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Aktuell Brauchtum

Der gute Geist von Mittelstadt: die Brühlbärbel

Seit den 1990er-Jahren haben sich in Reutlingens Bezirksgemeinden etliche Narren-Vereine gegründet. Die Serie »Närrisch auf Fasnet« stellt sie vor. Heute im Porträt: die liebenswürdige »Brühlbärbel« und die wilden »Riedwald Wölfe« aus Mittelstadt.

Dank der Brühlbärbel ist Mittelstadt nicht von allen guten Geistern verlassen.
Dank der Brühlbärbel ist Mittelstadt nicht von allen guten Geistern verlassen. Foto: Christoph Ströhle
Dank der Brühlbärbel ist Mittelstadt nicht von allen guten Geistern verlassen.
Foto: Christoph Ströhle

MITTELSTADT. 45 Frauen und Männer der ersten Stunde waren es, die 2002 der Mittelstädter Sagengestalt »Brühlbärbel« neues Leben einhauchten: mit Gründung einer Narrenzunft, die seither munter in der regionalen Fasnetsszene mitmischt und längst die 150-Mitglieder-Marke erreicht hat. Zurückgeführt wird die Figur auf einen guten Geist, der erstmals vor vielen Hundert Jahren auf der Gemarkungsgrenze zwischen Bempflingen und Mittelstadt gesichtete wurde und dortselbst bis heute in mondhellen Nächten über Äcker und Felder tanzt.

»Brühlbärbel« heißt die ätherische Erscheinung, die - so behauptet's der Volksmund - zu jenen Wesenheiten zählt, die keiner Fliege und auch keinem Menschen etwas zuleide tun. Gleichwohl kann die Einzelgängerin Nachtwanderern einen gehörigen Schrecken einjagen: wenn sie urplötzlich um diese herumscharwenzelt oder sogar Händchen hält. In solchen Fällen nehmen nächtliche Flaneure verständlicherweise Reißaus.

Serie: Vernarrt in Fasnet

In der Serie »Vernarrt in Fasnet« stellt der GEA in loser Folge seine Hästräger aus den Reutlinger Bezirksgemeinden vor. Im Rahmen von Kurzporträts werden ortstypische Masken und ihre historischen Hintergründe beleuchtet. (GEA)

Etwa jener Bempflinger, der nach durchzechtem Abend und zu vorgerückter Stunde auf dem Nachhauseweg war, als ihm die »Brühlbärbel« begegnete. Prompt gab der gute Mann Fersengeld. Doch die Bärbel ließ sich nicht abschütteln. Im Gegenteil. Sie folgte dem betrunkenen Bempflinger, der immer schneller rannte bis er erschöpft zu Boden sank - und sich in sein Schicksal ergab.

»Do, Goischt, hosch me!«, soll er der »Brühlbärbel« zugerufen haben. Und: »Do, Goischt, hosch me!«, tönt es deshalb seit 2002 während der Tollen Tage bei fastnächtlichen Auftritten.

Ach ja, und manchmal heult es bei Fasnetsveranstaltungen in Mittelstadt auch ausgesprochen schauerlich. Hat das Bärbele 2016 doch Verstärkung bekommen. Mit Gründung der Freien Narrenzunft »Riedwald Wölfe«, geht’s im Flecken seither vollends gruselig zu. Denn: Wehe, wenn sie losgelassen! (GEA)