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Aktuell Betreuung

Knappe Mehrheit sieht den Bedarf für neuen Kusterdinger Kindergarten

Kusterdinger Gemeinderat beschließt neuen Kindergarten für fünf Gruppen. FWV-Antrag scheitert

Der dringenden Empfehlung des Bürgermeisters, den Kindergarten-Neubau mit fünf anstelle von drei Gruppen zu konzipieren, ist de
Der dringenden Empfehlung des Bürgermeisters, den Kindergarten-Neubau mit fünf anstelle von drei Gruppen zu konzipieren, ist der Gemeinderat schließlich gefolgt. FOTO: DPA
Der dringenden Empfehlung des Bürgermeisters, den Kindergarten-Neubau mit fünf anstelle von drei Gruppen zu konzipieren, ist der Gemeinderat schließlich gefolgt. FOTO: DPA

KUSTERDINGEN. Der neue Kusterdinger Kindergarten soll nun doch für fünf Gruppen konzipiert werden. Das im Oktober vergangenen Jahres beschlossene Verfahren wird allerdings ein anderes sein. Mit knapper Mehrheit votierte der Gemeinderat am Mittwoch für fünf Gruppen und gegen den Antrag der Freien Wähler, nur für drei Gruppen zu planen mit der Option auf Erweiterung um zwei weitere. Mit der Verfahrensänderung setzten sich die Freien Wähler jedoch durch: Es wird keinen Architektenwettbewerb geben, den Neubau organisiert ein sogenannter General-Übernehmer.

Vor gut einem Jahr war der Beschluss, einen fünfgruppigen Kindergarten auf dem gemeindeeigenen Grundstück in der Hölderlinstraße neben dem Mozartkindergarten zu bauen, das erste Mal vertagt worden. Seither hat der Gemeinderat etliche Male darüber diskutiert, bis der Entschluss für den Neubau im Oktober schließlich gefällt wurde. In der Haushaltssitzung im Februar wurde der Beschluss auf Antrag der Freien Wähler dann jedoch gekippt. Diese Abstimmung zugunsten einer kleineren Variante war allerdings rechtswidrig, da das Thema nicht auf der Tagesordnung stand (der GEA berichtete). In einer Sondersitzung musste das Thema daher noch einmal behandelt werden.

Erleichterung bei den Eltern

Erleichtert über die Zustimmung zu der fünfgruppigen Einrichtung zeigte sich Dana Blümel-Hoffmann. Sie hatte gemeinsam mit einer anderen Mutter über 30 Unterschriften von Familien gesammelt, mit dem Appell an die Bürgervertreter, die größere Variante zu beschließen. Eine Verringerung der Größe stünde »im Widerspruch zur eigenen Bedarfsplanung«, die die damalige Hauptamtsleiterin Christine Falkenberg im Sommer 2020 vorgestellt hatte. Demnach fehlen allein im Teilort Kusterdingen vier bis sechs Gruppen. Die Gesamtgemeinde braucht laut Bedarfsplan zehn bis 13 zusätzliche Gruppen.

Blümel-Hoffmann, Mutter von vier Kindern, rechnet zwar nicht damit, dass sie noch von dem Neubau profitiert – ihr Jüngster ist eineinhalb Jahre alt und besucht jetzt den Weinbergkindergarten – ist sich aber sicher, dass auf jeden Fall fünf Gruppen gebraucht werden. Die Einrichtung ihres Sohnes musste dieses Jahr auf 40 Kinder aufgefüllt werden, ist aber für so viele gar nicht ausgelegt, weiß Blümel-Hoffmann. Der Weinbergkindergarten bietet darüber hinaus auch keine Ganztagsbetreuung an, sodass sie nicht wieder in dem Umfang ihre Beschäftigung im Reutlinger Landratsamt aufnehmen kann, wie sie eigentlich möchte.

Andere Kusterdinger Kinder mussten auf Kindergärten in Jettenburg, Mähringen und Tübingen verteilt werden, erzählt sie. Für zehn Kinder aus dem Teilort Kusterdingen gibt es noch keine Plätze für das kommende Kindergartenjahr. Die Eltern machen außerdem darauf aufmerksam, dass der Hülbekindergarten aufgrund von Personalmangel seit einiger Zeit seine Betreuungszeit von 17 auf 14.30 Uhr reduziert hat und auch der Weinbergkindergarten nur noch bis 12.30 statt bis 13.30 Uhr geöffnet ist. Damit ist eine Ganztagsbetreuung nicht möglich.

Adam Dürr (FWV) plädierte für eine Sanierung des Weinbergkindergartens und damit lediglich drei Gruppen in dem neuen Kindergarten. Er fragte im Hinblick auf die aktuellen Kinderzahlen auch, ob die Prognose für die Zukunft überhaupt richtig sei. »Es heißt immer wieder, wir brauchen Ganztagsplätze«, stellte er den Bedarf an verlängerten Betreuungszeiten infrage, für die die Räume im Weinbergkindergarten nicht geeignet wären. »Die meisten brauchen keine, 14.30 Uhr reicht.« Dem widersprach Hauptamtsleiterin Claudia Marinic: »Der Trend geht zur Ganztagsbetreuung.« Die Eltern der rund 660 Härten-Kinder von 0 bis sechs Jahre haben ein Recht auf einen Betreuungsplatz, es werde nicht hinterfragt, an wie vielen Tagen sie dieses in Anspruch nehmen, das Personal müsse man vorhalten.

Die Kosten für den Neubau liegen bei rund vier Millionen Euro. Für das Projekt an der Hölderlinstraße muss jetzt der Bebauungsplan geändert werden, bevor die Planungen beginnen können. Mit diesen soll dann ein General-Übernehmer beauftragt werden, der das Vorhaben realisiert. Die freien Wähler erhoffen sich über dieses Verfahren des »Planen und Bauen« einen Zeitgewinn gegenüber einem Architektenwettbewerb (siehe unten stehenden Artikel).

»Alte Hütten« sanieren?

Die beiden Gruppen aus dem dringend sanierungsbedürftigen Hülbekindergarten sollen ebenfalls in den Neubau umziehen, sodass eigentlich nur eine neue Gruppe entsteht. »Ich bin überzeugt, dass eine zusätzliche Gruppe für Kusterdingen in den nächsten Jahren angebracht ist«, argumentierte Matthias Illing (Härtenliste) für den großzügigeren Neubau. »Nur drei Gruppen bringen uns nicht weiter«, sagte er und wies darauf hin, wie schwierig es sei, die viel Energie verbrauchenden »alten Hütten« in der Hülbe und in der Weinbergstraße zu sanieren.

Für die Kombination des Neubaus mit dem Mozartkindergarten kann sich die Verwaltung den Evangelischen Kirchenbezirk als Träger vorstellen. Die Gemeinde würde dann die bisher von der Kirche betriebenen Kindergärten Hülbe und Am Weinberg übernehmen – wobei letzterer womöglich geschlossen und das Grundstück anderweitig genutzt wird. Diesen Vorschlag will der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung diskutieren. (GEA)