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Aktuell Protest

Kundgebung gegen den weltweiten Rassismus auf dem Tübinger Holzmarkt

3000 Menschen demonstrierten auf dem Holzmarkt gegen Rassismus.
3000 Menschen demonstrierten auf dem Holzmarkt gegen Rassismus. Foto: Michael Sturm
3000 Menschen demonstrierten auf dem Holzmarkt gegen Rassismus.
Foto: Michael Sturm

TÜBINGEN. Allen Abstandsregeln zum Trotz: Der Tübinger Holzmarkt war am Samstag voller Menschen – gut 3 000 kamen zur Kundgebung des Bündnisses Black Visions and Voices. Sie brachten ihr Entsetzen über den qualvollen Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd zum Ausdruck. Er war am 25. Mai in der amerikanischen Großstadt Minneapolis am Boden liegend erstickt, nachdem ihm ein Polizist sein Knie gegen den Hals gedrückt hatte.

»Mit der Kundgebung wollen wir die Aufmerksamkeit auf die Einzelfälle richten«, sagte Organisator Fars Andeghergis. Etwa auf den Tod des asylsuchenden Oury Jallow 2005 in Dessau-Roßlau im Bundesland Sachsen-Anhalt – der aus Sierra Leone stammende Mann starb ebenfalls in Polizeigewahrsam.

Das Bündnis Black Visions and Voices entstand 2017 als Initiative einzelner Personen, um die bislang stark gespaltene Gemeinschaft der Menschen mit dunkler Hautfarbe zu bündeln, sagte Andeghergis. Das Bündnis will auf den alltäglichen Rassismus hierzulande aufmerksam machen. »Viele von uns erleben Rassismus im Alltag, an der Uni, auf der Straße. In Bemerkungen oder bei der Suche nach Arbeitsplätzen oder Wohnungen.«

Malik Gai schloss sich dem Bündnis vor über einem Jahr an. Er lebt seit vier Jahren in Tübingen, arbeitet als Koch. Er gehörte zu denjenigen dunkelhäutigen Männern, die nach einer Vergewaltigung in Tübingen aufgrund ihrer Hautfarbe zu den Verdächtigten gehörten und eine DNA-Probe abgeben mussten. »Das ist systemischer Rassismus«, sagte Gai. Zum Tod George Floyds sagte er: »Ich kann diese Bilder nicht mehr sehen!«

Die letzten Worte George Floyds – »I can’t breathe!« (ich bekomme keine Luft) – wurden auch in Tübingen mehrfach von der Menge gerufen. »Diese Worte gehen einem nicht aus dem Kopf«, sagte der Grüne Bundestagsabgeordnete Chris Kühn. Sehr berührend war der Auftritt von Barig Nalbantian. Die amerikanische Sängerin mit armenischen Wurzeln wählte »Somewhere (There’s A Place For Us)« aus dem Musical Westside Story, »denn es ist ebenso traurig wie hoffnungsvoll.«

Der Kundgebung schloss sich eine spontane, friedliche Demonstration an, die durch die Neckargasse bis zum Zinserdreieck führte. (mac)