REUTLINGEN. »Gemeinsam Zukunft gestalten«: So lautet das Motto der Kundgebung, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nach zwei Jahren Corona-Pause wieder am 1. Mai ab 11 Uhr in Reutlingen ausrichtet. Als Hauptrednerin wird am Sonntagvormittag Christine Behle, stellvertretende Verdi-Vorsitzende, zu den Arbeitnehmern sprechen. Erstmals findet auch eine Talkrunde mit Betriebsräten auf dem Marktplatz statt.
Eigentlich ist es in jüngster Zeit für die Gewerkschaften ja ganz gut gelaufen: Der Mindestlohn wurde auf zwölf Euro erhöht und Arbeitslosigkeit sowie Beschäftigungsverluste konnten trotz Corona gering gehalten werden: »Die Pandemie wird uns aber voraussichtlich weiter beschäftigen«, so Tanja Silvana Nitschke von der IG-Metall Reutlingen-Tübingen, »und jetzt kommen als weitere Herausforderung der Ukraine-Krieg und steigende Energiekosten dazu«. Dass die Gewerkschaften DGB, IG-Metall und Verdi auch zukünftig Themen wie den Kampf gegen die zunehmende Altersarmut, Qualifizierung in den Betrieben und die Sicherung von Arbeitsplätzen auf ihre Agenda setzen, daran lassen DGB-Kreisvorsitzender Matteo Scacciante, die DGB-Regionsgeschäftsführerin Kerstin Pätzold und Tanja Silvana Nitschke beim Pressegespräch zur 1.-Mai-Kundgebung keinen Zweifel: »Die Arbeitswelt ändert sich rasant und diesen Wandel wollen wir gemeinsam angehen«, so Nitschke.
Mangel im Gesundheitswesen
Ein weiteres Thema, das bei der erstmals ausgerichteten Talkrunde mit den Personalräten Matteo Scacciante (DGB), Maximilian Berg (Verdi) und Matthias Gruner (GEW) diskutiert wird, ist der eklatante Mangel im Gesundheitsbereich sowie bei Erzieherinnen und Lehrkräften. Manfred Schechinger führt aus, dass die Schülerzahlen bis 2030 stetig ansteigen werden: »Laut der Modellrechnung des Kultusministeriums aus dem Jahr 2019 müssen vom Land bis 2030 über 10 500 neue Lehrerstellen geschaffen werden, um mit der Entwicklung der Schülerzahlen Stand halten zu können«, so der Pressebeauftragte des GEW-Kreises Reutlingen/Tübingen. Auch den rund 4 000 befristet Beschäftigten in den Schulen des Landes müsse neben einer besseren Bezahlung »unbedingt eine Perspektive geboten werden«.
Diesen und anderen Forderungen soll bei der Talkrunde und der Kundgebung auf dem Marktplatz Nachdruck verliehen werden. Als Hauptrednerin wird die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle angekündigt. Schwerpunkte ihrer Rede werden der Fachkräftemangel und die Nachwuchsgewinnung bei den Erzieherinnen und im Jugendhilfebereich sein, wie Madelaine Glaser, die stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin Verdi Fils-Neckar-Alb, berichtet. Außerdem hat sich Oberbürgermeister Thomas Keck für ein Grußwort angekündigt.
Matteo Scacciante verspricht jedenfalls »ein schönes Volksfest«, das an die die 1. Maifeiern vor 2020 anknüpfen soll und nach der Kundgebung um 11 Uhr über die Bühne geht: So wird die Rockband Squeezed ab 14 Uhr aufspielen, Spezialitäten von italienischen und serbischen Vereinen runden das Angebot ab.
Die Veranstalter der drittgrößten Mai-Kundgebung im Land, bei der mehr als 70 Ehrenamtliche mithelfen, erwarten zwischen 2 000 und 2 500 Teilnehmer und hoffen für den Tag der Arbeit, dass auch das Wetter mitspielt. (GEA)

