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Aktuell Corona

In Engstingen können sich jetzt alle auf Corona testen lassen

Das DRK Engstingen ist der erste Ortsverein mit einer solchen Aktion.

Das DRK Engstingen-Hohenstein bietet Covid-19-Schnelltests an. Sieglinde Baisch lässt sich testen. Alles wird dokumentiert.  FOT
Das DRK Engstingen-Hohenstein bietet Covid-19-Schnelltests an. Sieglinde Baisch lässt sich testen. Alles wird dokumentiert. FOTOS: DRK Foto: Privat
Das DRK Engstingen-Hohenstein bietet Covid-19-Schnelltests an. Sieglinde Baisch lässt sich testen. Alles wird dokumentiert. FOTOS: DRK
Foto: Privat

ENGSTINGEN/HOHENSTEIN. Alles ging ganz schnell. Wenn eine Idee gut ist, braucht sie nicht lang um zu reifen. Erste Überlegungen gab es während der Blutspende Anfang des Jahres, am vergangenen Sonntag wurden Nägel mit Köpfen gemacht, am gleichen Tag hat das DRK Engstingen-Hohenstein seinen Plan im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht: »Wir wollen den Menschen in Engstingen, Hohenstein und der näheren Umgebung die Möglichkeit bieten, sich auf Covid-19 testen zu lassen«, sagt Bereitschaftsleiter Nico Bayer.

Sonntag veröffentlicht, 48 Stunden später hatte das DRK an die 25 Anrufe beziehungsweise Anmeldungen für einen Corona-Test. Es sind Antigen-Schnelltests, die die zwei Mitarbeiter bei Interessierten durchführen. Einer von ihnen ist Bereitschaftsleiter Nico Bayer. »Ich bin positiv überrascht, dass das schon jetzt so gut angenommen worden ist«, sagt er. Die Aktion hatte er zuvor bei der Kreisbereitschaftsleitung angemeldet und grünes Licht bekommen. Damit ist das DRK Engstingen-Hohenstein der erste Ortsverein innerhalb des Kreisverbands Reutlingen, der solche Tests anbietet. Reiserückkehrer, Firmen, aber auch Pflegeheime oder Menschen, die sich unsicher sind, ob sie sich infiziert haben könnten, aber nicht vom Gesundheitsamt zum Test geschickt werden, Menschen, deren Angehörige zur Risikogruppe gehören, können das Angebot des DRK annehmen.

DRK-Personal vorher geschult

Um die Tests adäquat durchführen zu können, wurden die Rot-Kreuzler von Angelika Mayer, Fachärztin für Allgemeinmedizin, vom Port Gesundheitszentrum in Bernloch eingewiesen und geschult. Mit einem Wattestäbchen wird eine Probe der Schleimhäute – vorzugsweise aus dem Rachenraum – oder der Nase entnommen und in eine Trägerlösung gegeben. Einige Tropfen davon kommen auf den Teststreifen. Innerhalb von etwa 15 Minuten kann man das Ergebnis ablesen. Hausarztpraxen seien zum Teil überlaufen und könnten der großen Nachfrage nicht mehr nachkommen. Einer habe mittlerweile Testwillige auch schon ans DRK Engstingen verwiesen. »Wir bieten auch Hausbesuche an«, sagt Nico Bayer. Die Menschen seien sehr verständig, halten sich an alle Regeln und freuen sich über das Angebot. Das ist besonders interessant für weniger mobile Menschen. Eine Firma mit 18 Mitarbeitern hatte sich bereits das DRK bestellt.

Genügend Tests zu beschaffen sei für medizinisches Personal kein Problem gewesen. Zunächst hatte das DRK Engstingen zwei Packungen mit je 25 Tests geordert. Die Aufbewahrung bedarf keines großen Aufwands. Nachschub könne vier Tage nach Bestellung da sein. Das sei vorteilhaft, denn »wir wollen so wenig wie möglich auf Lager haben«. Schließlich muss das DRK die Kosten kalkulieren.

Hilfe und Schutz sind wichtig

Etwa acht Euro kostet die Rot-Kreuz-Mitglieder ein Test im Einkauf. Dazu kommen noch die Ausgaben für die Schutzausrüstung. Beim Test tragen Nico Bayer und sein Kollege einen Ganzkörper-Schutzoverall, FFP2-Maske, eine Schutzbrille, natürlich Handschuhe und ein Face-Shield, um sich selbst bestmöglich vor einer Infektion zu schützen. Denn der Eigenschutz, die eigene Sicherheit geht bei den Covid-19-Tests wie auch bei sonstigen Einsätzen vor.

Wer sich mit einer solchen Aktion in soziale Netzwerke wagt, muss auch mit Kritik rechnen. Leider. Denn zum einen setzen die Rot-Kreuzler ihre Freizeit für die DRK-Arbeit ein. Es gibt keine Massenabfertigung. »Die Menschen haben viele Fragen«, die Unsicherheit sei groß. Die DRK-Mitglieder nehmen sich Zeit, um Antworten zu geben. Zum anderen kann ein kleiner Verein solche Tests nicht kostenlos anbieten. Im Übrigen: Auch Apotheken lassen sich Tests bezahlen. Zumindest die Ausgaben des DRK müssen gedeckt werden, vor allem in einer Organisation, in der jeder Ortsverein selbst erwirtschaften muss, was er für Material, Unterhalt, Fahrzeuge und so weiter benötigt. »Wir bieten die Tests für 20 Euro an.«

Alle Ausgaben gegengerechnet bleiben dem Engstinger DRK so etwa fünf Euro. »Eine Hand wäscht die andere«, sagt Nico Bayer und zitiert das DRK-Motto: »Miteinander – füreinander«. In erster Linie will das DRK helfen, etwas für andere tun, braucht aber selbst Unterstützung, Spenden für seine Arbeit, den Einsatz für andere. »Wir wollen niemanden ausnehmen, haben aber überlegt, wie in dieser Zeit ein paar Euro in unsere Kasse kommen können.« Wie im GEA mehrfach berichtet, sind den Ortsvereinen im vergangenen Jahr wichtige Einnahmequellen – zum Beispiel Altkleidersammlungen – weggebrochen, auch Sanitätsdienste versahen sie weniger, weil Großveranstaltungen auf der Corona-Strecke blieben. Dass sich dies zeitnah ändert, ist eher nicht absehbar.

Auch die Aussagekraft der Schnelltests wird kritisiert. Bei denen vom DRK angebotenen handelt es sich um sogenannte Antigen-Schnelltests. Sie zeigen, ob jemand ansteckend ist oder nicht. Es sind die gleichen Tests, die Hausärzte, Pflegeheime oder Krankenhäuser nutzen, um Personal, Besucher sowie Patienten und Bewohner regelmäßig auf das Coronavirus zu testen, handelsübliche Tests für medizinisches Personal.

Falls das Coronavirus in der Probe aus Nase oder Rachen vorhanden ist, reagieren die Eiweißbestandteile des Virus mit dem Teststreifen, und darauf wird eine Verfärbung sichtbar, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Es gibt zwei Werte für die Aussagekraft der Tests: Die Spezifität beschreibt die Genauigkeit eines Tests, sagt aus, ob alle gesunden getesteten Personen auch als Gesunde erkannt werden. Bei den vom DRK verwendeten Tests liegt dieser Wert bei 99,8 Prozent. Die Sensitivität hingegen gibt Auskunft darüber, ob alle Kranken auch als Kranke erkannt werden. Und dabei kommt es auf den Zeitpunkt des Tests – oder anders – darauf, wie lang eine mögliche Infektion zurückliegt, an. Aber der Vorteil: Es bedarf keines Labors.

Akribische Dokumentation

Nico Bayer und sein Kollege dokumentieren die Ergebnisse akribisch. Ist das Ergebnis positiv, geht eine Meldung ans zuständige Gesundheitsamt, das daraufhin einen PCR-Test veranlasst und die Quarantäne anordnet. Dabei läuft alles vertraulich und unter Beachtung des Datenschutzes ab. Auch darin sind die DRKler geschult. (GEA)

 

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