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In Tübingen fehlen Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge - Stadt appelliert an Vermieter

Immer mehr Flüchtlinge aus der Ukraine kommen nach Tübingen. Unterbringungsmöglichkeiten fehlen.

Die Stadt Tübingen rechnet mit immer mehr Flüchtlingen, die eine Unterkunft brauchen und appelliert unter anderem an private Ver
Die Stadt Tübingen rechnet mit immer mehr Flüchtlingen, die eine Unterkunft brauchen und appelliert unter anderem an private Vermieter freien Wohnraum zur Unterbringung zur Verfügung zu stellen. FOTO: FELIX KÄSTLE/DPA
Die Stadt Tübingen rechnet mit immer mehr Flüchtlingen, die eine Unterkunft brauchen und appelliert unter anderem an private Vermieter freien Wohnraum zur Unterbringung zur Verfügung zu stellen. FOTO: FELIX KÄSTLE/DPA

TÜBINGEN. Die Zahl der Geflüchteten, die nach Tübingen kommt, steigt derzeit massiv an, teilt Tübingens Sozialbürgermeisterin Daniela Harsch mit. Die Stadtverwaltung sucht deshalb dringend weiteren Wohnraum, den Privatpersonen kurzfristig zur Verfügung stellen können.

Harsch betonte, sie habe zusammen mit dem Landkreis zuletzt immer wieder Pressemitteilungen verschickt, um auf die künftige Lage hinzuweisen: »Die Geflüchteten aus der Ukraine sind in den Hintergrund gerückt. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.« Seit 2015 habe die Stadt 1500 Menschen aus der Ukraine aufgenommen. Über die Hälfte, rund 800 Menschen, seit 1. März dieses Jahres.

Bestehenden Wohnraum genutzt

Das sei bisher geräuschlos abgelaufen, so die Sozialbürgermeisterin: »Wir konnten auf bestehenden Wohnraum zurückgreifen.« Nun sei sie von einem Schreiben der Landesregierung alarmiert worden, in dem »mit drastischen Worten« angekündigt wurde, dass sich die Zahlen deutlich erhöhen werden. »Wir werden 2022 womöglich mehr Menschen als in den Jahren zuvor aufnehmen müssen.«

Werner Walz, Verwaltungschef des Landratsamts, habe berichtet, dass zuletzt jede Woche ein voll besetzter Bus angekommen ist. Das Landratsamt ist ab der Erstaufnahme sechs Monate lang für die Geflüchteten zuständig. Danach folgt ein sogenannter »Rechtskreiswechsel«, dann ist die jeweilige Kommune verantwortlich – und das stellt sich mehr und mehr als Dilemma heraus.

INFOS FÜR VERMIETER

Potenzielle Vermieterinnen und Vermieter finden auf der Webseite der Stadt Tübingen Infos und ein Formular, mit dem sie ihr Wohnangebot melden können. Danach melden sich die Wohnraumbeauftragten, um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren. Bei Fragen sind die Wohnraumbeauftragten per E-Mail unter wohnraum-ukraine@ tuebingen.de erreichbar. Für das Integrationsmanagement und die Sozialberatung ist die Fachabteilung Hilfen für Geflüchtete zuständig. Die Mitarbeiter sind Ansprechpersonen für Geflüchtete und Ehrenamtliche sowie für Vermieterinnen und Vermieter, die Wohnraum für Geflüchtete zur Verfügung gestellt haben. Sie sind per E-Mail an hilfen.fuer.gefluechtete@ tuebingen.de erreichbar. Darüber hinaus gibt es eine Hotline, die montags, dienstags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 11.30 Uhr besetzt ist. Die Telefonnummer lautet 07071 2041980, montags und mittwochs antwortet ein ukrainisch sprechender Mensch. (mac) www.tuebingen.de/ wohnraum-ukraine

»Wir haben in den letzten Monaten versucht, Wohnungen direkt anzumieten und an den Landkreis weiterzuvermieten. Wir brauchen vor allem längerfristige Mietverträge«, betont Harsch. Nun appelliert sie dringend an alle Vermieter mit leer stehenden Wohnungen, diese zur Verfügung zu stellen. Laut Elisabeth Stauber, Leiterin des städtischen Fachbereichs Soziales, sind – Stand Mittwoch – 780 Geflüchtete aus der Ukraine in der Stadt gemeldet. Man rechne dazu mit einer Dunkelziffer von rund 100 Personen, die privat untergekommen sein könnten. Im September kämen nun rund 100 Geflüchtete hinzu, die von der Obhut des Landkreises in die der Stadt wechseln.

Auf Ebene der Mietverträge versuche man ein »Kombimodell« mit dem Landkreis zu erreichen, sodass die Geflüchteten in ihren bisherigen Unterkünften bleiben können und nicht umziehen müssen. Über 70 Wohnungen habe man durch bisherige Aufrufe vermitteln können, über 200 Personen seien so untergebracht worden. Rund 300 Menschen seien über private Hilfsbereitschaft untergekommen.

Unterkünfte für 2.600 Flüchtlinge

Nun rechne die Stadt mit weiteren 200 bis 300 Menschen, die in nächster Zeit Wohnraum brauchen. Der gesamte Landkreis werde um die 2.600 geflüchtete Menschen unterbringen müssen. Elisabeth Stauber betonte: »Für die Vermieter gibt es eine klare Ansprechperson. Hausmeister und ein Sozialbetreuungsteam sind auch dabei.«

Julia Hartmann, neben Axel Burkhardt Wohnungsbeauftragte der Stadt Tübingen, erläuterte, es kämen vor allem Familien und Familienverbünde (mit Großeltern oder Geschwister der Eltern). Man suche Räume, die diesen Menschen eine Lebensführung ermöglichen, mit abschließbaren Türen und »nicht das einzelne Sofa«.

Burkhardt bat künftige Vermieter auf die Homepage der Stadt zu gehen, um dort auf einem Formular den Wohnraum zu beschreiben, den sie zur Verfügung stellen können: »Wir nehmen dann zügig Kontakt auf und machen einen Besichtigungstermin aus.« Der Mietvertrag laufe über die städtische Wohnbaugemeinschaft GWG. Einliegerwohnungen oder von etwa Erbgemeinschaften ungenutzter Raum werde auch gerne genommen.

Monika Jaroch-Völker, Leiterin der städtischen Fachabteilung Hilfen für Geflüchtete, beschrieb ihre Stelle als integratives Management: Dort kümmere man sich um Personen in vorläufiger Unterbringung, ehe die Zuständigkeit wechsle und daraufhin die Stadt um eine Anschlussunterkunft dieser Personen bemüht sei: »Dann wird die Sozialarbeit der Stadt zuständig.«

Deren Mitarbeiter helfen den Geflüchteten bei Behördengängen, der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz sowie im Bereich Gesundheit. Für die Vermieter sei man gerade dabei, »ein Netz aufzubauen«, so Jaroch-Völker.

»Es wird eine riesige Herausforderung für uns. Wir machen uns große Sorgen«, fasst Sozialbürgermeisterin Harsch zusammen. Ihr sei die angespannte Wohnsituation in der Stadt bewusst: »Deswegen ist mein Appell auch so dringend.« (GEA)