schließlich läuft Tübingens Oberbürgermeister im sozialen Netzwerk aktuell immer wieder zur Höchstform auf. Sprayer, Bauverweigerer, Spielplatz-Verschmutzer - alle bekommen sie ihr Fett weg. Für besonders viele Diskussionen hat am Wochenende das Thema »Schwarze Pädagogik auf dem Spielplatz« gesorgt. Es ist ein Posting, das so gut wie alles enthält, was auf Facebook benötigt wird, um für Aufregung zu sorgen: Nazivergleich, Religion, eine Mutter im schwarzen Kopftuch und Umhang, ein schreiendes Kind auf dem Spielplatz, sein grummelnder Vater, der seine Zigarette dort ausdrückt - und natürlich Boris Palmer.

Auf einem Tübinger Spielplatz beobachtet er, »wie ein höchstens zweijähriger Junge in ein Vogelnest gelegt und dort gelassen wird, obwohl er heult«, schreibt der Rathauschef auf Facebook. Weil der Vater immer mehr Schwung gibt, die Mutter mit Kopftuch nur zuschaut und das Kind laut Palmer den ganzen Platz zusammenschreit, geht der OB dazwischen und fordert den Vater auf, damit aufzuhören.

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Als Schwarze Pädagogik bezeichnet Palmer das Vorgehen der Eltern. Er wirft ihnen vor, ihr Kind mit dieser Erziehungsmethode, die mit Gewalt und Einschüchterung arbeitet, zu harten Männern erziehen zu wollen. Die Nazis hätten das auch so gemacht und in Afghanistan und Saudi-Arabien hätten sie auch noch eine andere Vorstellung von Pädagogik und Männlichkeit, schreibt Palmer.

Sein Posting wurde mehr als 700-mal kommentiert und knapp 50-mal geteilt. Viele geben dem OB recht und loben ihn für sein Einschreiten, während andere kritisieren, die Herkunft der Eltern spiele keine Rolle. Palmer dagegen verteidigt die Nennung des Kopftuchs: »Hätte ich das verschwiegen, wäre der Anteil derer, die für Intervention plädieren viel höher.« Eine interessante These. Tatsächlich wäre es spannend zu wissen, wie viele Facebook-Kommentatoren das Einmischen in die Erziehung beklatschen würden, wenn Palmer die Herkunft der Eltern für sich behalten hätte. (GEA)