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»Hartes Jahr« wird in Gammertingen vorerst verschoben

Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer und Mittel des Bundes lindern Not in Gammertingen.

Hohe Gewerbesteuern sorgen in Gammertingen für eine schöne Bescherung.  FOTO: WURSTER
Hohe Gewerbesteuern sorgen in Gammertingen für eine schöne Bescherung. FOTO: WURSTER
Hohe Gewerbesteuern sorgen in Gammertingen für eine schöne Bescherung. FOTO: WURSTER

GAMMERTINGEN. Kämmerer Siegfried Hagg hatte bereits Ende vergangenen Jahres vor »harten Zeiten« gewarnt. Eigentlich könnte er dasselbe jetzt wieder sagen, meinte er bei der Vorstellung der Eckdaten für den Haushaltsplan 2026. Allerdings konnte er die harten Jahre nach hinten verschieben, 2025 wird Gammertingen Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer einfahren. Satte 7,2 Millionen werden es wohl sein, zum Vergleich: Über lange Jahre musste die Lauchertstadt mit um die 2 Millionen Euro auskommen, in den starken Jahren 2023 und 2024 stieg das Aufkommen dann auf 3,8 beziehungsweise 4,8 Millionen Euro. Schon 2024 hat sich Gammertingen auf Platz 5 im Ranking der Steuerkraft pro Einwohner im Landkreis vorgeschoben, auf die Tabelle für das Jahr 2025 darf man gespannt sein.

4,1 Millionen Euro vom Bund

Hagg warnte trotzdem die Gemeinderäte vor allzu viel Begehrlichkeiten. Zum einen werden zwei Jahre versetzt die Zuweisungen aus dem Finanzausgleich eben wegen der Steuereinnahmen drastisch zurückgehen. Zum anderen hat die Stadt einiges an Investitionen vor sich. Und der Ergebnishaushalt muss zumindest in der Gegend der schwarzen Null gehalten werden: »Schulden für den laufenden Betrieb genehmigt die Kommunalaufsicht nicht.«

Was das Leben an der Lauchert auch leichter macht, sind 4,1 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur. »Eine tolle Unterstützung, die löst aber nicht die strukturellen Probleme«, mahnt der Kämmerer.

Das zeigt sich an der Entwicklung der ordentlichen Ergebnisse. 2025 ist mit 2,6 Millionen Euro im Plus ein Rekordjahr, 2026 rechnet Hagg aber mit einem Minus von 1,4 Millionen, 2027 sogar mit minus 2,7 Millionen Euro, 2029 erst könnten wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Der Vermögenshaushalt kann aus dem Ergebnishauhalt also nicht viel erwarten.

Dabei stehen in den kommenden Jahren große Projekte an: Die Sanierung der Alb-Lauchert-Schwimmhalle geht weiter, 1,5 Millionen Euro muss die Stadt nach Abzug aller Zuschüsse schultern. Die neue Drehleiter der Feuerwehr wird rund eine Million Euro kosten, für den Neubau eines Feuerwehrhauses in Feldhausen rechnet Hagg mit 1,5 Millionen Euro. Der Glasfaserausbau wird das Stadtsäckel mit 2,8 Millionen Euro bis 2028 belasten. Und für die Erschließung des Baugrunds für den Neubau des Städtischen Altenpflegeheims St. Elisabeth hat Hagg 1,3 Millionen Euro eingestellt plus einer Aufstockung des Eigenkapitals an diesem städtischen Betrieb um 2,5 Millionen Euro. Das dürfte diejenigen Bürger beruhigen, die ein Aus des Projekts befürchten.

Bauplätze stehen auch auf dem Investitionsprogramm, die Erschließung des Gebiets Raite wird mit 2,7 Millionen Euro veranschlagt, aber das Geld fließt nach Verkäufen ja wieder zurück.

Warnung vor Begehrlichkeiten

Mit diesen Eckdaten als Grundlage werden die Gemeinderäte sich zur Beratung zurückziehen, am 20. Januar wird der Haushalt dann öffentlich beraten und gegebenenfalls verabschiedet.

Mit Blick auf die kommenden Jahre gibt Hagg den Räten mit auf den Weg, den Ergebnishaushalt durch dauerhafte Einsparungen und, soweit möglich, eine Erhöhung der Einnahmen zu verbessern. Er schlägt eine Arbeitsgruppe als »Haushaltskommission« vor und fordert, wie auch Bürgermeister Andreas Schmidt, bei Änderungsanträgen zum Haushalt mit Gegenfinanzierungsvorschlägen aufzuwarten. (wu)