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Handarbeit von A bis Z

ZmS-Reporterin Jana Heinzelmann ist zu nachtschlafender Zeit ausgerückt, um einen Arbeitstag in der Hohensteiner Bäckerei Raach hautnah mitzuerleben.

Brezeln schlingen kurz nach Mitternacht: Bäcker müssen zu ungewöhnlichen Zeiten fit sein.
Brezeln schlingen kurz nach Mitternacht: Bäcker müssen zu ungewöhnlichen Zeiten fit sein. Foto: Gea
Brezeln schlingen kurz nach Mitternacht: Bäcker müssen zu ungewöhnlichen Zeiten fit sein.
Foto: Gea

HOHENSTEIN. Es war Samstagnacht kurz nach 0 Uhr, als mein Wecker klingelte und ich aufstand. In Windeseile machte ich mich auf, um in die Backstube von Wilfried Raach zu kommen. Dort wollte ich live vor Ort erleben, wie der tägliche Ablauf von Wilfried Raach, der in Oberstetten eine kleine Bäckerei mit Café bereits in dritter Generation fortführt, vonstatten geht. Und das Ganze natürlich noch in echter Handarbeit. Hier gibt es noch keine Fertigprodukte oder Aufbackwaren.

Als ich dort ankam, waren Wilfried Raach und seine Mitarbeiter schon vor Ort, da am Samstag die Backstube bereits ab 0.30 Uhr in Betrieb ist. Unter der Woche wird erst um 3.30 Uhr angefangen. Beide Öfen waren bereits im Dauereinsatz, um die Backwaren, die alle in Handarbeit gefertigt werden, zu backen. Obwohl die Bäckerei ein kleiner Betrieb ist, werden hier jeden Tag viele verschiedene Backwaren hergestellt: Brezeln, verschiedene Brotsorten, Körnerwecken, süße Stückchen, Kuchen, Torten und vieles mehr. Alles kann man dann bereits ab 5.30 Uhr im Verkaufsladen, in dem es auch noch Zeitschriften und diverse Lebensmittel gibt, erwerben.

Frisches Gebäck zum Frühstück? In Oberstetten machen das Bäcker Wilfried Raach und seine Mitarbeiter möglich.   FOTOS: ZMS
Frisches Gebäck zum Frühstück? In Oberstetten machen das Bäcker Wilfried Raach und seine Mitarbeiter möglich. FOTOS: ZMS Foto: Gea
Frisches Gebäck zum Frühstück? In Oberstetten machen das Bäcker Wilfried Raach und seine Mitarbeiter möglich. FOTOS: ZMS
Foto: Gea

In dieser Nacht durfte ich, natürlich unter strengen hygienischen Sicherheitsvorkehrungen, vor Ort zusehen, wie sämtliche Backwaren und Brezeln von Hand geknetet, verarbeitet und gefertigt werden. Blech für Blech wanderte aus den Händen des eingespielten Teams in den Backofen. Die Teigmaschinen kneten pausenlos.

Personalnot in der Branche

Als dann um 5 Uhr die ersten Verkäuferinnen kamen, hatten diese alle Hände voll zu tun, um die Körbe und Regale mit frischen Backwaren zu befüllen. Samstags sind immer drei vor Ort, um den großen Ansturm zu bewältigen. Ich staunte nicht schlecht, als die ersten Kunden bereits um 5.30 Uhr im Laden standen – und das am Samstagmorgen. So konnte ich miterleben, wie die Produkte infolge der großen Nachfrage ständig wieder nachgefüllt werden mussten. Und auch ansonsten gab es für die Verkäuferinnen keine Verschnaufpause.

Leider hat auch Wilfried Raach ständig mit Personalengpässen zu kämpfen. Die frühen Arbeitszeiten in der Bäckerbranche schrecken viele bei der Berufswahl ab. Die regulären Arbeitszeiten sind von Montag bis Freitag von 3.30 bis 12.30 Uhr und samstags von 0.30 bis 9.30 Uhr.

Zudem gibt es für Wilfried Raach und sein Team des Öfteren Sonderschichten. Sei es eine Veranstaltung am Samstag, ein größeres Fest am Wochenende, Mutscheltag, St. Martinsumzug und vieles mehr: Alle diese Zusatztermine nimmt Wilfried Raach gerne auf sich, da ihm seine Arbeit sehr viel Freude bereitet. Auch wir freuen uns über einen so tollen Handwerksbetrieb in der Gemeinde und hoffen, dass er seine Bäckerei noch lange aufrechterhält.

Gegen 7 Uhr ging meine »Nachtschicht« zu Ende. Völlig erschöpft, doch mit sehr vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen ging ich nach Hause. Ich bin beeindruckt und dankbar für die Arbeit der Bäcker, die Nacht für Nacht dafür sorgen, dass wir morgens pünktlich unser Brot und andere Leckereien kaufen können. (ZmS)

 

Jana Heinzelmann, Gymnasium Gammertingen, Klasse 10c

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