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GEA-Kandidaten-Check: »Mehr Biss und klare Kante«

Podiums-Besucher empfinden die OB-Kandidaten als »eher blässlich« und bescheinigen ihnen starke inhaltliche Ähnlichkeit

Foto: Gerlinde Trinkhaus
Foto: Gerlinde Trinkhaus

REUTLINGEN. Lob fürs GEA-Podium: Wertvoll, heißt es, sei so ein Kandidaten-Check, der Gelegenheit zum direkten Bewerbervergleich gibt. Indes: Beim Podium in der Stadthalle seien samt und sonders alle Aspiranten für den Chefsessel im Reutlinger Rathaus blässlich geblieben. Mehr »Biss« hätten sich die von der Lokalredaktion befragten Zuschauer erwartet, wie unter anderem Heidemarie Müller sagt. Inhaltlich empfindet sie die OB-Kandidaten als »sehr ähnlich«. Insbesondere von Cindy Holmberg hätte sie sich »klarere Kante bei grünen Themen« gewünscht. »Mir schien es so, als habe Frau Holmberg ihr Trümpfe teilweise ohne Not an Herrn Schneider abgegeben.« Hinter welchen Namen Müller am 3. Februar ihr Kreuzchen setzen wird? »Ich weiß es immer noch nicht. Wahrscheinlich wähle ich letztlich nach Sympathie.« Denn letztlich »darf man den Posten eines OB auch nicht überbewerten. Entscheidungsträger ist nicht er, sondern der Gemeinderat. Das sollte man sich unbedingt vor Augen halten. Wenn es ums Hü oder Hott geht, dann beschließt das der Rat, in dem das Stadtoberhaupt halt auch bloß eine Stimme hat. Versprechen können uns die Herrschaften heute Abend viel, am Schalthebel sitzen sie nicht.«

Ganz ähnlich die Argumentation von Markus Buchmiller, dem die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben steht. »Die Kandidaten sind mir zu wenig kontrovers. Und das finde ich schade. Egal welcher Partei sie angehören, alle sind sie meines Erachtens mehr oder weniger politisch-trendy grün unterwegs.« Und: »Sie machen auf mich den Eindruck, Weichspüler getrunken zu haben.« Also keinerlei Unterschiede? Doch. »Schneider gibt den politischen Routinier, Keck den sachkundigen Lokalmatador und Holmberg die charmante Bür-gerversteherin von nebenan.« Die Personalien Kalbfell und Zimmermann bleiben bei Buchmiller unerwähnt – weil »zu beliebig«. »Ein oder eine OB muss eine öffentlichkeitswirksame Ausstrahlung haben. Darauf kommt es an. Das mag oberflächlich klingen, ist es aber nicht. Denn die Entscheidungsgewalt liegt beim Gemeinderat. Der ist der Souverän in unserem System. Der oder die OB repräsentiert, moderiert und managt eher.«

Und was hält Sabrina Sachse von der Kandidatenriege? »Positiv überrascht worden« sei sie von Andreas Zimmermann. »Ich werde ihm zwar nicht meine Stimme geben, aber heute hat er sich sauber geschlagen.« In Auftreten und Inhalt sei die Podiums-Besucherin besonders von Thomas Keck und Christian Schneider angetan gewesen. »Meine Prognose: Die beiden machen das Rennen unter sich aus. Ich vermute, dass ein zweiter Wahlgang fällig wird. Aber an dessen Ende steht entweder Schneider oder Keck.«

»Eigentlich hätte ich Kalbfell gerne eine Chance gegeben«, outet sich Stefan Ziegler als Freund des liberalen OB-Bewerbers. Jedoch: »Er bezieht zu selten Position, belässt es viel zu oft bei einem Entweder-Oder.« Nach dem Bühnenauftritt des Bewerberquintetts weiß Ziegler »offengestanden überhaupt nicht mehr, wen ich wählen soll«. Immerhin: »Wem ich auf keinen Fall meine Stimme gebe, steht jetzt fest.« Und wer weiß, »vielleicht schreibe ich auch einfach Karsten Amann auf den Zettel ...«

Ein Name, der am Rande des GEA-Kandidaten-Checks übrigens immer mal wieder in den Mund genommen wird. Schon im Vorfeld des Podiums findet er zehn, zwölf Mal Erwähnung und auch danach ist er Thema. Etwa bei Marius Schmid für den der Reutlinger Stadtrat, der unlängst von der CDU-Fraktion in die Reihen der Grünen und Unabhängigen wechselte, »der richtige Mann in der richtigen Funktion« gewesen wäre. Dass Amann sich nicht zur Wahl stellt, sei »total bedauerlich«, hilft aktuell aber nicht wirklich weiter. Deshalb nochmals nachgehakt: Hat Schmid einen wählbaren Kandidaten ins Auge gefasst? »Jein!«

So auch die Antwort von Helmut Dworatschek. »Ich bin immer noch am Schwanken«, bekennt der Reutlinger. »Die Kandidaten sind sich sehr ähnlich. Alle haben sie Stärken und Schwächen. Insgesamt blieb ihr Auftritt für mich nebulös.« Eine Wahrnehmung, die von Helene Frank geteilt wird. »Ich habe noch keine Entscheidung getroffen, noch gibt es für mich nämlich keinen Favoriten. So etwas ist mir übrigens noch nie passiert. Ich bin etwas ratlos und hätte mir ehrlich gestanden etwas mehr weibliche Auswahl gewünscht.«

Was sie mit Gesine Moser eint. Auch sie hätte gerne wieder eine »Front-Frau« im Rathaus. »Vielleicht stimme ich am 3. Februar deshalb für Cindy Holmberg. Aber nur vielleicht.« Denn egal welches Geschlecht: »Die nächste Legislaturperiode dürfte eine sein, die ein zähes Ringen erforderlich macht.« Warum? »Weil nach der Kommunalwahl garantiert eine weitere Partei – Sie wissen schon, welche ich meine – in den Reutlinger Gemeinderat einziehen wird und damit Mehrheitsfindungen schwieriger denn je werden dürften – völlig wurscht, wer dann den Vorsitz hat.« (GEA)