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Palmer in die Landesregierung? Tübingens Oberbürgermeister reagiert

Boris Palmer ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands. Etwa ein Drittel der Menschen wünschen sich den Tübinger Oberbürgermeister nach der Wahl in der Landespolitik. Der ist wohl nicht abgeneigt, lässt seine Zukunft aber noch offen.

Treffen von Özdemir und Palmer in Solarthermie-Park Tübingen
Zwei, die sich gut verstehen: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) und Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir. Foto: Bernd Weißbrod/DPA
Zwei, die sich gut verstehen: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (parteilos) und Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir.
Foto: Bernd Weißbrod/DPA

TÜBINGEN. Mehr als ein Drittel der Menschen im Südwesten wünscht sich einer repräsentativen Umfrage zufolge, dass Boris Palmer nach der Landtagswahl eine Rolle auf Landesebene spielt – obwohl der Tübinger Oberbürgermeister darauf überhaupt keine Ambitionen zeigt. 39 Prozent der Befragten gaben in einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur an, Palmer solle nach der Wahl am 8. März ein Amt in der Landespolitik bekommen. Dagegen sprechen sich 18 Prozent der Befragten aus, 21 Prozent haben keine Meinung, und weitere 21 Prozent kennen den parteilosen Politiker, der früher den Grünen angehörte, nicht.

Fans hat der 53-Jährige der Umfrage zufolge über fast alle Parteien hinweg. Unter den Anhängern der FDP wären sogar 60 Prozent für eine Rolle Palmers auf Landesebene, unter den Anhängern von Grünen, CDU und SPD ist etwa jeder Zweite dafür. Nur unter den Anhängern der Linken sind mehr Befragte gegen ein Amt für Palmer als dafür. Auch bei der Bekanntheit sticht Palmer viele Landespolitiker aus. Fast vier von fünf Befragten (79 Prozent) kennen ihn der Umfrage zufolge. Damit ist er nach Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir (94 Prozent) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (93 Prozent) der drittbekannteste Politiker im Südwesten. Zum Vergleich: Den CDU-Spitzenkandidaten für die Wahl, Manuel Hagel, kennen der Umfrage zufolge 52 Prozent der Befragten.

Palmer war zu Beginn seiner Karriere Landtagsabgeordneter und ist seit 2007 Tübingens Oberbürgermeister. Er war bereits als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident Kretschmann gehandelt worden, bevor er 2023 nach mehreren Skandalen bei den Grünen austrat. Kürzlich hatte sich der 53-Jährige offen für eine Rückkehr zu den Grünen gezeigt. »Hoffnung habe ich. Und es wird auch viel damit zu tun haben, ob es Cem Özdemir gelingt, die Grünen in Baden-Württemberg mit einem Wahlerfolg auf Kretschmann-Kurs zu halten«, sagte Palmer.

Führende Köpfe der Grünen hatten immer wieder Signale der Annäherung gesendet. Ministerpräsident Kretschmann hatte gesagt: »Es wäre schön, wenn er wieder zurückkehrt.« Mit Blick auf die Landtagswahl am 8. März hatte sich Palmer bereits öffentlich hinter Özdemir gestellt – samt gemeinsamer Auftritte im Wahlkampf.

In Tübingen ließ sich Özdemir von OB Palmer Vorzeige-Projekte zur Energiewende zeigen: den Solarthermie-Park Au und den Solarpark Traufwiesen. Im Solarthermie-Park Au wird Wasser mit Hilfe von Sonnenwärme auf 90 Grad Celsius erhitzt und teils ins Nahwärmenetz für die Süd- und die Innenstadt, teils in einen Großwärmespeicher eingespeist. Auf den 60.000 Quadratmetern Fläche der Anlage soll zudem ein Naherholungsgebiet mit Spielplatz und Liegeflächen entstehen.

Im Solarpark Traufwiesen werden bald 1.000 Quadratmeter der Solarkollektoren direkt gegenüber des Umspannwerks abgebaut: Dort baut die Stadt Tübingen einen großen Batteriespeicher. Um weitere Anlagen innerhalb von Bundesstraßen-Zufahrten, sogenannten »Ohren«, zu errichten, brachte Palmer ein »Ohren-Gesetz« ins Spiel. Özdemir versprach Palmer, er wolle sich dafür einsetzen, Hemmnisse während der Genehmigungsverfahren abzubauen (»da müssen wir schneller werden«) und die Finanzierung ähnlicher Projekte, etwa über Bürgschaften, einfacher zu machen. Dabei betonte Özdemir die Wichtigkeit kommunalen Energieversorger: »Ohne die Stadtwerke geht es nicht!«

Angesichts der Harmonie zwischen den beiden Politikern und den Umfragewerten kam später die Frage auf, ob Özdemir, im Falle eines Wahlsiegs, Palmer ins Kabinett holen würde. Der grüne Spitzenkandidat wollte das Fell des Bären noch nicht verteilen, lobte den Tübinger Oberbürgermeister aber über den grünen Klee. Dieser dementierte nicht. (dpa/mac)