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Aktuell Ammertalbahn

Zugausfälle rufen Tübingens Landrat auf den Plan

Landrat Dr. Hendrik Bednarz, zugleich Vorsitzender des Zweckverbandes der Ammertalbahn, spart in einer Pressemitteilung nicht an öffentlicher Kritik an der DB Regio. Deren »miserables Fahrzeugmanagement« sei inakzeptabel.

Inzwischen ein eher seltener Anblick: Ein Zug auf der Ammertalbahn.
Inzwischen ein eher seltener Anblick: Ein Zug auf der Ammertalbahn. Foto: Alexander Thomys
Inzwischen ein eher seltener Anblick: Ein Zug auf der Ammertalbahn.
Foto: Alexander Thomys

TÜBINGEN. Ab Montag soll alles besser werden. Mal wieder. Dann sollen auf der Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg wieder alle Züge fahren. »Alle Leistungen« sollten dann wieder gefahren werden können, heißt es in einer Pressemitteilung des Zweckverbands Ammertalbahn. Doch scheint das Vertrauen in die eigene Ankündigung nicht allzu ausgeprägt zu sein, denn im nächsten Satz heißt es: »Ein Ersatzkonzept mit Bussen (...) wird bis zur Stabilisierung der Fahrzeugverfügbarkeit als Rückfallebene ab Montag dennoch eingerichtet und in den Auskunftsmedien veröffentlicht.«

Allein: Auch diese Informationsmedien funktionieren nur begrenzt. Wie etwa der DB-Navigator. Ein Blick auf diesen am Donnerstagnachmittag lässt den Bahnnutzer ratlos zurück. »Verbindung fällt aus«, heißt es bei der Regionalbahn 63, die in Tübingen um 13.11 Uhr nach Herrenberg starten sollte. Beim Zug eine halbe Stunde später heißt es dagegen kryptisch: »Es liegen Meldungen vor.« In besagter Meldung selbst heißt es dann, aufgrund der »eingeschränkten Fahrzeugverfügbarkeit« würden »einige Verbindungen entfallen« und durch Busse ersetzt. Welche Verbindungen entfallen, welche nicht? Wirklich schlau wird da wohl nur, wer sich regelmäßig den Unbillen der schlagzeilenträchtigen »Jammertalbahn« aussetzt.

Zur Erinnerung: Nach einem gelungenen Start des Inselbetriebs im Dezember 2023 waren es im vergangenen Jahr dann zuerst unerwartete Verschleißerscheinungen an Gleisen und Radreifen, die den Fahrbetrieb im Ammertal in die Knie zwangen. Dann: der Start des 30-Minuten-Taktes auf der Ermstalbahn zwischen Metzingen und Bad Urach, der - mit jahrelanger Verzögerung - für die Bahn so plötzlich kam, dass es nun an Zügen fehlte, die auf der Ammertalbahn »eingespart« werden mussten. Die beiden Strecken sind eigentlich miteinander verwoben, ursprünglich sollten die Züge zwischen Herrenberg und Bad Urach über Tübingen und Reutlingen durchgängig verkehren. Weil sich dieses Ziel nach zahlreichen Verspätungen vorläufig als zu ambitioniert herausgestellt hat, wurde besagter Inselbetrieb eingeführt.

In der jüngsten Pressemitteilung heißt es nun, die jüngste Häufung von Ausfällen beruhe auf fehlenden Fahrzeugkapazitäten. Die (für die Bahn) offenbar überraschend kalte Witterung der vergangenen Wochen habe zu einem »außerplanmäßg erhöhtem Störgeschehen« geführt, Baumaßnahmen im Ulmer Hauptbahnhof würden zudem dazu führen, dass reparaturbedürftige Züge bis nach München gefahren werden müssten, um dort instandgesetzt zu werden.

Die DB Regio habe zwar »alternative Fahrzeuge« für die Ammertalbahn mobilisiert, diese hätten aber eine geringere Kapazität. »Dass nun das durch den Inselbetrieb mühsam wiedergewonnene Vertrauen in die Ammertalbahn durch das miserable Fahrzeugmanagement von DB Regio erneut zerstört wird, ist absolut inakzeptabel«, äußert sich der Verbandsvorsitzende des Zweckverbands, Landrat Dr. Bednarz zur aktuellen Situation und lässt dabei die verschleißbedingten Zugausfälle unerwähnt. »Den berechtigten Frust der Fahrgäste müssen nun die Mitarbeiter des Zweckverbands aushalten, obwohl die Ursache in der Verantwortung von DB Regio liegt.«

Versöhnlich heißt es zum Schluss in der Pressemitteilung: »Der Zweckverband und DB Regio sind sich der Problematik in vollem Umfang bewusst, die seit Schulbeginn beinahe täglich zu Ausfällen für die Fahrgäste führt und arbeiten mit Hochdruck daran kurzfristige Abhilfe zu schaffen. Der Zweckverband und DB Regio bedauern die verkehrlichen Einschränkungen ausdrücklich.« Offen bleibt, wie diese obligatorischen Phrasen bei den leidgeprüften Pendlern ankommen. (GEA)