REUTLINGEN/HECHINGEN. Mitte Oktober verschwand aus der Naldo-App von einem Tag auf den anderen die Möglichkeit, Handytickets zu kaufen. Wegen kurzfristiger technischer Probleme habe man die Funktion abschalten müssen, heißt es auf der Webseite des Verkehrsverbunds Neckar-Alb-Donau. Eine schnelle Lösung des Problems sei nicht möglich. Die Kunden sollen »Appwarten und Tee trinken«. Ein GEA-Leser wollte sich damit nicht zufriedengeben und wandte sich an die Redaktion mit einer einfachen Frage: »Wann kann man endlich wieder mobile Tickets in der Naldo-App kaufen?« Die Antwort fällt weniger einfach aus.
»Leider konnten wir den mobilen Ticketverkauf in der App nicht weiter betreiben«, erklärt Anne Lohmüller, Prokuristin beim Verkehrsverbund, auf GEA-Anfrage. Ursache war ein abgelaufenes Sicherheitszertifikat. Was zunächst nach einem überschaubaren technischen Defekt klingt, erwies sich als Sackgasse. Denn für die bestehende App besteht seit September 2023 kein vertraglicher Support mehr. »Eine Fehlerbehebung ist daher nicht möglich«, so Lohmüller. Erschwerend kam hinzu, dass Anwendung und Ticketmodul von zwei unterschiedlichen IT-Dienstleistern betrieben wurden.
Neustart der Naldo-App Anfang 2026
Zwar habe der bisherige Dienstleister nach dem offiziellen Supportende aus Kulanz noch kleinere Probleme behoben. Für den mobilen Verkauf galt das jedoch nicht mehr. »Der Einbau eines neuen Ticketmoduls ist aufgrund der geänderten Programmiersoftware nicht möglich«, erläutert Lohmüller. Auch eine Reparatur der bestehenden Funktion scheiterte – trotz intensiver Verhandlungen mit beiden beteiligten Unternehmen. Der Verkehrsverbund hatte gehofft, dass App und Ticketfunktion zumindest bis zum Start einer neuen Lösung durchhalten würden. »Uns ist bewusst, dass wir unseren Kundinnen und Kunden damit einiges zumuten«, sagt Lohmüller. Mehr als um Verständnis bitten könne man derzeit nicht.

Einen Neustart soll es »spätestens im Februar oder März« mit einer neuen App geben. Die neue Anwendung ist Teil einer landesweiten Lösung und entsteht in Zusammenarbeit mit der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart. Das ist auch der Grund für die Verzögerung: Die sogenannte Landes-App, auf der auch die neue Naldo-Version basiert, verschob sich auf Sommer 2025. Erst im Herbst konnte deshalb mit der konkreten Umsetzung begonnen werden. Nach eigenen Angaben wird Naldo der erste Verkehrsverbund in Baden-Württemberg sein, der diese neue App einführt.
Neuer Ticket-Shop muss komplett neu aufgebaut werden
Zum Start bietet die Anwendung allerdings zunächst nur Fahrplanauskünfte und Informationen. Der mobile Ticketverkauf soll erst im Sommer 2026 folgen. Ein genauer Termin steht noch nicht fest. Warum diese Funktion nicht von Beginn an integriert wird, erklärt Lohmüller so: »Wir haben aus den jahrelangen Problemen mit zwei verschiedenen IT-Dienstleistern gelernt.« Künftig sollen App und Ticketing bei einem einzigen Anbieter liegen. Der neue Verkauf müsse jedoch vollständig neu aufgebaut werden – und das brauche Zeit.
Ganz ohne digitale Alternativen müssen Fahrgäste dennoch nicht auskommen. Tagestickets können weiterhin online als Print@Home-Version gekauft werden. Der entsprechende Online-Shop unter tagestickets.naldo.de ist uneingeschränkt nutzbar. Zudem bleibt der klassische Vertrieb bestehen: Fahrscheine gibt es beim Busfahrer, an Automaten und in Vorverkaufsstellen.
DB-Navigator ist keine Alternative
Eine weitere Option ist CiCoBW, das landesweite E-Ticket-System des Verkehrsministeriums. Auf dieser Plattform wird der günstigste Fahrpreis automatisch berechnet. Tarifkenntnisse sind nicht erforderlich. Der Dienst ist über die bwegt-App, die VVS BWeit-App und die Fairtiq-App nutzbar.
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Keine Alternative ist hingegen der DB-Navigator der Deutschen Bahn. Anders als einige andere Verkehrsverbünde ist Naldo dort nicht integriert. Der Grund ist finanzieller Natur. »Die Deutsche Bahn verlangt umsatzabhängige Provisionszahlungen in einer Höhe, die wir bislang nicht bereit waren zu übernehmen«, sagt Lohmüller. Ob sich daran künftig etwas ändert, bleibt fraglich. In 2026 plant der Verkehrsverbund, gemeinsam mit seinen Gesellschaftern zu klären, ob der Naldo-Tarif für den DB-Navigator freigegeben wird – und wer die Kosten trägt. Erst danach könnte ein entsprechendes Projekt konkret geplant werden. (GEA)

