SICKENHAUSEN. Ziemlich peinlich, was den Sickenhäusern da vor Urzeiten unterlaufen ist: Anstatt auf Wölfe Jagd zu machen, taten sie das auf Misthaufen - und brauchten für Spott fortan nicht mehr zu sorgen. Wie’s kam? Laut Legende, weil Nebelschwanden über Feld und Flur waberten.
Wie so oft, hatten sich die Dorfbewohner wieder einmal aufgemacht, um ihre Äcker zu bestellen. Neben allerlei landwirtschaftlichem Gerät waren es auch Gewehre, die die mit sich führten. Denn damals gab es noch gefährliche Wildtiere im Reutlinger Nordraum: Wolfsrudel, die die Gegend unsicher machten.
Serie: Vernarrt in Fasnet
In der Serie »Vernarrt in Fasnet« stellt der GEA in loser Folge seine Hästräger aus den Reutlinger Bezirksgemeinden vor. Im Rahmen von Kurzporträts werden ortstypische Masken und ihre historischen Hintergründe beleuchtet. (GEA)
Nun, die fleißigen Leut’ gingen ihrer Arbeit nach, als sie plötzlich in der Ferne die Konturen grauer Gestalten wahrnahmen und darob nicht lange fackelten. Kurz entschlossen griffen sie zu den Waffen und schossen - piff, paff, puff - auf Isegrim und seine Gefährten. Nur, dass es eben keine Wölfe waren, die sie erlegten ...
Klar, dass sich die Kunde von diesem Irrtum wie ein Lauffeuer verbreitete. Von Generation zu Generation wurde sie kolportiert und hielt anno 1990 Einzug ins lokale Brauchtum. Um präzise zu sein: am 8. Juli, da zwanzig Sickenhäuser anlässlich der 900-Jahr-Feier ihres Fleckens erstmals in Wolfspelze schlüpften und ab sofort kräftig bei der Fasnet mitmischten. Seither ist ihre Wolfspyramide ein Markenzeichen.
Allein bleiben sollten die Wölfe übrigens nicht. Närrische Unterstützung erhielten sie alsbald von den Sickenhäuser »Schelmen« und - seit 2000 gibt es außerdem die »Siggenhusener Teufeln«, die übrigens ziemlich selbstbewusst auftreten. Jedenfalls laut Narrenruf. Die Frage »Wem g'hört d'r Flecka« beantworten sie keck mit »de Teufel«. Uiuiui, was die Wölfe wohl dazu sagen? (GEA)

