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Kritik an Bahn-Verbindung Tübingen-Stuttgart: Minister antwortet OB Palmer

In einem offenen Brief an Verkehrsminister Winfried Hermann hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer den Zustand der Bahnverbindung zwischen Tübingen und Stuttgart vehement kritisiert. Jetzt hat der Minister geantwortet. Er sagt: Bald soll es Verbesserungen geben.

Die Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart ist bei Bahnreisenden stark nachgefragt. Allerdings fährt der Metropolexpress immer
Die Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart ist bei Bahnreisenden stark nachgefragt. Allerdings fährt der Metropolexpress immer unzuverlässiger. Das soll sich möglichst schnell verbessern. Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank
Die Strecke zwischen Tübingen und Stuttgart ist bei Bahnreisenden stark nachgefragt. Allerdings fährt der Metropolexpress immer unzuverlässiger. Das soll sich möglichst schnell verbessern.
Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

TÜBINGEN/STUTTGART. Boris Palmer hatte sich in seinem offenen Brief am 8. Januar an Verkehrsminister Winfried Hermann über den Zustand der Bahnverbindung von der Unistadt in die Landeshauptstadt massiv beschwert. Als langjähriger Nutzer habe er »ein derartiges Ausmaß an Unzuverlässigkeit im Schienenverkehrs auf dieser Verbindung nicht erlebt«. Als Bürgermeister sei es ihm kaum noch möglich, mit der Bahn rechtzeitig zu Terminen zu kommen. Erstmals nach 18 Jahren im Amt erwäge er, sich einen Dienstwagen anzuschaffen, so der erzürnte OB.

Palmer kritisierte aber nicht nur, er hatte auch konkrete Lösungsansätze parat, wie die Lage kurzfristig zu verbessern sei: Die derzeitig vorgesehene Wendezeit des Metropolexpress von zehn Minuten reiche offensichtlich nicht aus. Anstelle dessen solle ein zusätzlicher Zug in Tübingen abfahrbereit stehen, um die Strecke auch dann zu bedienen, wenn der ankommende Zug noch nicht eingetroffen ist. Bahnexperten nennen das eine überschlagene Wende. Dazu schlägt Palmer vor, den zweistündlich fahrenden RE 6 zwischen Tübingen und Stuttgart aus dem Verkehr zu nehmen, um genügend Personal und Waggons für die überschlagene Wende zur Verfügung zu haben.

»Die Vorschläge von Herrn Palmer sind uns alle nicht neu«

»Die Vorschläge von Herrn Palmer sind uns alle nicht neu, sie wurden vielmehr von Kollegen aus unserem Haus schon länger bearbeitet und von Herrn Palmer, wie es scheint, kurzerhand übernommen«, schreibt dazu Wenke Böhm von der Pressestelle des Verkehrsministeriums. Für den Fahrplan ab Inbetriebnahme Stuttgart 21 seien die überschlagenen Wenden in Tübingen bereits vorgesehen, bestätigt der Verkehrsminister Winfried Hermann. Aktuell sei geplant, diese Verbesserungen auch ohne Stuttgart 21 ab Dezember 2026 zum Fahrplanwechsel umzusetzen. »Soweit die Fahrzeugindustrie, die Stand heute zugesagten Lieferpläne für die neuen Doppelstockzüge einhält, sollten ab diesem Zeitpunkt genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen«, so der Verkehrsminister weiter.

Auch der Vorschlag, das Angebot zu reduzieren, sei dem Ministerium nicht neu. Im Gegenteil. Das Ministerium befinde sich seit Dezember in Gesprächen mit DB Regio. Das Angebot auf der Strecke Tübingen - Stuttgart würde damit um ein Sechstel verringert werden. Herrmann hält das vertretbar, »wenn damit die Qualität steigt«. Das Antwortschreiben schließt mit der Versicherung des Ministers, dass mit Nachdruck angestrebt werde, »bis spätestens Ostern 2026 in Tübingen einen Zug bereitzustellen, der pünktlich abfährt, auch wenn der Zug aus Stuttgart verspätet ankommt«.

Bahnnutzer sollten sich aber nicht zu früh freuen: Hauptverursacher der Probleme sei, so Herrmann, die Deutsche Bahn, die Infrastruktur und die Großbaustelle Stuttgart 21. »Kurzfristig ist deshalb eine grundsätzliche Verbesserung nicht zu erreichen.« Der Verkehrsminister bestätigt in seinem Schreiben, dass sich die Zuverlässigkeit der Zugverbindung immer weiter verschlechtert habe. Das habe sich darüber hinaus im vergangenen halbe Jahr noch einmal zugespitzt. Auch das Ministerium beobachte diese Entwicklung »mit großer Sorge und Verärgerung.« (GEA)