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Aktuell Geiselhart-Gelände

Licht und Schatten hinterm Kaufhof

Stadträte lassen sich jenes Baum-Gutachten vorstellen, das Dampf aus der Diskussion nimmt

Die Platane links ist ein Naturdenkmal und bleibt in jedem Fall stehen. Viele andere Bäume sind krank. FOTOS: NIETHAMMER
Die Platane links ist ein Naturdenkmal und bleibt in jedem Fall stehen. Viele andere Bäume sind krank. FOTOS: NIETHAMMER Foto: Markus Niethammer
Die Platane links ist ein Naturdenkmal und bleibt in jedem Fall stehen. Viele andere Bäume sind krank. FOTOS: NIETHAMMER
Foto: Markus Niethammer

REUTLINGEN. Den ganzen Sommer über wurde heiß diskutiert, gestern trafen sich die Stadträte zu einem umso kühleren Vor-Ort-Termin. Auf dem Geiselhart-Gelände zwischen Gartenstraße 5 und Kaiserstraße 16 stellte Landschaftsarchitektin Waltraud Pustal jenes Baum-Gutachten in der Praxis vor, das sie vor zwei Tagen erstmals vor öffentlichem Publikum im Rathaus präsentiert hatte. Sehr zum Erstaunen der Öffentlichkeit, denn plötzlich stehen ganz andere Zahlen im Raum. Statt 80 Bäumen fehlen nach Abschluss des Bauvorhabens am Ende noch sechs, die gesund und »relevant« sind. Relevanz erlangt ein Baum dann, wenn er mehr als 25 Zentimeter Durchmesser hat.

Dominanz von Eibe und Esche

Es war eine schattige Angelegenheit gestern Nachmittag, was die Stadträte im Nachgang zu einem wärmenden Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt veranlasste. Waltraud Pustal hatte ihnen vom Zentrum des Gartens aus vitale Kastanienbäume gezeigt, von denen zwei verpflanzt werden können. Sie wies auf eine große Anzahl Eiben hin, die hier eigentlich nichts verloren haben, weil sie das Thema eines englischen Gartens verfehlen. Als solcher war das Grundstück einmal angelegt worden. Die Masse der Eiben gilt in diesem Fall als Wildwuchs, weil sie laut Pustal nie zurückgeschnitten wurden. Die Parksituation sei ohnehin nicht mehr gegeben.

»Ich stufe die Wertigkeit nicht hoch ein«, sagte sie und wies zudem auf einen Bergahorn hin, der »nicht zukunftsfähig« sei, ebenso eine Vielzahl armdicker Eschen, die krank sind und aus Sicherheitsgründen entfernt werden müssen – so oder so. Unter den kranken Eschen sind auch richtig stattliche Bäume, die krankheitsbedingt keine Zukunft haben.

Und schließlich zeigte sie die stattliche Platane, die als Naturdenkmal erhalten bleibt. Bleiben muss: Alles andere könnte der Bauherr zu Brennholz verarbeiten, weil es ein Privatgrundstück ist. Tut er aber nicht: Roman Geiselhart hatte die Diskussion um die Bäume kommen sehen und die Pfullinger Landschaftsarchitektin mit den Gutachten betraut, um einer emotionalen Diskussion vorzubeugen. Die Ergebnisse, die erheblich zur Entschleunigung des überhitzten Gesprächs beigetragen hätten, liegen seit Monaten vor. Warum sie der Öffentlichkeit erst jetzt vorgestellt wurden, ist nicht bekannt.

Platane als Naturdenkmal

Die Bilanz des Baum-Gutachtens sieht so aus: Für das Bauvorhaben Kaiserstraße 16 (Gewerkschaftshaus) entfallen neun gesunde, relevante Bäume, zwei werden verpflanzt. Neupflanzungen gibt es vier, was einen Gesamtverlust von drei Bäumen ergibt. In der Gartenstraße 5 entfallen sechs gesunde Bäume. Neu gepflanzt werden drei Bäume, was einen Gesamtverlust von drei Bäumen ergibt. Somit kommt man in der Gesamtbilanz auf einen Verlust von sechs Bäumen. »Weitgehend ungepflegt«, wie Helmut Treutlein mutmaßte, sei der Garten jedenfalls nicht. »Ich kann Ihnen gern die Rechnungen der Gärtner zeigen«, sagte Roman Geiselhart.

Seine Familie hatte das Gelände 2004 erworben, 2006 reichte sie das erste Baugesuch ein, damals noch mit Einkaufsmöglichkeiten. Seit 2014 will Roman Geiselhart ein Geschäftshaus zu bauen. Den anderen Teil entlang der Kaiserstraße will die Gewerkschaft mit einem »Gewerkschaftshaus« bebauen, das etwa die Höhe des Kaufhofs erreicht. (GEA)

Eigentümer und Bauherr Roman Geiselhart (links) und Architekt Markus Haug.
Eigentümer und Bauherr Roman Geiselhart (links) und Architekt Markus Haug. Foto: Markus Niethammer
Eigentümer und Bauherr Roman Geiselhart (links) und Architekt Markus Haug.
Foto: Markus Niethammer