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Engstinger Schlosserei Leippert als ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet

Das Unternehmen in Großengstingen ist für seine Unterstützung der Rettungskräfte geehrt worden.

Josef Leippert mit der Plakette des Innenministers vor Amboss und Esse.
Josef Leippert mit der Plakette des Innenministers vor Amboss und Esse. Foto: Steffen Wurster
Josef Leippert mit der Plakette des Innenministers vor Amboss und Esse.
Foto: Steffen Wurster

ENGSTINGEN. »Wenn's gefunkt hat, war nur noch ein Mitarbeiter in der Werkstatt.« Josef Leippert erinnert sich an Tage, an denen fünf von sechs Fachleuten der Schlosserei Leippert im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Dienst ausrückten. Dafür, dass er seine Männer - und auch sich selbst - jederzeit für die Einsätze freistellte, wurde die Schlosserei jetzt von Innenminister Thomas Strobl als »ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber« ausgezeichnet, für die »Unterstützung des Ehrenamts im Bevölkerungsschutz«. Dafür gab es eine Urkunde, eine Plakette sowie einen Händedruck vom Minister und von Regierungspräsident Klaus Tappeser.

Die Leipperts sind eine Feuerwehrdynastie, gefühlt schon immer. Josef Leippert hat 50 Jahre in Uniform hinter sich, sein Vater Josef war Vize-Kommandant in Großengstingen, ebenso sein Sohn Alexander, der jetzt die Schlosserei führt. Auch der Schwiegersohn wurde rekrutiert, sehr zum Kummer seiner Frau: »Dann bist du auch nie mehr zu Hause«, soll sie gesagt haben. Klar, dass man dann ein ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber sein muss. Auch wenn das manchmal seltsame Folgen hatte: Als Sturm Lothar in Engstingen die Dächer abdeckte, waren die Leipperts und ihre Schlosser im Einsatz, das eigene Dach wurde von Kameraden wieder eingedeckt. Ähnlich war es bei einem Hochwasser, »da war meine Frau allein im Keller«. So kann's gehen.

Die Schmiede und Schlosserei Leippert ist also eine wesentliche Stütze in der Engstinger Gemeinschaft. Und das schon seit weit über zwei Jahrhunderten, gegründet wurde der Familienbetrieb am 2. Juni 1802. Die Alb war von der Landwirtschaft geprägt, die klassische Schmiede fand ihre Kunden unter den zahlreichen Bauern und Waldarbeitern. Für die wurden landwirtschaftliche Geräte gefertigt, und - weil es noch keine Traktoren gab - Hufeisen für den tierischen Antrieb. Dazu Beschläge und Eisenbereifungen für die hölzernen Räder der Pferde- und Ochsengespanne. Und als Tierarzt fungierten der Schmied bei Bedarf auch, die Schmiede war ein Mittelpunkt des ländlichen Lebens.

Und leistete auch ungewöhnlichen Dienst am Kunden: Als ein Landwirt von der Haid seinen Traktor abgegeben hatte und eine Rückfahrgelegenheit suchte, stoppte Leippert senior - die Werkstatt ist 1957 auf das jetzige Betriebsgelände neben den Bahngleisen umgezogen - einen Zug in Fahrtrichtung Haid. Personenverkehr gab es damals schon nicht mehr, Personen dürfe er nicht mitnehmen, sagte der Zugführer. »Das ist keine Person, das ist ein Bauer«, antwortete Leippert. Der Bauer durfte mitfahren. In der Werkstatt zeugen noch zahlreiche Hufeisen, der Amboss und die Esse von dieser Zeit.

Josef Leippert mit Innenminister Thomas Strobl (links) und Manuel Hailfinger (MdL).
Josef Leippert mit Innenminister Thomas Strobl (links) und Manuel Hailfinger (MdL). Foto: Ministerium
Josef Leippert mit Innenminister Thomas Strobl (links) und Manuel Hailfinger (MdL).
Foto: Ministerium

Pferde und Fuhrwerke verschwanden in der Nachkriegszeit, aber bis in die 1960er-Jahre wurden noch Pferde beschlagen, erinnert sich Josef Leippert. Doch der Traktor war das Maß der modernen Zeit, das Unternehmen wandelte sich. Auch das Berufsbild, aus »Schlosser und Schmied« wurden der Metallbauer und der Landmaschinenmechaniker. Schlepper statt Rösser, Land- und Gartenmaschinen statt Eisenreifen - das Unternehmen in Großengstingen hat die Veränderungen, den technischen Fortschritt miterlebt.

Landwirtschaftliche und Gartengeräte werden im Betrieb heute noch gerichtet, Alexander Leippert ist auch Landmaschinenmechaniker. An Bedeutung gewann aber die Bauschlosserei, zu tun gab es in der Phase reger Bautätigkeit genug. Auf dem Betriebsgelände findet man Stahltreppen, Geländer oder Schachtgitter, ein Großprojekt war der Stahlträgerrahmen auf dem Gelände des Entsorgers in Kleinengstingen, damals war noch Peter Stoosss der Eigentümer. Die Halle ist abgebrannt, die Träger aus der Werkstatt Leippert ragten aber noch lang in den Himmel. Beim Löschen war die Belegschaft der Schlosserei natürlich kopfstark vertreten, wahrscheinlich mit etwas Trauer im Herzen.

Der Betrieb ist mit den neuen Herausforderungen gewachsen. In den 50er-Jahren war das Unternehmen in die Meidelstetter Straße an den Bahngleisen umgezogen, 2010 wurde die neue Halle gebaut. Für die nächste Generation ist also vorgesorgt. (GEA)