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Das »Traumfinale« der EM: England gegen Italien

England gegen Italien. Das Finale der Fußball-EM verspricht, ein großes Spiel zu werden. Die Engländer setzen insbesondere auf die Unterstützung in Wembley. Aber hilft es den Three Lions wirklich, wenn gnadenlos gegen die Italiener gepfiffen wird?

Chiellini und Bonucci
Giorgio Chiellini (l) und Leonardo Bonucci sind Italiens Helden in der Abwehr. Foto: Simone Arveda/ANSA/dpa
Giorgio Chiellini (l) und Leonardo Bonucci sind Italiens Helden in der Abwehr. Foto: Simone Arveda/ANSA/dpa

LODNON. Die Engländer entspannten sich bei einer lockeren Partie Basketball, die Italiener genossen die Vorzüge des heimischen Trainingsplatzes in Florenz. Und in London fiebern schon heute Zehntausende Fans dem nervenaufreibenden Finale im Fußball-Tempel Wembley entgegen.

»Jetzt steht das bevor, wovon wir seit drei Jahren träumen«, sagte der italienische Abwehrchef Giorgio Chiellini. Englands Stürmerstar Harry Kane hielt vor dem ersten englischen EM-Endspiel am Sonntag (21.00 Uhr) dagegen: »Jetzt wollen wir Geschichte schreiben.«

Top-Teams des Turniers

England gegen Italien. Diese Europameisterschaft bekommt ein würdiges Finale. »Es wird von beiden Seiten das beste Spektakel für den europäischen Fußball«, sagte Leonardo Bonucci zwei Tage vor dem Spiel. Seine Squadra Azzurra hatte bislang mit unbändigem Kraftfußball und größtmöglichem Willen begeistert. Die Three Lions steigerten sich getragen von ihren Fans in Wembley von Spiel zu Spiel - und beendeten mit dem Achtelfinalsieg gegen Deutschland sogar ein nationales Trauma. Nach dem Halbfinal-Erfolg gegen Dänemark wurden in England Sonderausgaben der Zeitungen zum Einrahmen im heimischen Wohnzimmer veröffentlicht.

»Es sind die beiden besten Mannschaften des Turniers«, sagte der frühere Nationalspieler Michael Ballack dem »Sportbuzzer«. Der heute 44-Jährige kennt das Gefühl, große Spiele gegen Italien zu verlieren. Vor 15 Jahren weinte der einstige Kapitän der DFB-Auswahl bittere Tränen, als die Italiener im WM-Halbfinale 2006 das deutsche Sommermärchen beendet hatten. Wenige Tage später feierten die Azzurri in Berlin ihren letzten großen Titel. Bis Sonntag? 

Ballack erwartet ein »Traumfinale«

"Ich bedanke mich bei den Jungs, die vom ersten Moment daran geglaubt haben", sagte Nationaltrainer Roberto Mancini und kündigte an: "Es gibt noch etwas zu erledigen." Der 56-Jährige, der mit seinen Spielern am Samstagvormittag (11.00 Uhr) in Richtung London abhebt, wird auch im Finale auf sein eingespieltes und verschworenes Team setzen. In der Defensive spielt das Oldie-Duo Chiellini (36) und Leonardo Bonucci (34) ein überragendes Turnier. Offensiv übertrafen der frühere Dortmunder Ciro Immobile, Lorenzo Insigne, Federico Chiesa und Co. sämtliche Erwartungen. Ballack erwartet ein »Traumfinale«.

Und England? »Sie haben sich das Finale verdient, das ist der größte Test, den wir haben können«, sagte Nationaltrainer Gareth Southgate, der in seiner Heimat innerhalb kürzester Zeit zum Helden geworden ist. In London ist der offiziell umgedichtete Song der Band »Atomic Kitten« längst ein Hit. Aus »Baby, you're the one« (in etwa: Liebling, Du bist mein/e Auserwählte/r) wurde schlicht »Southgate, you're the one«. Gegrölt von Zehntausenden klingt das durchaus beeindruckend. »Es ist wundervoll, diese Gelegenheit zu haben«, sagte Southgate mit Blick auf das Heim-Finale.

Mit Mut gegen die Wembley-Atmosphäre

Wenn einer Mannschaft zugetraut wird, in der aufgeheizten und wegen der Corona-Pandemie fragwürdigen Wembley-Atmosphäre zu bestehen, dann aber den Italienern. Die Squadra Azzurra umgibt der Mythos, immer besser zu werden, je mehr die Zuschauer gegen sie sind. »Ohne Angst. Die Engländer leiden, darum können wir sie schlagen«, schrieb am Freitag die »Gazzetta dello Sport« und motivierte: »Nur Mut, in Wembley wie die Löwen. Italien kann es schaffen.«

Die Three Lions wollen das verhindern. Offen ist noch, ob Southgate wie gewohnt Kane ins Zentrum stellt, der im Halbfinale gegen Dänemark in der Verlängerung das entscheidende Tor erzielt hatte. Oder den Kapitän ein wenig zurückzieht, um ihn aus der Umklammerung der italienischen Innenverteidigung zu nehmen. Bonucci sprach am Freitag scherzhaft von einem Duell »jung gegen alt«. »Wir müssen auf ihre Schnelligkeit aufpassen, sie haben starke Spieler im eins gegen eins«, warnte er. Es gebe innerhalb der Mannschaft aber »keine Alibis. Es gibt keine Müdigkeit, wir denken nur daran zu spielen. Sonntag werden wir bereit sein, ihnen einen Kampf zu liefern.«

Mittelfeldspieler Marco Verratti warnte vor der »sehr physischen Mannschaft« der Engländer »mit technisch sehr guten Spielern«. Der 28-Jährige, von der »Gazzetta dello Sport« zwischenzeitlich als »Genie« geadelt, machte Hoffnung auf ein begeisterndes Fußball-Fest. »Alle werden ein großes Spiel machen, egal, ob von Beginn an oder nur eine Minute«, sagte er. »Das sind Momente, die man nicht noch einmal wiederholen kann. In dieser Partie werden alle bei 100 Prozent sein. Dieses Spiel muss man gewinnen, das wollen wir, das wollen sie.« Die Partie werde »historisch für eine der beiden Mannschaften«. (dpa)

Die voraussichtlichen Aufstellungen

ITALIEN: 21 Donnarumma - 2 Di Lorenzo, 19 Bonucci, 3 Chiellini, 13 Emerson - 18 Barella, 8 Jorginho, 6 Verratti - 14 Chiesa, 17 Immobile, 10 Insigne

ENGLAND: 1 Pickford - 2 Walker, 5 Stones, 6 Maguire, 3 Shaw - 14 Phillips, 4 Rice - 20 Foden, 19 Mount, 10 Sterling - 9 Kane

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)

Informationen zum Spiel

Der Weg ins Finale

Nationalverband Italiens

Nationalverband Englands