Logo
Aktuell Gewässer

DLRG: Eisdecke auf Tübinger Anlagensee nicht sicher

Im Auftrag der Stadt Tübingen hat die Wasserrettungsgruppe der DLRG die Eisdicke auf dem Anlagensee gemessen. Eine sichere Tragfähigkeit ist nicht gegeben, mahnen die Spezialisten.

Das Eis auf dem Tübinger Anlagensee wurde an mehreren Stellen geprüft.
Das Eis auf dem Tübinger Anlagensee wurde an mehreren Stellen geprüft. Foto: DLRG
Das Eis auf dem Tübinger Anlagensee wurde an mehreren Stellen geprüft.
Foto: DLRG

TÜBINGEN. Als am Montagnachmittag zahlreiche Menschen über den Tübinger Anlagensee spazierten und die Schilder ignorierten, die eben dies untersagen und auf die Lebensgefahr auf dünnem Eis hinweisen, alarmierte die Stadtverwaltung die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), damit deren Wasserrretter die Eisdecke prüfen sollten. »Als wir angekommen sind, waren zwischen 100 und 150 Personen auf dem See unterwegs«, berichtet Konrad Steibli vom Wasserrettungszug Neckar-Alb der DLRG. Mit Bohrern ausgestattet gingen die ehrenamtlichen Einsatzkräfte auf den See, um die Eisdicke zu messen. Weitere Einsatzkräfte standen am Ufer bereit, um notfalls eingreifen zu können. Das Ergebnis der Messungen: »Wir empfehlen, nicht auf den See zu gehen.«

Am Mittwochvormittag wiederholten die DLRGler die Messungen. Das Ergebnis: An Uferbereichen ist die Eisdecke um die elf Zentimeter dick, in der Seemitte sind es knapp 14 Zentimeter. »Im Anlagensee gibt es durch den Mühlbach eine spürbare Strömung, deshalb ist die Eisdecke nicht gleichmäßig ausgebildet«, erklärt Steibli. Eben diese Strömung macht den See zum Fließgewässer - und eine tragfähige Eisschicht damit noch unwahrscheinlicher. »Als wir zu dritt zusammenstanden, hat es schon gehörig gekracht im Eis, man hat es schon unter Spannung bersten gehört«, sagt Steibli. Von einer sicheren Eisdecke spricht die DLRG erst ab einer gleichmäßigen Stärke von 15 Zentimetern. Auf einem See ohne Strömung.

In der Mittagspause waren dennoch viele Schüler auf dem Anlagensee unterwegs. »Man hat den See gehört, als die Schüler draufgesprungen sind«, betont Steibli. Abseits der offiziellen Verbote appelliert Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer an die Eisspaziergänger, von anderen Menschen einen Abstand von drei Metern zu halten - und den Zuflussbereich des Mühlbachs komplett zu meiden. Grundsätzlich betont Palmer, angesichts der Messungen der DLRG: »Diese Eisdicken reichen leider nicht für eine offizielle Freigabe des Sees.«

Konrad Steibli warnt indes vor allem davor, sich auf die Flüsse zu begeben. Derzeit bildet sich auch auf dem Neckar eine dünne Eisschicht aus - von einer tragfähigen Eisdecke ist dieser aber weit entfernt. »Und ab morgen soll es auch wieder tagsüber tauen«, warnt der DLRG-Einsatzleiter. Die Rettungskräfte - ob von der Feuerwehr oder der DLRG - sind indes in erhöhter Alarmbereitschaft. »Wir haben auf beiden Einsatzfahrzeugen die Eisrettungssätze verlastet«, erklärt Steibli. (GEA)