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Reutlinger Nikolausdorf: 11-jähriger DJ aus Urach begeistert

Ludwig Vöhringer aus Bad Urach legt im Reutlinger Nikolausdorf seine erste eigene Show hin – und zieht bei seinem Auftritt alle Blicke auf sich. Der Elfjährige hat sogar schon auf einem Festival vor tausenden Leuten aufgelegt und hat noch große Träume.

Selbstbewusst auf der Bühne im Reutlinger Nikolausdorf: Ludwig Vöhringer alias DJ Caveman.
Selbstbewusst auf der Bühne im Reutlinger Nikolausdorf: Ludwig Vöhringer alias DJ Caveman. Foto: Frank Pieth
Selbstbewusst auf der Bühne im Reutlinger Nikolausdorf: Ludwig Vöhringer alias DJ Caveman.
Foto: Frank Pieth

REUTLINGEN. Auf der kleinen Bühne im Reutlinger Nikolausdorf herrscht Stimmung: DJ Caveman mischt House-Beats mit Weihnachtssounds, tanzt strahlend hinter seinem Pult – und zieht die Blicke der Besucher auf sich. Im am frühen Mittwochabend spärlich besuchten Teil des Reutlinger Weihnachtsmarkts am Albtorplatz zücken immer wieder Schaulustige ihre Smartphones, filmen den Jungen, der da so selbstbewusst performt. »Er macht das echt gut«, sagt eine junge Frau begeistert. »Man merkt seine Leidenschaft. Er hat einen guten Musikgeschmack und wirklich Talent.« Der DJ, den sie da feiert, ist elf Jahre alt. Sein Name: Ludwig Vöhringer aus Bad Urach.

Der Auftritt im Nikolausdorf ist seine erste eigene Show außerhalb des heimischen Grundstücks. Nervös? »Nur ein ganz kleines bisschen«, sagt er, während er entspannt einer Portion Pommes isst. Kein Wunder: Der Schüler des Graf-Eberhard-Gymnasiums in Bad Urach hat schon vor mehr als 3.500 Menschen aufgelegt. Beim »Wasser mit Geschmack«-Festival in Heubach durfte er an der Seite seiner Cousine, DJane Nina Hepburn, ein paar Übergänge gestalten. »Das war relativ entspannt«, erzählt er. Sie ist eines seiner großen Vorbilder, und er ist regelmäßig im Austausch mit ihr. Sie hat ihn sogar zu einer Rooftop-Party in Hamburg mitgenommen. Dort stand er für eine halbe Stunde allein hinter den Decks.

Mit einer Lautsprecherbox fing alles an

Wie Erwachsene reagieren, wenn ein Elfjähriger die Musik macht? »Sie jubeln und flippen total aus«, sagt Ludwig und lacht. »Er fällt auf jeden Fall immer auf«, ergänzt sein Vater Michael Vöhringer. Er fährt seinen Sohn zu sämtlichen Auftritten, bleibt immer in der Nähe. Eingreifen musste er bisher nie. »Es war immer alles harmonisch.«

Dass Ludwig überhaupt DJ wurde, hat viel mit seinem Vater zu tun. Mit sechs Jahren bekam er von ihm seine erste Lautsprecherbox geschenkt. Zusammen mit seiner Schwester begann er, mithilfe zweier Tablets Musik zusammenzumixen. »Das hat mega Spaß gemacht«, erinnert er sich. Kurz darauf bekam er das erste kleine analoge Mischpult geschenkt, zu Weihnachten dann eine kleine Lichtanlage. Die erste Party schmiss er zu Neujahr in der Garage – der Beginn einer rasanten Entwicklung. Heute sind Anker in der Garage verbaut, um jederzeit Traversen für Lichttechnik zu befestigen. Auch in einem Faltpavillon ist Lichttechnik verbaut, sodass die Partys echtes Festival-Feeling bekommen. Viermal im Jahr lädt er Familie und Freunde ein, inzwischen reisen sogar Fans aus dem Umkreis an.

Zum zehnten Geburtstag bekam Lugwig Vöhringer einen Ausflug in das in der Szene berühmte Musikhaus Thomann im bayerischen Burgebrach: Subwoofer, neue Lichter, Stative, Kabel – DJ Caveman professionalisierte sein Equipment Stück für Stück. »Das geht ins Geld«, gibt sein Vater zu. Einzelne Teile kosten schonmal mehrere tausend Euro. »Aber wir unterstützen unsere Kinder gerne.« Ludwig spart dennoch selbst mit, schließlich steht für ihn bereits fest: Er will Berufs-DJ werden. Dass das nicht einfach wird, weiß er. »Man muss viel netzwerken und die richtigen Leute kennen.« Und er weiß auch: Die Schule darf dabei nicht zu kurz kommen, falls es nicht klappen sollte mit der Karriere.

Weitere Auftritte in Reutlingen

Fast täglich sitzt er in seinem abgedunkelten Kinderzimmer – der »Höhle«, wie er es deshalb nennt. Daher sein Künstlername DJ Caveman. Vor dem Nikolausdorf-Auftritt hat er stundenlang an seiner Playlist gefeilt. Früher spielte er Partymusik, heute bewegt er sich eher in Richtung House und Techno. Übergänge probte er intensiv. Zur Vorbereitung ließ ihn Onur Sönmez, Betreiber des Nikolausdorfs, tagsüber in seinem Club, der Reutlinger Nachtfabrik, seinen Auftritt durchspielen.

Doch Technik allein reicht Ludwig Vöhringer nicht: »Ein guter DJ muss die Leute unterhalten – und selbst mittanzen.« Das tut er dann auch auf dem Weihnachtsmarkt mehr als zwei Stunden lang. Nach seinem Auftritt sagt er: »Hat richtig Spaß gemacht.« Auch wenn nur wenige Zuschauer da waren. Aber die haben vor der Bühne mitgetanzt.

Sein großer Traum? Einmal auf dem Festival Nature One spielen, einem der bedeutendsten elektronischen Musikfestivals Europas. Bis dahin geht Ludwig Schritt für Schritt. Die nächsten Auftritte stehen schon fest: Noch einmal soll er im Nikolausdorf auflegen dürfen – diesmal an einem stark besuchten Wochenende. Und am Heiligen Morgen in einer Reutlinger Bar. Wenn dann mehrere Tausend Menschen in die Innenstadt strömen, wird auf jeden Fall Festival-Feeling aufkommen. (GEA)