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Aktuell Jahresende

Engstingen hat ein aufregendes Jahr 2025 hinter sich

Bürgermeister Mario Storz blickt im Gemeinderat auf ein spannendes, erfolgreiches Jahr zurück, aber mit Sorge in die Zukunft.

In Engstingen hat sich im fast abgelaufenen Jahr einiges getan.
In Engstingen hat sich im fast abgelaufenen Jahr einiges getan. Foto: Dieter Reisner
In Engstingen hat sich im fast abgelaufenen Jahr einiges getan.
Foto: Dieter Reisner

ENGSTINGEN. Bürgermeister Mario Storz hat dem Gemeinderat und zahlreichen Bürgern im Engstinger Rathaus seinen traditionellen Jahresrückblick präsentiert - mit einem lachenden und einem stark weinenden Auge: Die finanzielle Lage wird für die Kommunen nicht einfacher. Engstingens Kämmerer muss sich darauf einstellen, dass er im kommenden Jahr durch zwei Federstriche fast eine Million Euro weniger zur Verfügung hat. Würde der Kreistag die Erhöhung der Kreisumlage wie geplant beschließen, müsste Engstingen rund 600.000 Euro mehr als bisher - 3,4 Millionen statt 2,8 Millionen Euro - gen Reutlingen abliefern.

Irgendwo muss der Kreis die Mittel für seine Aufgaben beschaffen. Die Kommunen, selbst am Anschlag, seien aber die falsche Geldquelle, meint nicht nur der Engstinger Bürgermeister. »Wer bestellt, soll bezahlen«, sagte Storz mit Blick aufs Grundgesetz und Bund und Land, die Kreis und Gemeinden immer mehr Aufgaben aufbürden, ohne die Mittel dafür bereitzustellen.

Ebenfalls hart trifft Engstingen das Ergebnis des Zensus 2022: Die Gemeinde hat nach der Volksschätzung 140 Einwohner weniger und damit gehen 290.000 Euro an kopfbezogenen Zuweisungen verloren - und das jedes Jahr bis zum nächsten Zensus. Am »Einwohnerschwund« hat der Bürgermeister so seine Zweifel: die eigene Zählung, Bauprojekte, die Auslastung von Schulen und Kindergärten ließen eigentlich nur den Schluss zu, dass Engstingen wachse, nicht schrumpfe.

Da seien auch die 3,4 Millionen Euro, die aus dem Sondervermögen des Bundes für allerlei Investitionen gewährt wurden, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: »Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel«, meinte Storz, und forderte mehr »Vertrauen durch Verantwortung«, weniger Einmischung von oben.

Mehr Umlagen, weniger Zuweisungen

Trotzdem sei in diesem vieles auf den Weg gebracht worden, nicht zuletzt im Bereich Umweltschutz. Das Klimaschutzkonzept für die Gemeinde wurde verabschiedet, Engstingen sei im Klimaschutz besser unterwegs als der Bundesdurchschnitt: »Wir verkaufen uns unter Wert.« Jetzt seien aber auch die privaten Haushalte und das Gewerbe gefragt. Bei den erneuerbaren Energien steht Engstingen künftig gut da. Für die drei Windkraftanlagen von Windkraft Schonach sind die Genehmigungen eingereicht. Gemeinderat und Verwaltung haben sich frühzeitig mit dem Thema befasst, bis hin zu einem Bürgerentscheid. Mit drei Windrädern bleibe die Belastung überschaubar, nicht zu reden von Pachteinnahmen und Ausgleichszahlungen, die - siehe oben - dringend gebraucht werden. Aber Engstingen ist keine Insel, eine hohe Zahl von Windenergie-Anlagen in der Region werden die Gemeinde bald besonders treffen, so Storz.

Kalt überrascht wurde Storz von zwei Ereignissen kurz vor Jahresende. Die Postfiliale schloss unangekündigt, selbst das Rathaus kam nicht mehr an seine Postfächer. Allerdings zeichne sich eine Nachfolgelösung ab, Details konnte der Bürgermeister noch nicht nennen. Möglicherweise gravierende Folgen hat ein Schreiben der Bundeswehr, das einen Umwandlungsstopp militärischer Liegenschaften verkündet. Storz hält das mit Blick auf ehemalige, längst umgewidmete oder verlassene Flächen für weltfremd: Eine Entscheidung am grünen Tisch ohne jegliche Ahnung von den Gegebenheiten vor Ort, meint Storz. Und geht davon aus, dass der Umwandlungsstopp keine Wirkung auf die Erweiterung des Biosphärengebiets haben wird, in die auch der Bundesforst Flächen einbringen wird. So ist es zumindest bisher beschlossen.

Veränderungen im Rathaus

Im Rathaus hat sich einiges getan, nicht zuletzt personell. Die langjährige Hauptamtsleiterin Marianne Hoffmann geht in den Ruhestand und wurde im Gemeinderat verabschiedet. Mit Franziska Gerollis wurde eine Nachfolgerin gefunden, die sich bereits »äußerst engagiert und in allerbester Weise« eingearbeitet habe. Gerollis kann sich an ihrem nicht mehr ganz neuen Arbeitsplatz über einige Neuerungen freuen: Die Rathausfassade strahlt in neuem Glanz, das untere Stockwerk wurde grundlegend erneuert und vom strahlenden Edelgas Radon befreit. Wichtiger für die tägliche Arbeit sind Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung: Cloud-Arbeitsplätze, E-Rechnungsworkflow, digitales Dokumentenmanagement sind eingeführt, auch wenn noch nicht alles ganz rund laufe. So soll die Verwaltung papierärmer und effizienter werden. Ebenfalls neu im Rathausteam ist Ortsbaumeisterin Sandra Grauer, die sich nicht nur mit dem Breitbandausbau in der Gemeinde ausgiebig befasst.

Investiert wurde auch in den Bauhof, der einen neuen Lkw und einen neuen Bagger, eine Waschplatte und einen neuen Ölabscheider bekommen hat. Die Feuerwehr-Abteilung Kleinengstingen bekommt ein neues Löschfahrzeug LF20, in Kohlstetten steht die Ersatzbeschaffung für ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF-W) an. Der Sportboden in der Freibühlhalle wird mischelastisch neu aufgebaut und die Bauplätze in den Schafäckern sind alle verkauft, so viel zum Thema schrumpfende Gemeinde.

In den kommenden Jahren wird es der Verwaltung nicht langweilig werden. Regionalstadtbahn, Breitband, Ganztagsbetreuung, die Neue Ortsmitte und mehr werden Engstingen beschäftigen. Da seien die 3,4 Millionen Euro vom Bund schnell verplant, befürchtet Mario Storz, zieht aber das Fazit: »Man kann meist viel mehr tun, als man sich gemeinhin zutraut«. (GEA)