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Aktuell Protest

Reutlinger Verein »Blacks Connected« demonstriert vor der Stadthalle

Aster Yeman (links) hatte zusammen mit Yasmin Nasrudin und Njeri Kinyanjui die Kundgebung am Samstag vor der Reutlinger Stadthal
Aster Yeman (links) hatte zusammen mit Yasmin Nasrudin und Njeri Kinyanjui die Kundgebung am Samstag vor der Reutlinger Stadthalle organisiert - zum Gedenken an den Mord von George Floyd vor einem Jahr. Foto: Norbert Leister
Aster Yeman (links) hatte zusammen mit Yasmin Nasrudin und Njeri Kinyanjui die Kundgebung am Samstag vor der Reutlinger Stadthalle organisiert - zum Gedenken an den Mord von George Floyd vor einem Jahr.
Foto: Norbert Leister

REUTLINGEN. Fast genau vor einem Jahr wurde der schwarze US-Amerikaner George Floyd von einem weißen Polizisten in Minneapolis ermordet. 8 Minuten und 46 Sekunden hat der Polizeibeamte sich am 25. Mai 2020 auf den Hals des farbigen Floyd gekniet – bis der gestorben war. Obwohl er immer wieder gerufen hatte »I can’t breathe«. Ich krieg keine Luft. 8 Minuten 46 Sekunden waren am Samstag die Demonstrierenden vor der Reutlinger Stadthalle aufgefordert, zu schweigen und eine Faust in die Höhe zu strecken. »Das war eine lange Zeit«, sagte Njeri Kinyanjui, die zusammen mit Aster Yeman und Yasmin Nasrudin die Kundgebung am Samstagmittag organisiert hatte. »Neun Minuten hielt der amerikanische Polizist George Floyd im Würgegriff und die Welt reagierte erschüttert.«

Weltweit gab es in der Folge Demonstrationen gegen Rassismus, auch in Reutlingen im vergangenen Juni. »Die ‚black lives matter‘-Bewegung hat die Menschen auf die Straße gebracht«, so Kinyanjui. Nach der Kundgebung im vergangenen Jahr hatte sich in Reutlingen ein Verein gegründet, mit dem Namen »Blacks connected«. »Wir wollen uns in die Gesellschaft einbringen, wir wollen, dass Schwarze in der Bevölkerung sichtbar werden«, betonte Njeri Kinyanjui am Mittwoch vor der Reutlinger Stadthalle. Rund 30 Interessierte waren dem Kundgebungsaufruf gefolgt, Aster Yeman verlas zunächst zahlreiche Namen von Rassismus-Opfern – jeweils eine oder einer der Demonstrierenden legte zum Gedenken eine Rose neben ein Porträt von George Floyd auf den Boden vor der Stadthalle.

Yasmin Nasrudin forderte als Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, dass Antirassismus in der Bildung verankert werden muss. »Der erste Völkermord der Deutschen, an den Herero und Nama in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika (im heutigen Namibia) muss Teil des Lehrplans werden«, so Nasrudin. Gleichzeitig rief sie aber auch dazu auf: »Sprecht Rassismus bei der Arbeit, überall in der Öffentlichkeit an, jeder kann einen Beitrag gegen Rassismus leisten.« Wohl wissend, dass nicht alle Menschen die Fähigkeit hätten, demonstrativ gegen Unrecht einzutreten, entgegnete Yasmin Nasrudin: »Aber wir sind laut, wir sind da, wir sind sichtbar.« (GEA)