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Alkoholverbot in Tübinger Altstadt: Polizei räumt Alten Botanischen Garten

Seit gestern gilt in der Tübinger Altstadt ein Alkoholverbot zwischen 22 und 4 Uhr. Die Polizei war mit verstärkten Kräften vor Ort, um die Einhaltung des Verbots in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu kontrollieren. Viele junge Leute wichen jedoch auf Plätze aus, auf denen kein Alkoholverbot gilt. Kurz nach Mitternacht eskalierte die Situation im Bota.

Der Alte Botanische Garten in Tübingen am Mittwochabend.
Der Alte Botanische Garten in Tübingen am Mittwochabend. Foto: Andreas Straub
Der Alte Botanische Garten in Tübingen am Mittwochabend.
Foto: Andreas Straub

TÜBINGEN. Am vergangenen Wochenende war es abends und nachts zu großen Menschenansammlungen vor allem auf dem Tübinger Holzmarkt gekommen. Zumeist junge Leute hatten sich dort getroffen und Alkohol getrunken. Da die gastronomischen Betriebe wegen der Corona-Sperrstunde um 21 Uhr schließen mussten, fanden viele kleine Open-Air-Partys statt. Die Polizei hatte den Holmarkt am Freitag- wie am Samstagabend schließlich räumen müssen. »Das war ein einziger, riesiger, kollektiver Corona-Verstoß«, sagte eine Polizeisprecherin auf GEA-Anfrage am Montag. Die Stadt Tübingen verhängte daraufhin ein Alkoholverbot zwischen 22 und 4 Uhr in der Innenstadt außerhalb der Gastro.

Im Bereich Holzmarkt hielten sich gestern dann gegen 21 Uhr rund 250 Personen auf, sagt der Polizeiführer vom Dienst (PvD). Diese habe man ab 21.30 Uhr auf das bald eintretende Verbot hingewiesen. Viele hätten sich einsichtig und kooperativ gezeigt, und seien auch gegangen. Wer blieb, der wurde gegen 22 Uhr dann nochmal zum Verlassen des Platzes aufgefordert.

»Starker Zulauf« im Alten Botanischen Garten

Problematisch wurde die Situation dann, weil viele junge Leute auf Plätze auswichen, die vom Alkoholverbot ab 22 Uhr nicht betroffen sind. Viele gingen beispielsweise in den Alten Botanischen Garten, so der PvD. Dort hätten Polizeibeamte zunächst rund 300 Personen festgestellt, dann sei die Zahl im Verlauf des Abends auf rund 600 angewachsen. Die Regeln der Corona-Verordnung - Abstandsregel und Kontaktbeschränkungen - seien teilweise nicht eingehalten worden. Es kam auch zu Ruhestörungen. »Es waren dann einfach zu viele Personen«, so der PvD. Gegen 1 Uhr nachts hätten die Polizisten die Feiernden zunächst mit Lautsprecherdurchsagen zum Verlassen des Parks aufgefordert. Einige kamen dem nach, andere nicht. Schließlich wurde der Alte Botanische Garten geräumt. Dabei kam es zu einem Flaschenwurf in Richtung der Einsatzkräfte. Außerdem kam es zu Körperverletzungsdelikten unter den Feiernden. 

Nicht alle Personen waren aus der Innenstadt in den Alten Botanischen Garten ausgewichen. Auch im Bereich der Uhlandstraße und der Platanenallee kam es zu kleineren Ansammlungen. Gegen 23.45 Uhr kam es auf der Uhlandstraße/Höhe Anlagensee zum Streit zwischen zwei Personengruppen. Dabei wurden drei junge Männer durch Glasflaschen am Kopf verletzt, so die Polizei. Alle Verletzten mussten in einer Klinik behandelt werden. Gegenüber den anderen noch anwesenden Personen wurden daraufhin Platzverweise ausgesprochen. Drei junge Männer im Alter zwischen 16 und 18 Jahren widersetzten sich dem Platzverweis und leisteten Widerstand. Bei einem darauffolgenden Gerangel wurde ein Polizeibeamter leicht verletzt. 

Die Treppe an der Stiftskirche Tübingen ist als Outdoor-Trinking-Treffpunkt unter jungen Menschen sehr beliebt.  FOTOS: PIETH
Die Treppe an der Stiftskirche Tübingen ist als Outdoor-Trinking-Treffpunkt unter jungen Menschen sehr beliebt. Hier ein Bild aus dem Sommer 2020. Foto: Frank Pieth
Die Treppe an der Stiftskirche Tübingen ist als Outdoor-Trinking-Treffpunkt unter jungen Menschen sehr beliebt. Hier ein Bild aus dem Sommer 2020.
Foto: Frank Pieth

Dass sich junge Leute an bestimmten Innenstadt-Plätzen treffen, ist für Tübingen kein neues Phänomen. Schon in Vor-Corona-Zeiten hatte es vor allem an Wochenenden große Ansammlungen im Bereich Holzmarkt gegeben. Das hatte immer wieder zu Ärger mit den Anwohnern geführt. Da gastronomische Betriebe und auch Clubs damals aber geöffnet hatten, hatten sich die jungen Menschen - vor allem ab einer bestimmten Uhrzeit - mehr verteilt.

OB Palmer hatte Aufhebung der Corona-Sperrstunde gefordert 

Im Angesicht der Menschenansammlungen in Tübingen und der Randale in Stuttgart am vergangenen Wochenende hatte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer gemeinsam mit anderen Stadtoberhäuptern eine Aufhebung der Corona-Sperrstunde für die Gastro gefordert: »Die Schließung der Gastronomie reduziert die soziale Kontrolle und fördert aggressive Zusammenballungen. Der Wirt erhebt Daten und kontrolliert den Ausschank. Ruhigeres Publikum verlässt wegen der Schließzeit die Stadt schon um neun. Wer bleibt, bringt den Alkohol selbst mit, und dabei verlieren offenbar allzu viele die Kontrolle. Daher sollten die frühabendliche Corona-Sperrstunde des Landes bald entfallen und die Schließzeiten der Gastronomie wieder in die Hoheit der Kommunen gestellt werden.«

Bleibt die Inzidenz weiterhin stabil niedrig, tritt am Samstag in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen der Öffnungsschritt 2 in Kraft. Dieser erlaubt Gastronomen, zunächst bis 22 Uhr zu öffnen. (GEA)