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Aktuell KOMMENTAR

Würdiges Endspiel der Fußball-EM

Gegensätze: Die Italiener feiern den Titelgewinn, Englands Keeper Jordan Pickford am Boden. FOTO: POTTS/DPA
Gegensätze: Die Italiener feiern den Titelgewinn, Englands Keeper Jordan Pickford am Boden. FOTO: POTTS/DPA
Gegensätze: Die Italiener feiern den Titelgewinn, Englands Keeper Jordan Pickford am Boden. FOTO: POTTS/DPA

Dass es sich bei dieser ersten und letzten paneuropäischen Endrunde um ein Ereignis mit Nachwirkungen handeln könnte, wird man vermutlich in erster Linie an den Infektionszahlen ablesen können. Es ist gut, dass es vorbei ist – und man kann nur hoffen, dass alles irgendwie im erträglichen Rahmen bleibt.

An der Idee von Michel Platini in Zeiten der Pandemie festzuhalten, ist und bleibt ein Fehler, den allein die Europäische Fußball-Union Uefa zu verantworten hat. Sportlich kam die Euro mit einem würdigen Finale ins Ziel, am Ende waren es diese beiden herausragenden Mannschaften, die aus Rückschlägen zielgerichtete Konsequenzen zogen, angeleitet von großen Trainerpersönlichkeiten aus einer stabilen Deckung heraus Offensivkraft, Fantasie und Dynamik entfalteten, die fast konkurrenzlos waren. In Erinnerung bleibt eine großartige dänische Mannschaft, die sich nach dem Schicksalsschlag um Christian Eriksen zu einem beeindruckenden Kraftakt aufraffte und am Ende nur wegen einer Fehlentscheidung eines Schiedsrichters aus dem Turnier schied.

Dass für die deutsche Nationalmannschaft in diesem Konzert kein Platz mehr ist, ist ausreichend geschildert und kommentiert worden. Trotzdem bleibt der Abstand zur Elite bemerkenswert. Weltweit gab es noch nicht einmal Bedauern über das erneute, aber letztmalige Scheitern von Joachim Löw, weil es alles irgendwie absehbar war.

Die hohe Zahl der Eigentore, vergleichsweise wenig Treffer, die aus Standards resultierten, erfolgreich waren letztendlich die Mannschaften, die über ein klares Konzept, eine gute Organisation, großen Zusammenhalt und wahren Teamspirit verfügten. Dass einige Länder auch ihre Verbandsapparate neu strukturierten, bewusst auch ausländische Expertise zugelassen haben, all das sind Hinweise, die man hierzulande vielleicht Ernst nehmen sollte.

Um nicht der Gefahr zu unterliegen, weiter nach alten Mustern zu operieren und nochmals ins Verderben zu rennen. Tief greifende Analysen der wissenschaftsfundierten neuen Akademie des Deutschen Fußball-Bundes können dabei vielleicht helfen, die allein selig machende Gnade wird der Think Tank in Niederrad nicht sein. Es wird auch weiterhin auf die Akteure ankommen, auf dem Spielfeld, am Spielfeldrand und in der Organisation durch den Verband. Korrekturen sind weiter angesagt. Auf allen Ebenen.

 

christoph.fischer@gea.de