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Reutlinger Initiative will Streit zwischen Radlern und Wanderern vorbeugen

Mountainbiker in Reutlingen gründen eine neue Interessengemeinschaft unter dem Dach der Deutschen Initiative Mountainbike.

Miteinander statt gegeneinander: Die neue Interessenvertretung für Mountainbiker will Konflikten entgegenwirken. FOTO: MAX GUENT
Miteinander statt gegeneinander: Die neue Interessenvertretung für Mountainbiker will Konflikten entgegenwirken. FOTO: MAX GUENTER
Miteinander statt gegeneinander: Die neue Interessenvertretung für Mountainbiker will Konflikten entgegenwirken. FOTO: MAX GUENTER

REUTLINGEN. Den bundesweit aktiven Verein Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB) gibt es schon lange, jetzt gibt es mit der neu gegründeten Reutlinger Interessengemeinschaft auch einen regionalen Ableger. Auf Anhieb mit 60 Mitgliedern und einem klaren Ziel: Konflikte mit anderen Waldnutzern vermeiden. »Wir sind alle Gäste im Wald«, sagt Andreas Rösch, Sprecher der Interessengruppe. Die steht aber auch für umweltverträgliches Mountainbiken »im Einklang mit der Natur«, so Rösch.

Fahrradfahren erlebt derzeit einen noch nie da gewesenen Boom – ob Tourenrad, Rennrad, Gravelbike oder Mountainbike. Im Wald treffen folglich die oft verschiedenen Interessen von Radfahrern, Wanderern, Jägern und Förster aufeinander. »Immer wieder kommt es zu Konflikten im Wald. Das ist sehr schade«, findet Andreas Rösch.

Das »Naturerlebnis Mountainbiking« habe sich – verstärkt durch die Corona-Pandemie – zu einer Sport- und Freizeitaktivität in der Mitte der Gesellschaft entwickelt. »Dadurch nehmen Konflikte mit anderen Naturnutzenden zu, die häufig auf Missverständnisse und Vorurteile unserem Sport gegenüber zurückzuführen sind«, sagt Rösch.Vor allem Wanderer und Radfahrer kämen sich häufig ins Gehege, im Großraum Stuttgart sei die Situation an Wochenenden schon »deutlich angespannt«.

Unter dem Dach der Deutschen Initiative Mountainbike möchte die neue Interessengemeinschaft in der Region Reutlingen künftig Problemsituationen in Zusammenhang mit dem Mountainbiking durch Vermittlung lösen, bevor sie eskalieren können. Die Interessengemeinschaft versteht sich als lokale Kontaktstelle und Ansprechpartner in allen Belangen. »Wir möchten über das Mountainbiking als Hobby und Sport informieren und den Dialog zwischen allen Naturnutzenden fördern. Explizit richten wir ein Gesprächsangebot an Politik, Verwaltung, Verbände sowie Grundeigentümer.« Konkret plant die Interessengruppe, die sich in der Vermittlerrolle sieht, »runde Tische« mit den betroffenen Parteien.

Mit Aktionen rund ums Mountainbiken wie regelmäßige Ausfahrten, Fahrtrainings und geführten Touren möchte sie außerdem das Miteinander stärken. Einbezogen werden soll explizit die zunehmende Zahl der E-Biker durch speziell abgestimmte Fahrsicherheitstrainings und andere Angebote.

Jugendliche sensibilisieren

Ein weiteres Ziel sei es, mit Projekten und Aktionen die Region Schwäbische Alb »nachhaltig attraktiver für Mountainbiker« zu machen. Sperrungen von Wegen sollten nach Röschs Ansicht verhindert werden: »Ist erst mal eine Sperrung von Wegen da, dann ist sie wieder schwer aufzulösen«, gibt er zu bedenken. »Dabei ist Mountainbiking eine ideale Verbindung aus Sport und Naturerlebnis in der Region.« Für viele Menschen, die – gerade auch in der Pandemie – Belastungen aus Beruf, Schule und Familie ausgesetzt sind, sei es nicht zuletzt aktive Erholung und eine effektive Möglichkeit, abzuschalten. »Wir sehen Mountainbiking immer mehr als eine sportliche Aktivität für die gesamte Familie.«

Wenn es die lokalen Strecken hergeben, starten viele Mountainbiker ihre Touren direkt von der Haustür aus und das Auto bleibt stehen. Das sei gerade im Reutlinger Raum »eine Freizeitgestaltung, die das Klima aktiv schont«. Aber, so Rösch: »Voraussetzung für die Bereitschaft, den Wald zu schützen, ist, ihn erfahren und erleben zu dürfen. Über den Spaß am Naturerlebnis Mountainbiking haben wir die Möglichkeit, gerade Jugendliche für den Wert unserer Natur zu sensibilisieren.« Das möchte die Interessengemeinschaft über eine fundierte Kinder- und Jugendausbildung (»Kids-on-bike«) erreichen.

Neben der Vermittlung der Freude am Mountainbiking möchte ein speziell dazu ins Leben gerufener Arbeitskreis frühzeitig für verschiedene Aspekte des damit verbundenen Naturerlebnisses sensibilisieren: »Respekt im Umgang mit Pflanzen und Tieren, Auseinandersetzung mit den Aufgaben der Forst- und Jagdwirtschaft.« Außerdem sollen Kontakte zwischen Schulen und lokalen Radsportvereinen gefördert werden.

Dazu werden sich Vereinsmitglieder zu »Mtb Guides Kids on Bike Guiding« ausbilden lassen. Außerdem plant der Verein, in naher Zukunft auch geführte, regionale und nicht kommerzielle Rad-Aktivitäten für Erwachsene. »Uns geht es nicht um einen leistungsorientierten Radsport, sondern um das gemeinsame Erleben des Waldes und rücksichtsvolle Nutzung der Natur. Wir stehen für ein regelbasiertes Mountainbiking gemäß den Trail-Regeln der DIMB.«

Dabei betont die Interessengemeinschaft, Mountainbiker nicht erziehen zu wollen. Die Vereinigung trete auch einer Diskriminierung Erholungssuchender durch einseitige Nutzungsbeschränkungen – zum Beispiel von Waldwegen – entschieden entgegen. »Dass Mountainbiker nur Sprungschanzen auf (Wander-) Wegen bauen und Bäume fällen, ist einfach falsch«, betonte Rösch. »Das kommt bedauerlicherweise vereinzelt vor, führt dann zu allgemeinen Vorurteilen und manifestiert sich als negative Einstellung gegenüber dem gesamten Bike-Sport in den Köpfen. Und gerade hier wollen wir informieren und vermitteln.« (eg)