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Bleibt das Lehrschwimmbecken in Ohmenhausen für immer zu?

Seit Monaten ist das marode Lehrschwimmbecken der Waldschule geschlossen: Ein kaputter Kompressor verhindert die Wiederinbetriebnahme. Eine Generalsanierung wäre notwendig, ist wegen hoher Kosten aber fraglich.

Noch sind die Lichter nicht endgültig aus. Wie es weitergeht mit dem Lehrschwimmbecken Ohmenhausen, ist allerdings offen.
Noch sind die Lichter nicht endgültig aus. Wie es weitergeht mit dem Lehrschwimmbecken Ohmenhausen, ist allerdings offen. Foto: Privat
Noch sind die Lichter nicht endgültig aus. Wie es weitergeht mit dem Lehrschwimmbecken Ohmenhausen, ist allerdings offen.
Foto: Privat

REUTLINGEN-OHMENHAUSEN. Normalerweise ist im Lehrschwimmbecken Ohmenhausen ordentlich was los. Nicht nur die Waldschule, sondern auch die Roßberg- und Hohbuchschule nutzen es für den Schwimmunterricht, dazu kommen die Kurse von diversen Vereinen und der Volkshochschule. Seit Pfingsten sitzen alle auf dem Trockenen: Das Hallenbad ist geschlossen. »Was ist der Grund und wann öffnet es wieder?«, fragen GEA-Leser – und mit ihnen die vielen Nutzer. Die Ursache lässt sich schnell benennen: Nach Auskunft des städtischen Gebäudemanagements ist ein irreparabler Kompressor schuld an der Schließung. Wann wieder geschwommen werden kann in Ohmenhausen, ist sehr viel schwerer zu beantworten. Denn eigentlich ist klar, dass nur die längst versprochene, aber aufwendige und teure Grundsanierung zielführend ist. Doch die ist wegen der prekären Haushaltslage mehr als ungewiss.

Ein Fall für eine Komplettsanierung

Dass das 1967 gebaute Lehrschwimmbecken ein Fall für eine Komplettsanierung ist, weiß man bei der Stadtverwaltung seit Jahren. Gebäudemanagement-Chefin Kathrin Berger diagnostizierte 2022 im Ortschaftsrat Ohmenhausen und im städtischen Bauausschuss einen überschrittenen Lebensrhythmus und stellte klar, dass es mit »Herumdoktern« nicht getan sei. Tatsächlich war die Sanierung beschlossene Sache, landete wegen der schon damals angespannten Haushaltslage aber in der Warteschleife. Dort steckt sie trotz regelmäßig beantragter Planungsmittel bis heute fest. Die Beteuerung von Kathrin Berger, die Grundsanierung des Ohmenhäuser Lehrschwimmbeckens stehe »ganz oben auf der Prioritätenliste«, half auch nicht weiter.

Das Lehrschwimmbecken ist seit Pfingsten 2025 geschlossen, ein irreparabler Kompressor verhindert die Wiederinbetriebnahme.
Das Lehrschwimmbecken ist seit Pfingsten 2025 geschlossen, ein irreparabler Kompressor verhindert die Wiederinbetriebnahme. Foto: pr
Das Lehrschwimmbecken ist seit Pfingsten 2025 geschlossen, ein irreparabler Kompressor verhindert die Wiederinbetriebnahme.
Foto: pr

Die Gebäudemanagerin versprach immerhin, dass ihr Amt alles daransetze, den Betrieb wenigstens aufrechtzuerhalten. Das gelang mit Unterbrechungen, einige technische Defekte konnten repariert werden. Doch jetzt scheint das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Die Anlagensteuerung ging kaputt, konnte noch instandgesetzt, aber wegen eines Lecks in einem Kompressor und eines korrodierten Wärmetauschers nicht in Betrieb genommen werden. Die Folge: Dicke Luft in der Schwimmhalle, vor den Pfingstferien 2025 wurde sie geschlossen.

Gesundheitsschädliche Auswirkungen

Fachingenieure, lässt das Gebäudemanagement auf GEA-Anfrage wissen, haben mittlerweile festgestellt, dass der Kompressor komplett hinüber ist. Er regelt die Temperatur in der Lüftungsanlage und ist unverzichtbar: Funktioniert er nicht richtig, kann die Luftfeuchtigkeit und mit ihr der Chlorgehalt in der Luft zu stark ansteigen. Gesundheitsschädliche Auswirkungen seien deshalb nicht auszuschließen und, so das Gebäudemanagement, »bauliche Schäden werden gesichert auftreten«.

Was bedeute, dass eine neue Lüftungsanlage installiert werden müsste – und zwar vor dem Gebäude, weil sie fürs Untergeschoss zu groß und fürs Dach wegen der zulässigen Traglast zu schwer wäre. Acht Monate dauere es mit Ausschreibung und Beschaffung der Bauteile mindestens, um alles zum Laufen zu bringen und das Hallenbad wieder in Betrieb nehmen zu können. Ob das passiert, steht in den Sternen, denn die Sanierung kann nicht wie bisher bei kleineren Reparaturen aus dem laufenden Gebäudeunterhalt finanziert werden. »Die Entscheidung über das weitere Vorgehen ist noch zu treffen«, heißt es aus dem Gebäudemanagement.

Neue LED-Lampen fürs geschlossene Bad

Für Oberbürgermeister Thomas Keck scheint der Fall jetzt schon klar zu sein. Im Sommer sagte er im GEA-Interview zum Thema »Bäder in Not«, die anstehende, etwa 100.000 Euro teure Reparatur des Lehrschwimmbeckens könne sich die Stadt »im Moment« nicht leisten, die Grundsanierung mit einem Kostenaufwand »von sieben bis acht Millionen Euro« schon gar nicht. Im Dezember wurde Keck gegenüber der Südwestpresse deutlicher: Als Beispiel, dass man sich wegen der kommunalen Finanzkrise von hohen Standards verabschieden müsse, nannte er die Generalsanierung des Lehrschwimmbeckens Ohmenhausen. Beschlossene Sache ist das Aus des viel genutzten Lehrschwimmbeckens Ohmenhausen aber keineswegs: Die Haushaltsberatungen laufen, die Entscheidung liegt allein beim Gemeinderat. Und dann sind da noch die 66 Millionen Euro aus dem Infrastrukturprogramm des Bundes, das explizit auch für Sanierungsprojekte in Schulen vorgesehen ist. Wie die Gelder verwendet werden, ist noch offen.

Keine Alternative

Schwimmunterricht ist an der Waldschule wegen des geschlossenen Hallenbads seit Pfingsten 2025 gestrichen, als Ersatz gibt es eine zusätzliche Sportstunde. Die Reutlinger Lehrschwimmbecken sind voll belegt, ein »Ersatz-Schwimmunterricht in einer anderen Schwimmhalle konnte nicht angeboten werden«, lässt deshalb das Amt für Schulen, Jugend und Sport auf GEA-Nachfrage wissen. Das gilt ebenso für die anderen Nutzer des Lehrschwimmbeckens Ohmenhausen, der Hohbuch- und Roßbergschule. Auch die Kurse der Vereine und Volkshochschule fallen mangels Alternativen aus. (GEA)

Frank Sautter, Leiter der Waldschule Ohmenhausen, kann nichts anderes tun als abzuwarten. Schwierig wird für ihn das leidige Thema Lehrschwimmbecken vor allem deshalb, weil, so Sautter, »der Informationsstand immer noch sehr dürftig ist«. Auf Nachfrage habe es geheißen, es sei halt etwas kaputt. »Das ist das Anstrengende an der Sache, man muss das ja mit den Eltern kommunizieren.« In einem mit Elternbeirat und allen anderen Nutzern verfassten Schreiben bat er deshalb vor den Sommerferien die Stadtverwaltung um Auskunft und erfuhr so von der versuchten, letztlich aber erfolglosen Reparatur. Und, ließ Kathrin Berger wissen: »Eine Grundsanierung des Gebäudes können wir aufgrund der Haushaltssituation aktuell leider nicht in Aussicht stellen.«

Doch noch sind die Lichter im Lehrschwimmbecken Ohmenhausen nicht endgültig ausgegangen. Ganz im Gegenteil. Im quasi stillgelegten Bad tauchten plötzlich Gerüstbauer auf und montierten LED-Leuchten. Auch in einem auf nicht absehbare Zeit geschlossenen Lehrschwimmbecken ist damit das städtische Energiesparkonzept umgesetzt. »Wir wundern uns über nichts mehr«, sagt dazu der Frank Sautter nur. (GEA)

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