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Wenn Bäume die Motten kriegen: Was tun gegen die Apfelbaumgespinstmotte

Die Gespinstmotte hat Apfelbäume so gern, dass sie sie einspinnt und kahl frisst. FOTO: LRA
Die Gespinstmotte hat Apfelbäume so gern, dass sie sie einspinnt und kahl frisst. FOTO: LRA
Die Gespinstmotte hat Apfelbäume so gern, dass sie sie einspinnt und kahl frisst. FOTO: LRA

REUTLINGEN. Die Apfelbaumgespinstmotte ist in den Vorjahren vielerorts auf den Streuobstwiesen in Erscheinung getreten: die gefräßigen Raupen bilden Gespinste, die in den Bäume bei starkem Befall die komplette belaubte Baumkrone einspinnen. Das Laub und Blüten werden gefressen, die Bäume werden geschwächt und der Fruchtertrag zerstört.

Noch sind die jungen Raupen verdeckelt im Eigelege. Dieses verlassen sie vor Blütezeit der Apfelbäume. Nach knapp zwei Monaten zunehmenden Blattfraßes gehen die Raupen in die Verpuppung und schlüpfen nach wenigen Tagen als kleine weiße Schmetterlinge mit schwarzen Punkten. Die Falter legen die Eier für das Folgejahr an glatten jungen Trieben der Apfelbäume ab, die Eigelege sind grau, etwa 3-5 mm im Durchmesser und schwierig zu erkennen. Bereits im Oktober schlüpfen die Räupchen und überwintern im Schutz der Hülle des Eigeleges.

Für die Bäume ist der Blattverlust, den sie durch den Fraß gleich nach dem Austrieb erleiden, eine große Belastung. Sie müssen Reservestoffe aktivieren und noch einmal austreiben und Blätter bilden. Jedoch sind die meisten Bäume auf unseren Streuobstwiesen lange nicht mehr gedüngt worden, sie hatten Stressbelastung durch Dürrejahre und den meisten fehlt der pflegliche Schnitt. So zeigen die »vergreisten« Bäume zumeist wenig Triebwachstum, haben wenig Reserve und mancher Baum schafft den zweiten Austrieb nicht mehr. Die sehr hohe Befallsdichte und der verbreitet starke Befall bestehen nun schon einige Jahre.

Eine Bekämpfung kann sehr gut und nützlingsschonend erfolgen durch den Einsatz von »Bacillus thuringiensis«(BT). Dieser biologische Wirkstoff wird mit dem Blattfraß von Raupen aufgenommen und bewirkt einen zügigen Fraßstopp. Er ist für Vögel, die die Raupen fressen und andere Tiere und Lebewesen völlig ungefährlich. Pflanzenschutzmittel für den Obstbau mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis sind in Fachmärkten erhältlich. 

Jedoch ist er nur in den jungen Larvenstadien der Apfelgespinstmotten-Raupen wirksam. Die jungen Raupen sind dann noch sehr klein und bilden noch kein Gespinst. Die etwa 3mm großen Tiere oder ihre punktförmigen Schabefraß-Spuren müssen zwischen den sich entfaltenden Laubblättern und Blüten erst einmal gefunden werden. Bei starkem letztjährigem Befall wird eine Pflanzenschutzmaßnahme empfohlen.

Der günstigste Zeitpunkt für Kontrolle und eine frühe Bekämpfung ist das Entwicklungsstadium »Rote Knospe«: erste Laubblätter sind entfaltet und an einzelnen Blütenknospen sind zwischen den grünen Kelchblättern rot gefärbte Blütenblätter deutlich zu sehen. Dies dürfte ja nach Lage des Grundstückes und Witterungsentwicklung innerhalb der nächsten 14 Tage der Fall sein.

Der Wirkstoff BT sollte dann zu Beginn einer Schönwetterperiode mit Temperaturen über 12 Grad Celsius  ausgebracht werden, damit die Raupen auch fraß-aktiv sind. BT ist nicht UV-stabil und wird innerhalb von wenigen Tagen durch das Sonnenlicht abgebaut. 

Bei Bedarf an Dienstleistern für die Pflanzenschutz-Behandlung kann die Grünflächenberatungsstelle am Landratsamt interessierten Mitbürger den Kontakt zu sachkundigen  Pflanzenschutzanwendern im Obstbaubereich herstellen. (pm)

Kontakt:

E-Mail: gruenflaechenberatung@kreis-reutlingen.de

Tel.: 07121 - 480 3327 (Mo, Di und Fr von 9 - 12 Uhr, Do von 14 - 17:30 Uhr)