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Aktuell Protest

Warum die Samstags-Demos in Reutlingen zu Ende sind

Zu viele schwarz-weiß-rote Flaggen: Organisatoren melden keine Samstags-Demos mehr an

Tausende von Demonstranten waren zu den Hochzeiten der Protestbewegung in Reutlingen jeden Samstag unterwegs (hier Januar 2022).
Tausende von Demonstranten waren zu den Hochzeiten der Protestbewegung in Reutlingen jeden Samstag unterwegs (hier Januar 2022). FOTO: MEYER
Tausende von Demonstranten waren zu den Hochzeiten der Protestbewegung in Reutlingen jeden Samstag unterwegs (hier Januar 2022). FOTO: MEYER

REUTLINGEN. Seit Anfang 2021 trafen sich Unzufriedene samstags um 18 Uhr vor dem Tübinger Tor: Spätestens seit dem Polizeigroßeinsatz im Dezember 2021 galt Reutlingen dann als Hochburg der Gegner der Corona-Politik. In den Hochzeiten zogen allsamstaglich Tausende von Menschen durch die Stadt. Nach dem Ende der Corona-Beschränkungen verschoben sich die Parolen: Der Protest richtete sich zunehmend gegen Krieg, Massenmigration, Energiewende und grüne Politik.

Vergangenen Samstag wurde nun nach Angabe des Ordnungsamts erstmals keine Demonstration mehr angemeldet. Petra Nagel, Mitorganisatorin der Bewegung »Ich-Mach-da-nicht-mit«, erläutert auf GEA-Nachfrage Gründe: Das fünfköpfige Organisations-Team sei »müde« geworden nach zweieinhalb Jahren Demo-Organisation. Hauptgrund sei aber, dass zuletzt »zu viele schwarz-weiß-rote Reichsfahnen auf den Demonstrationen unterwegs« gewesen seien. Weil sich die Protestlerschar bei 300 bis 400 eingependelt habe, wurden die Fahnenträger zu dominant: Die Bewegung wurde »aufgerieben«, wie Nagel sagt. »Diese Demonstranten haben Anliegen, die nicht zu unseren passen.«

Die nicht verbotene Reichsfahne wird vermehrt von rechtsextremistischen Gruppen als Symbol genutzt. Vereinzelt wurden in der Vergangenheit auch Mitglieder der vom Landesverfassungsschutz als »rechtsextremistisch bis neonazistisch« eingeordnete Kleinstpartei »Der III. Weg« auf den Reutlinger Demos gesichtet. Dass extreme Rechte in maßgeblicher Zahl die Demos unterwandert hätten, dagegen hat sich die Protest-Bewegung in Reutlingen stets verwahrt. In der Hochzeit der Reutlinger Demos hatten Reichsfahnenträger sich an die Spitze des Zuges gesetzt, was die Organisatoren dann aber unterbunden hatten.

Weiter aktiv

Die Bewegung »Ich-mach-da-nicht-mit« will laut Nagel weiter aktiv bleiben, allerdings in geänderter Form. Das neue Projekt heißt im Arbeitstitel »Galerie der Wahrheit«. Dafür wolle man Pressemitteilungen zusammenstellen, etwa zum Thema Impfschäden. Mit Ausstellungen und Kundgebungen will man an die Öffentlichkeit gehen und dabei zum Beispiel Menschen zu Wort kommen lassen, die ihre körperliche Leiden auf die Corona-Impfung zurückführen oder wegen Impfverweigerung ihren Job verloben haben.

Das Ende der regelmäßigen Protestveranstaltung dürfte so manchen freuen. Innenstadtbewohner, aber auch Einzelhändler fühlten sich durch das friedliche, aber lautstarke Demonstrationsgeschehen zunehmend gestört. (igl)